Tagesschau.de titelt "ESA will deutschen Astronauten zum Mond schicken".
Donnerstag, 27. November 2025
Wir sind Mond!
Montag, 24. November 2025
Der maximale Universal-Boykott
Gerade bei Lidl gewesen. Enttäuscht festgestellt, dass die jetzt auch die kundenfeindlichen Mach's-Dir-doch-selbst-Kassen einrichten und vor der einen (von vier möglichen) menschenbesetzten Kasse eine lange Warteschlange hinnehmen.
Nun gut, denke ich, wenn Ihr meint, Eure Kundys dergestalt gängeln zu müssen, dann werde ich nun auch bei Lidl nicht länger die Abläufe stören. Famila und einige andere Discounter haben mir ja längst signalisiert, dass ich als Kundy nur lästig bin, und meine Erziehung verbietet mir, immer wieder irgendwo hinzugehen, wo ich unerwünscht bin.
Ich kann gut damit leben, dass der örtliche Einzelhandel dabei ist, sich abzuschaffen. Hygge¹ findet nicht im Supermarkt statt. Ich könnte auch gut damit leben, meinen gesamten Konsum via Online-Bestell-und-Lieferdienste zu regeln. Wenn die mit e-mobilen Fahrzeugen ausliefern, kann die Umweltbelastung kaum größer sein als bei der Logistik der Summe der Tempel des Einzelhandels.
Einzig, dass man Amazon längst auch boykottieren müsste ... und Google und ... so weiter. Ich finde aber keine sinnvollen Alternativen. Das ist kein Genöhle, sondern ein Appell.
Und überhaupt: Boykott. Gerade via Fediverse gelernt, was der Verein "Familienunternehmer e.V." macht und wer dazugehört. Wenn man die alle boykottieren wollte, was man aus ethischen Gründen eigentlich müsste, und wenn man dann auch noch Nestlé samt Anhängen und Blackrock samt Anhängen und Israel und Russland und Nordkorea und das Trump-Reich boykottieren wollte, dann wird irgendwann die Luft dünn und das Leben unübersichtlich.
Früher war ich überzeugt, es sei ethisch geboten und sinnvoll, einzelne Drecks-Firmen und Drecks-Länder zu boykottieren. Heute bin ich einen Schritt weiter: Der Boykott einzelner Institutionen bringt in der herrschenden Unübersichtlichkeit gar nichts. Stattdessen versuche ich den Maximal-möglichen-Universal-Boykott, auch Minimalismus genannt oder Konsum-Verzicht oder Nachhaltig leben.
Damit schlage ich vier Fliegen mit einer Klappe:
- Ich leiste meinen mini-winzigen Beitrag, Konzern-Profite zu reduzieren.
- Ich leiste meinen mini-winzigen Beitrag, eine auch künftig menschenlebenswerte Umwelt zu erhalten.
- Ich spare Geld.
- Ich minimiere die Lebenszeit, die ich sonst damit vergeudete, Geld zu erwerben, um mir den überflüssigen Shyce leisten zu können.
(Ja, bei der Erstellung dieses Bildes war auch, unter anderem, eine Bild KI beteiligt.
Aber schließlich und endlich habe ich's mit Paint-net bearbeitet.)
¹ Ich bin gerade dabei zu lernen, dass ein europäisches Wort ja gar nicht geht und natürlich das angelsächsische "Cozyness" zu verwenden ist, wenn man "heimisches Wohlfühlen, kuschlige Gemütlichkeit" meint. ²
² Dass doitsche Begrifflichkeit seit Jahrzehnten im Schicki-Schreib völlig undenkbar ist, ist ja ohnehin klar.
Dienstag, 18. November 2025
Ein höchstwahrscheinlich völlig wirkungsloser Versuch zum Thema "Rente"
Das Schlimmste, was passieren kann, wird passieren: Die Reichen und die Superreichen werden es schaffen, in der Rentenfrage die Alten und die Jungen gegeneinanderzuhetzen, und während wir uns in hirnlosen Neiddebatten gegenseitig zerfleischen, werden sie daneben stehen und sich kaputtlachen über unsere Blödheit, unsere Unorganisiertheit, unsere nicht vorhandene Solidarität.
Sie werden sich freudestrahlend High-Fives geben und triumphierend und ein bisschen verwundert feststellen, wie einfach es mal wieder war, wie total dieser erneute Sieg und wie unfassbar fett wieder mal der Profit.
Und wenn wir, die alten und die jungen Normalverbraucherys, uns in diesem Krieg bis zur Erschöpfung gegenseitig bekämpft haben, dann werden irgendwelche christlich-asozialen Politikys kommen und irgendeine drittklassige Regelung ausbaldowern, die beschissen ist für alle Beteiligten, mit Ausnahme der Reichen und Superreichen, die sich am Ende wieder den Arsch vergolden können, weil wir zu blöd sind.
Jahrzehnte später, wieder mal viel, viel zu spät, werden wir dann begreifen, dass der Konflikt um die Rente für die Betroffenen¹ ein Nullsummenspiel war und ist und immer sein wird und dass wir uns wieder mal absolut lächerlich gemacht und erniedrigt haben in den Augen der Herrschenden.
Hier mein letzter Versuch, das scheinbar Unabwendbare vielleicht doch noch abzuwenden:
Wir Alten² wollen, wenn wir im Rattenrennen nicht mehr mithalten können, noch ein paar Jahre selbstbestimmt leben dürfen. Das schließt finanzielle Unabhängigkeit ein. Es steht außer Zweifel, dass wir unsere Ansprüche reduzieren müssen. Das Argument, man habe früher Mörderkohle eingefahren und müsse folglich auch jetzt entsprechend üppig aus der Solidarkasse bedient werden, ist nicht durchzuhalten. Ein geringes aber auskömmliches Einkommen reicht und müsste definiert werden. Etwa so: Ein Tiny-Haus in flächiger Siedlung mit guter ÖPNV-Anbindung, rattenschnellem I-net, Klo, Dusche, Heizung, Allgemeinmedizinys in erreichbarer Distanz und leidliche Ernährung. Vielleicht noch ein kleines Taschengeld für Süßigkeiten, Bücher, Buntstifte und Papier³. Mehr muss nicht.
Ihr Jungen seid tatsächlich mehrfach gearscht. Der klassische Generationenvertrag ist unwiederbringlich hinüber. Wenn Ihr nicht zu dem asozialen 1 % der Reichsten in diesem unserem Lande gehört, werdet Ihr kaum mehr als ein auskömmliches Einkommen realisieren können (Def. s.o.), aber das würde sowieso schwierig, weil Ihr auch schon wegen des Erhalts einer menschenwürdigen Lebensumwelt von unseren durchgeknallten Luxus-Standards runtermüsst. Große Sprünge werden nicht mehr drin sein, und das muss ja auch nicht.
Und schließlich: Es ist eine glatte Lüge der herrschenden Reichen und Mächtigen, dass kein Geld da ist. Tax the rich. Wer mehr als 100 Millionen Euro besitzt, bekommt eine schicke Urkunde, dass sier alles über diese Summe hinausgehende der Gemeinschaft gespendet hat und künftige Beträge, die über diese Summe hinausgehen, mit 100 % versteuert. Statt Häme und Verachtung könnte man den Besitzys derartiger Urkunden dann vielleicht (!) sogar etwas Respekt entgegenbringen.
Tl,dr: Drei-Säulen-Lösung. Die Alten verzichten. Die Jungen verzichten. Die Reichen werden endlich angemessen besteuert. Ergebnis: Auskömmlich finanzierbare Rente ohne Zank und Streit
¹ Die Reichen und Superreichen gehören natürlich NICHT zu den Betroffenen. Die Frage, wovon man im Alter leben soll, wenn man im Rattenrennen des Kapitalismus nicht mehr auf den vorderen Plätzen mithalten kann, betrifft nur uns, die Morlocks. Die Herrschenden haben ihre Schäflein schon qua Geburtsrecht im Trockenen.
² Ja, ich zähle mich mich in diese Fraktion, obwohl ich es nur so halb richtig fühle. Aber als 63jähriger Frühpensionär wäre alles andere lächerlich.
³ Ok, die letzten vier Dinge wären wohl eher meine Präferenz, ein bescheidenes Taschengeld umzusetzen. Chacun à son goût.
[edit: Einen Tag nachdem ich diesen Text veröffentlichte, kam der Podcast von Ole Nymoen und Wolfgang Schmitt, wo das ganze Debakel viel grundsätzlicher und kompetenter und ausführlicher beschrieben wird. Dringend empfohlen!]
Sonntag, 16. November 2025
Wieder mal: Die Schuld der Anderen
Aktuelle Diplo, Artikel über "Nützliche Narcos", die verfehlte Drogenpolitik Europas am Beispiel Frankreichs, S. 20, beklagt der Verfasser den öffentlichen Pressesprech, der stets das Bild einer "Überschwemmung" des Landes mit allerhand illegaler Drogen malt und schwerstmehrfach-kriminelle Kartelle v.a. aus Lateinamerika verantwortlich macht.
In der Folge wird dann diskutiert, dass es diese Kartelle in der dargestellten Form überhaupt nicht gibt und - leider nur am Rande - dass zum Überschwemmen ja auch immer die Seite der Abnehmerys gehört.
Bei vielen (allen?) Dingen, die wir beklagen und die zu beklagen wir medial genötigt werden, sind wir in Wirklichkeit selbst die Verursacher. Welchen Grund gäbe es, tonnenweise Kokain und synthetische Drogen nach Europa bzw. die USA zu schaffen, wenn dort nicht riesige, willige, zahlungskräftige Nachfrage bestünde? 12,8 Milliarden Euro Umsatz in Europa in 2020 nur für Kokain kommen ja nicht aus dem Nichts. Das haben Tag für Tag, Bürgerinnen und Bürger in diesem, unserem Europa unredlich erworben und weggeschnüffelt.
Und weiter: China überschwemmt uns nicht mit sehr guten E-Autos, mit Stahl, PV etc., sondern hiesige Konzerne / Importeurys wittern enorme Profitchancen und dealen entsprechend. Und sollte ich die konzeptionell überalterten, stinkenden europäischen Vehikel kaufen, wenn die Chinesen so viel besseres liefern? Wie blöd müsste ich sein?
Noch einen Schritt weiter: Auch ich beklage immer wieder, wie abhängig wir vom Hegemon USA sind, wie sehr sie uns kulturell, datentechnisch, militärisch in die Ecke drängen usw.. Aber bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass wir selbst alle diese Abhängigkeiten herbeigeführt haben, weil es trotz und alledem hübsch profitabel war und ist. Trump ist doch nur deshalb böse, weil er uns so deutlich spüren lässt, dass wir längst unsere Großmütter, unsere Rest-Seelen und sontwas an den Greenback verschachert haben.
Wir könnten das sofort beenden. Dann wären wir frei, aber wie unbequem ist das denn? Natürlich würde "unsere" (ha-ha!) Wirtschaft erstmal den Bach runtergehen. Natürlich müssten wir Abstriche beim Wohlstand machen ... Na und?
Worauf ich hinaus will: Wir sollten aufhören, die Schuld für alle Misslichkeiten außen zu suchen. Viel mehr sollten wir fragen, was wir als Staat, als Gemeinschaft entschieden haben, d.h. wo wir uns bereitwillig korrumpieren ließen und lassen, und jedy Einzelny muss diese Frage ganz allein für sich prüfen. Täglich. Immer wieder.
Guilty Pleasure:
Ein Photo, von einer Bild-KI verändert,
danach von mir weiterbearbeitet.
Ich bin gespalten, was KI-Einsatz angeht,
aber das hier mag ich:
Trikefliegen in phantastischer Umgebung.
Donnerstag, 13. November 2025
Eine Erkennntnis zur Enkelfrage
Zur Beantwortung der Enkelfrage ©, warum wir nicht ... und wie konnten wir ...
Unser zentrales Versagen liegt in der schulischen Bildung. Es ist uns nicht gelungen, überlebenswichtige Qualifikationen zu vermitteln, z.B. die Erkenntnis
- dass eine menschenlebenswerte Umwelt nur eine nicht-ausgebeutete, nicht-kapitalisierte Umwelt sein kann,
- dass menschenwürdiges Leben nur dann gelingen kann, wenn es solidarisch ist und wenn die einzige und höchste Pflicht der Starken¹ darin besteht, die Schwachen¹ zu unterstützen,
- dass ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, das vom Konzept maximal hemmungsloser, endloser individueller Gier nach Geld und Macht gesteuert ist, dauerhaft keine positiven Resultate für die Allgeminheit bringen kann,
- dass geistige, körperliche, sexuelle und biologische Diversität notwendig und wünschenswert und spannend ist,
- dass es keineswegs reicht, irgendwie für Demokratie, Menschenrechte und Umweltschutz zu sein, sondern dasss man aktiv gegen verknöcherte, destruktive Strukturen antreten muss, gegebenenfalls mit den Mitteln zivilen Widerstands.
Stattdessen versuchten wir, unkritische, überangepasste, hirntote Morlocks heranzuzüchten, die das Kacksystem perpetuieren. Wir korrumpierten sie sozialmedial mit Versprechungen, wenn sie nur lang genug fleissige Sklavendienste für die endlose Kapital-Akkumulation des superreichen 1 Prozent verrichteten, dürften sie vielleicht auch so ein Kack-Leben in flüchtigem Tand- und Glitterkram abreißen wie wir.
Den ursprünglichen Auftrag von Schule, mündige Staatsbürgys zu erziehen, unterliefen wir, indem wir die Fachinhalte von jeder effektiv-kritischen Konsequenz entkoppelten. Bio, Chemie, Physik vermitteln das Wissen, wie Treibhausgase wirken, aber nicht, dass die Kacke bereits grell-lila am Dampfen ist und dass man spätestens jetzt, in diesem Moment, drastische Maßnahmen ergreifen müsste. Geschichte und Deutsch lehren, wie unmenschlich Diktaturen sind, aber nicht, dass man jetzt, bitteschön, dringend etwas gegen die Neo-Nazis in Doitschland und der Welt aktiv unternehmen muss. "'Nie wieder' ist jetzt."
Was die angeblich Sozialen Medien inclusive hegemonial lancierter Fake-News im Verbund mit einem zum Hofberichterstatter heruntergekommenen ÖRR und im Verbund mit vorauseilend angepassten, garantiert kritik-freien Curricula in den Köpfen junger Menschen anrichten, lässt uns mit Erstaunen und Respekt zurück, wenn wir denn sehen, dass die jungen Leute teilweise doch gar nicht so totalverblödet sind, wie man angesichts der Multi-Kanal-Propaganda-Berieselung erwarten sollte.
Schade eigentlich.
¹ Diffuser Begriff, ich weiß. Es gibt z.B. intellektuelle, psychische, körperliche, finanzielle, militärische Stärke. Du kannst Deine Stärke nutzen, um Schwächere platt zu machen und Dir selbst dadurch Vorteile zu verschaffen. Dann bist Du ein Arschloch. Du kannst aus Deiner Stärke auch die ethische Verpflichtung ableiten, Schwächere zu unterstützen. Dann bist Du ein Mensch.
Freitag, 7. November 2025
Meisen-Macken und Spatzen-Spackos
Ganz absichtsvoll hängt im Blickfeld aus dem Fenster meines Arbeitszimmers eine Futterstation für Kleinvögel. Win-win: Die Piepser bekommen eine willkommene Nahrungsergänzung und ich moderate Ablenkung.
Spatzen und Meisen sind die häufigsten Gäste und geben reichlich Gelegenheit für Verhaltensstudien.
Spatzen treten meist rudelweise auf. Folglich gibt es um die nur zwei Sitzstangen stets Hauereien, niemand kann in Ruhe fressen, weil im Gezweig die neidische Mischpoke ansitzt, um im Sturzflug alle Mitbewerberys rüde wegzuschubsen und dann, nach einem hektischen Happen, sofort selbst weggeschubst zu werden. Die Taktik ist völlig blödsinnig, weil sie sehr viel Energie verschwendet und weil es anschließend immer wieder Phasen gibt, in denen die Futterstation völlig verwaist ist. Die ganze Hektik, all die Kämpfe, sind also völlig unnötig und wären leicht vermeidbar.
Meisen, überwiegend Kohlmeisen, kommen meistens solo und picken aus der Körnermischung bevorzugt die Sonnenblumenkerne heraus. Was ihnen im Weg ist, die Weichkörner, wird achtlos rausgeschmissen. Wenn die Situation es zulässt, zerlegen die (dreisteren unter den) Meisen die Sonnenblumenkerne bereits auf der Sitzstange.
Dabei kann man beobachten, dass sie, während sie den einen Kern zerlegen, vom Anblick weiterer Kerne in der Futterstation animiert werden. Sie schnappen zu, haben den Schnabel voll und können folglich die Arbeit an dem bereits angefangenen Kern nicht weiterführen, lassen also den ersten Kern fallen, beginnen mit dem zweiten, werden wieder durch die in der Futterstation wartenden Kerne getriggert usw. usw.
Können wir aus diesen Verhaltensweisen etwas lernen?
Unsolidarische Gruppen, die mit einem Hauch Klugheit und Solidarität ein sehr viel angenehmeres Leben haben könnten, aber es bevorzugen, aufeinander rumzuhacken und sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen?
Verschwenderische, gierige Individuen, die - von Instinkten, nicht Verstand, getrieben - immer mehr und immer mehr wollen, niemals genug kriegen können und trotzdem nie wirklich glücklich sein werden?
Nää, da fällt mir nix ein, was man da lernen könnte. Ist das jetzt ein Gleichnis, oder was? Versteh' ich nicht.
Dienstag, 4. November 2025
Habe ich noch Bock auf Blog?
Entschuldigt, liebe Lesys, die verhältnismäßig lange Sendepause. Ich hadere mit der Frage, wie ich diesen Blog weiter betreiben will.
KI-Schlotze ("AI-Slop") erschlägt alles. Es ist furchtbar einfach geworden, unangenehme Fakten, Argumente und Meinungen von Bots niederschreien zu lassen. Bewusste Fakes, gezielt manipulierte Algorithmen, ungewollte LLM-Halluzinationen, Influencys, die schwachen Sinnes aber hochgradig opportunistisch und korrupt sind, Journalistys und Autorys, die zwar keine Redaktion und kein Lektorat mehr kennen, aber ihre KI-angedickten Texte hinter Hoch-Profit-Paywalls verschanzen und schließlich Wissenschaftlys, die sich wissend den Raubtier-Verlagen hingeben und somit die Kulturtechnik wissenschaftlichen Arbeitens und Veröffentlichens mit heller Flamme abfackeln ...
Meine Hoffnung war, dass ich, unbeeinflusst von alledem, diesen Blog weiterführen könnte, aber mindestens zwei Aspekte sprechen dagegen:
1. "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Adorno)
Das Internet ist im Arsch! Ich merk's am eigenen Misstrauen. Jedy Idioty haut Text raus, es gibt keine Scham mehr, keine Zurückhaltung. Wahrheit ist nicht mehr Wert an sich, sondern beliebig geworden, und sie wird pervertiert (=umgedreht") und zwangsprostituiert von den Reichsten und Mächtigsten. In diesem Kontext, in dem ich selbst keinem Elaborat mehr vertrauen mag, soll ich von Menschen erwarten, sie könnten meine Texte und Bilder noch würdigen? Ich tät's ja selbst nicht.
Die Zone ist mit Shit gefloodet. Den Gestank ertrag ich nicht, und ich will mich auch nicht bekleckern.
2. "Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!" (Brecht)Dienstag, 28. Oktober 2025
Das Leben stinkt!
Es ist eine absolut blödsinnige Sache, dass man Welterkenntnis prinzipiell zu spät erhält.
Mich überfiel vorhin der Gedanke, was für ein cooler, kluger, toller Hecht ich, sagen wir, in meiner Studienzeit vor, ogott, vierzig Jahren gewesen wäre, wenn ich damals schon das Wissen, die Gelassenheit, die Erfahrung im Umgang mit Menschen gehabt hätte, die ich heute habe. Alle Welt hätte mich wegen meines einfühlsamen, freundlichen Wesens geliebt, wegen meines umfassenden Wissens geachtet, wegen meiner Weisheit gelobt ...
Aber so? Ein Irrender war ich, einer, der sich durch Versuch-und-Irrtum, vor allem durch Irrtum, aus der Begrenztheit seiner kleinbürgerlichen Sozialisation der frühen 1960er in winzigen, mühevollen Schritten herausfummeln musste. Der Weg war nicht nur gepflastert mit Fehlern, er bestand ausschließlich aus Fehlern und Peinlichkeiten, die mich heute noch in extremer Scham erstarren lassen.
Die richtig unfaire Kackscheiße ist aber, dass, wannimmer ich das Gefühl hatte, mich einigermaßen leidlich in eine Lebenssituation eingefunden zu haben, diese Phase auch schon wieder vorbei war. Neulich sagte ich einer Freundin, ich fühlte mich geistig gar nicht wie 63, sondern irgendwo zwischen 19 und 40. Vielleicht muss ich diese Aussage dahingehend korrigieren, dass ich diese früheren Lebensphasen inzwischen geistig einigermaßen durchdrungen habe und mich folglich dort wohlfühle.
Vermutlich hätte ich längst schon anfangen müssen, mir die Denk- und Verhaltenssettings für "Mitte 60 bis Ende" zu erarbeiten. Aber da fühle ich mich noch gar nicht. Also werde ich wieder der Spätentwickler sein, es wird wieder ein Riesen-Haufen von Fehlern und Peinlichkeiten über mich hereinbrechen. Ich kann's nicht ändern.
Das hört nie auf. Es ist zum Kotzen.
Montag, 27. Oktober 2025
Exkurs zum Faschismus-Baukasten (s.u.)
Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ironisierender zweiter Teil zum Faschismus-Baukasten erscheinen, aber gestern Abend sah ich eine Aufzeichnung von Böhmermanns "Versammlung der International Comedy Union" vom 24.10.2025. Darin: Eine Übertragung des Gigs der us-amerikanischen Comedian Jena Friedman (ab 13:20), die sich entschuldigte, nicht persönlich anwesend sein zu können. Die Erklärung lieferte der Moderator (ab 17:10) mit dem (nicht lustig gemeinten) Hinweis, Friedman habe Schwierigkeiten bei der Ausreise und bei der Wiedereinreise aus/in die USA befürchtet, wenn ihr Auftritt dort bekannt würde.
Es ist völlig sinnfrei, aus unserer europäischen Sicht beurteilen zu wollen, wie realistisch Friedmans Befürchtungen sind. Entscheidend ist, dass in den USA inzwischen eine Stimmung herrscht, die derartige Befürchtungen entstehen und wirksam werden lässt.
Verzeiht, liebe Lesys, aber mir ist gerade nicht mehr nach lustigem, ironisierendem Umgang mit dem US-Faschismus. Mir war nicht klar, dass die Lage dort inzwischen so weit fortgeschritten ist. Das militärisch und wirtschaftlich mächtigste Land der Welt wird ein Nazi-Staat.
Wir haben ein echtes, schlimmes Problem.
Samstag, 25. Oktober 2025
Der kleine Faschismus-Baukasten --- Teil 1: Zutaten
(You will find a translation into English below.)
Es ist ja putzig, wie sehr weltweit überall versucht wird, einst einigermaßen demokratische Staaten in totalitäre Autokratien umzuwandeln. Und obwohl es nur selten zugegeben wird, haben alle, die daran beteiligt sind, das eine große Vorbild im Kopf, den toitschen Nationalsozialismus, das Original, die NSDAP unter ihrem Führer Adolf Hitler.
Leider gibt es bei den zahlreichen Versuchen, das ewige Ideal zu kopieren, zahlreiche Missverständnisse, die wir an dieser Stelle ausräumen wollen. Was braucht man also, um einen menschenverachtenden, massenmörderischen, faschistischen Staat richtig aufzubauen?
1. Allgemeine Grundlagen
Drei grundlegende Zutaten sind für den Anfang zwingend erforderlich¹:
- Ein Haufen hirntoter, kleinpimmeliger, ungebildeter Spießer voller Minderwertigkeitskomplexe.
- Ein paar superreiche, zynische, grenzenlos profitgeile Arschlöcher.
- Einen größenwahnsinnigen subklinischen Psychopathen mit krankhaft-übersteigerter Egomanie
2. Der Führer
Es ist immer enttäuschend, wenn man erfährt, was für kaputte Dummbratzen die obersten Führer eigentlich darstellen. Das liegt daran, dass da in Wirklichkeit kein hyperintelligentes Genie aus eigener Kraft irgendwie die Macht und Herrlichkeit erfunden und an sich gerissen hat, da ist kein naturbegabt staatsmännisches, vom Schicksal auserwähltes Wesen. Stattdessen: Die Macht lag herum. Die Menschenmassen waren geil darauf, sich irgendwem unterzuordnen. Bloß nicht selber denken oder gar entscheiden.
In so einer Situation kann jeder machtgeile Idiot die Macht "ergreifen", er muss wirklich nur zugreifen. Oder glaubt Ihr wirklich, dass der Wiener Kunstmaler ein vom Schicksal auserwähltes Genie war? Oder Trump? Oder Erdogan? Oder, oder, oder.
3. Die Superreichen
Krieg belebt das Geschäft. Krieg diszipliniert die arbeitenden Massen. Zu viel Frieden führt zu zuviel Wohlstand, und die Massen haben Zeit nachzudenken und werden aufsässig. Kapitalismus und Krieg bedingen einander. Wenn Du Profit maximieren willst, hetze die Menschen gegeneinander. Faschismus ist die Lösung.
4. Die kleinpimmeligen Spießer²
In einer Gesellschaft, die in das Höllenloch des Faschismus kippen will, muss es einen gewissen Prozentsatz von Protofaschisten geben, manche sagen, 3 % reichten, andere vermuten, es müssten 15 % sein. Mehr auf keinen Fall. Diese Menschen müssen folgende Eigenschaften haben:
- Minderwertigkeitskomplexe
- Mangelnde natur- und geisteswissenschaftliche Bildung
- Daraus resultierend die Auffassung, man wisse alles, was man wissen müsste und was man nicht wüsste, müsse man auch nicht wissen, weiteres Lernen sei demnach völlig unnötig. Vulgo: "Gesunder Menschenverstand"
- Mangelnde Empathie-Fähigkeit
- Das Gefühl, von obskuren, elitären Mächten unterdrückt unter unterprivilegiert zu sein
¹ Ich werde hier nicht gendern. Das wäre einfach unzutreffend.
² Auch hier gendere ich nicht. Den kleinpimmeligen Spießer gibt es auch mit Doppel-X-Chromosomen. Oder es gibt ihn mit XY plus einen völlig vermickerten Anhang, die nichtswürdige Spießerella.
The Little Fascism Construction Kit --- Part 1: Ingredients
It is amusing how, all over the world, attempts are being made to transform once reasonably democratic states into totalitarian autocracies. And although it is rarely admitted, everyone involved has one great role model in mind: German National Socialism, the original, the NSDAP under its leader Adolf Hitler.
Unfortunately, in the numerous attempts to copy this eternal ideal, there are many misunderstandings that we would like to clear up here. So what does it take to properly build a fascist state that despises humanity and commits mass murder?
1. General principles
Three fundamental ingredients are essential to get started¹:
- A bunch of brain-dead, small-dicked, uneducated philistines full of inferiority complexes.
- A few super-rich, cynical, boundlessly profit-hungry arseholes.
- A megalomaniacal subclinical psychopath with a pathologically exaggerated egomania.
2. The Führer
It is always disappointing to learn what broken idiots the top leaders actually are. This is because, in reality, there is no hyper-intelligent genius who somehow invented power and glory on his own and seized it for himself; there is no naturally gifted statesman chosen by fate. Instead, power was just lying around. The masses were eager to submit to someone. Anything but thinking for themselves or even making decisions.
In such a situation, any power-hungry idiot can ‘seize’ power; all they really have to do is grab it. Or do you really believe that the Viennese painter was a genius chosen by fate? Or Trump? Or Erdogan? Or, or, or.
3. The super-rich
War stimulates business. War disciplines the working masses. Too much peace leads to too much prosperity, and the masses have time to think and become rebellious. Capitalism and war are mutually dependent. If you want to maximise profits, set people against each other. Fascism is the solution.
4. The small-dicked philistines²
In a society that wants to plunge into the hellhole of fascism, there must be a certain percentage of proto-fascists. Some say 3% is enough, others suspect it must be 15%. No more than that, in any case. These people must have the following characteristics:
- Inferiority complexes
- Lack of education in the sciences and humanities
- As a result, the belief that one knows everything one needs to know and that what one does not know, one does not need to know, and that further learning is therefore completely unnecessary. Vulgo: ‘Common sense’
- Lack of empathy
- The feeling of being oppressed and underprivileged by obscure, elitist powers
This mixture of feelings leads to the small-dicked philistine longing for nothing more than someone to tell him that he is not the poorest. least arsehole of all, but that there are people who are even poorer and even more worthless.
¹ I will not use gender-neutral language here. That would simply be inaccurate.
² Again, I am not using gender-neutral language here. Small-dicked philistines also exist with double X chromosomes. Or they exist with XY plus a completely mangled appendage, the free-of-own-will-or-thought-philistineella.
Freitag, 24. Oktober 2025
Warum zerreißt's uns nicht?
Bin gerade über das Fediverse auf diesen Artikel der Firma "Artemis" aufmerksam geworden. Dieses Finanz- und Versicherungs-Unternehmen hat sich weltweit auf sogenannte Katastrophenanleihen, "Catastrophe bonds", spezialisiert.
Der Artikel verheißt uns die frohe Botschaft, dass unter der Führung von Blackstone (nicht mir Blackrock zu verwechseln, obwohl verbandelt) diverse globale Finanz-Konzerne ein Konstrukt geschaffen haben, das speziell mit und aus Klima-Folgen-Katastrophen Profit schlagen kann. Wie das im Einzelnen funktioniert, mögen die interessierten Lesys in dem paywall-freien Artikel nachlesen.
Mich faszinieren folgende Punkte:
- Die Finanzbranche hat längst den anthropogenen Klimawandel und die absehbar katastrophalen Konsequenzen akzeptiert und in die Kalkulation der entsprechenden Versicherungen eingepreist. (Hier das Beispiel der Munich Re.) Das wird auch ganz offen kommuniziert.
- Aus dem Artemis-Artikel geht hervor, dass die Konzerne mit den klimabedingt steigenden Versicherungsprämien längst erhebliche Profite erzielen, dass sie nun aber darüberhinaus auch profitable Wetten auf das Eintreten der prognostizierten Katastrophen abschließen können, vergleichbar mit der Möglichkeit, aus fallenden Aktienkursen Gewinn zu schöpfen.
- Im sehr bemerkenswerten Kontrast zu den Finanz-Konzernen ist den Energie-, Agrar- und Auto-Konzernen nicht daran gelegen, den anthropogenen Klimawandel zuzugeben. Dementsprechend installieren sie allüberall ihre Polit-Clown-Marionetten, die uns davon überzeugen sollen, am Fossilismus festzuhalten.
- Was mich aber am aller-, aller-, allermeisten fasziniert: Wie kriegen wir, die Normalverbraucherys am untersten Ende der kapitalistischen Ausbeutungskette, wie kriegen wir es hin, uns von diesen diametralen Widersprüchen in den Aussagen unserer Herrschenden nicht zerreißen zu lassen? Niemand fragt, niemand zweifelt.
Fazit: Ab jetzt haben also nicht nur die Energie-, Agrar- und Auto-Konzerne kein Interesse mehr, die Klimakatastrophe abzuwenden, auch die Finanz-Konzerne haben nun herausgefunden, dass sie Mörder-Gewinne machen können, wenn die Klimakatastrophe so richtig katastrophal wird. Das sind zwar ganz beschissene Zukunftsaussichten für uns Normalverbraucherys, aber es erklärt so ziemlich alles, was die Herrschenden in Ost & West und übern Teich und überall in Sachen Klima tun bzw. nicht tun.]
Dienstag, 21. Oktober 2025
Altersminimalismus
Altwerden hat Nachteile. Einige sind real¹, einige eingebildet², die meisten idiotische, unfaire gesellschaftliche Zuweisungen³.
Altwerden hat aber auch einen gewaltigen Vorteil. Du lernst, welche Dinge vergänglich und eigentlich unwichtig sind und welche zeitlosen Bestand, Gültigkeit und Relevanz haben.
Der Haufen der Dinge, die Du als vergänglich und unwichtig erkennst, wird im Laufe Deines Lebens immer größer, und Du bist erstaunt, was auf diesem Haufen schließlich alles landet⁴.
Der Haufen der wichtigen, zeitlosen - sagen wir ruhig: ewigen - Dinge wird immer kleiner und immer exquisiter, immer wertvoller.
¹ Wir sind biologisch auf 40 Jahre ausgelegt. Danach beginnt die Bonuszeit. Die Herstellergarantie erlischt. Die Knochen knirschen kalkig, die Pumpe pumpt plöterig, die Kondition keucht kritisch.
² Wer hat noch nie Wortfindungsschwierigkeiten gehabt? Einen Schlüssel "verlegt"? Sachen vergessen? Total normal. Aber ab 55+ fängst Du angesichts derartiger Aussetzer an, Dich zu fragen, ob das erste Indizien zerebralen Rückbaus sind.
³ Ja, ich werde immer empfindlicher gegen Ageism. Am schlimmsten ist die Beobachtung, wie leicht sich Generationen gegeneinander aufhetzen lassen, statt solidarisch gegen den gemeinsamen Gegner anzutreten.
⁴ ... und wie Du so doof sein konntest, da sooo lange dran festzuhalten.
Freitag, 17. Oktober 2025
Der Spießer und wie er die Welt sieht.
Der zutiefst rassistische Spruch des Kanzlerdarstellers Merz zum "Stadtbild" regt unsere Fantasie an: Was sind das für Leute, die Merz (ursprünglich wohl Söder und davor die AfD) damit beeindrucken will? Einzig plausible Antwort: Reiche, alte, weiße Bio-Doitsche, deren Weltbild irgendwo in den späten 1950ern verhakt ist.
Und wie soll das weitergehen? Nach den Ausländern©¹ müssen natürlich die Armen aus dem Stadtbild verschwinden. Der Anblick deprimiert und verdirbt die Shopping-Laune. Da kann man leider nicht nach Hautfarbe und Geburtsort selektieren, also machen wir einfach den Zugang zu den attraktiven Orten unerschwinglich: Preise rauf für ÖPNV und falls sich von den Asozialen jemand ein Auto leisten kann, kann er*sie sich die Parkgebühren auf Dauer nicht leisten, und da die "guten" Wohnquartiere allesamt gentrifiziert sind, müssten die gesellschaftlichen Loser also mit dem Fahrrad aus den fernen Banlieues anreisen, viel Spaß dabei.
Die gesellschaftliche Utopie ist: Es gibt ein paar wenige, exquisite, entsetzlich reiche Premium-Menschen, und dann gibt es ein Massenheer von Sklaven-Morlocks, die man so weit bei Laune halten muss, dass sie gerade eben nicht revoltieren, sondern sich friedlich zur weiteren Kapital-Akkumulation der Reichen prostituieren.
Diese beiden Welten wollen wir aber hübsch sauber voneinander trennen, nicht wahr? Wir wollen uns doch nicht das Stadtbild versauen, nicht wahr?
Dann habe ich das Bild mit Paint.net weiterbearbeitet.
↑ Wie CxU- und AfD-Wählys die Welt sehen:
Es gibt die Guten, nämlich die reichen, weißen, kaufkräftigen richtigen Menschen.
Und dann gibt es arme, fremde, geflüchtete, irgendwie-anders-seiende Untermenschen.
Da jemand die Drecksarbeit machen muss, können wir auf Letztere nicht verzichten,
aber es fühlen sich doch alle besser, wenn wir die Lebenswelten klar separieren.
¹ "Ausländer" ist ein überaus dehnbarer Sammelbegriff, der Menschen abwerten und verächtlich machen soll. Die Definition ist höchst beliebig. Skandinavier sind natürlich keine Ausländer, es sei denn, sie sehen ausländisch aus und/oder äußern freiheitlich-progressive Ansichten.
Donnerstag, 16. Oktober 2025
Auch heute wieder keine Revolution. Schade.
Einy usa-ische Benutzy fragte neulich¹ im Fediverse, welche roten Linien eigentlich noch überschritten werden müssten, damit man begönne, aktiv Widerstand zu leisten.
Sier meinte damit natürlich die Höllenfahrt des Trumpismus, die USA in den Faschismus zu gurken. Aber auch als Nicht-Ami spürte ich schmerzhaft stechende Betroffenheit: Wann fangen wir denn an, uns zu wehren?
- Wir wissen, dass das fundamentalistisch-kapitalistische Mantra vom ewigen Wachstum eine mathematische und logische Unmöglichkeit ist.
- Wir spüren jeden Tag, dass eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform, die auf der skrupel-freien, völlig enthemmten, grenzenlosen, krankhaft-egomanischen Gier nach Geld und Macht basiert, zu immer katastrophaleren Ergebnissen führt.
- Wir haben überreichlich valide Daten, die belegen, dass wir mit unserem Lebensstil eine lebenswerte Umwelt in den Senf drücken.
- Wir ..
Genug davon! Es ist alles so bekannt, klingt so gebetsmühlenartig, durch ewige Wiederholung so langweilig und die Klagen darüber so antiquiert.
Problem ist: Wir werden nicht anfangen, uns zu wehren. Wir verhalten uns wie der vielzitierte Frosch, den man nur kochen kann, indem man das Wasser, in dem er hockt, peu à peu erwärmt.
Ich wüsste nicht mal, wie ich das anfangen sollte, aktiven Widerstand.
Linnemann auf's Maul hauen? Bringt nur Ärger, und der Mann nervt fürchterlich, ist aber ersetzbar, aber sowas von ersetzbar. Und es gibt zu viele, die auf's Maul kriegen müssten. Gewalt ist sowieso ganz großer Mist, führt nie zu den gewünschten Ergebnissen, dreht sich immer (!) ins perverse Gegenteil.
Heimlich Flugblätter drucken und verteilen? Ach nee, das waren die Geschwister Scholl. Wir haben ja das Internet! Au ja, ich schreibe irgendwo einen Aufruf zur Revolution. Völker, hört die Signale ... Super, das bringt NULL, weil alles dichtgemüllt ist. Das Internet als Kommunikationsplattform ist eine Illusion, immer schon gewesen.
Eine Partei! Ich gründe eine revolutionäre Partei! Die fünfhunderttausendste wahrscheinlich. Und falls, was aber völlig ausgeschlossen ist, diese Partei Wirksamkeit entwickeln sollte, wird sie ohnehin verboten.
Also muss ich Leute in meinem Bekanntenkreis persönlich anquatschen. Erfahrungsgemäß das größte Problem: Termine finden. Und dann ist so eine Revolution auch mit weiterführenden terminlichen und persönlichen Verpflichtungen verbunden. Da kann man gar nicht genau absehen, was da auf einy zukommt. Also, ich hätte da umgekehrt auch überhaupt keinen Bock drauf.
Und je mehr Leute Du anquatschst, desto mehr Meinungen kommen zusammen. Meinungen! Raisonnements! Bauchgefühle! Laber, laber, laber, ... und tschüss, Revolution!
Das ist natürlich mein ganz persönliches Problem: Eine tendenziell misanthropische Grundhaltung verträgt sich eher nicht so gut mit einer kollektiven, konzertierten Aktion.
Bleibt wieder nur die One-man-show: Konsum-Boykott. Ja. Toll. Mache ich schon ganz weitgehend, aber niemand macht mit, erst recht nicht global. Und meine Weblog-Artikel sind zugegebenermaßen auch nicht so die spritzigen, radikalen, euphorisierenden Appelle, die weltweiten Missstände mit einem Schlag zu beseitigen. Ich könnte noch nicht einmal sagen, was für ein Schlag das sein müsste oder könnte. Bedenken, Bedenken, Zweifel, Zaudern, Zagen.
Wird wieder nix mit der Revolution.
mit Zitrone und Schnittlauch.
Eine Vorspeise, oder?
¹ Leider finde ich die Quelle nicht wieder.
Dienstag, 14. Oktober 2025
Gesammeltes
Drehzahlunregelmäßigkeiten an meinem Flugzeug. Habe gestern das Spritleitungssystem komplett erneuert. 4½ Stunden Arbeit. Das Problem war beim anschließenden Testflug immer noch da, aber es ist nicht schlimmer geworden. Ich werte das Erfolg.
- meine Motivation beim Bloggen völlig unkommerziell ist
- und da ich nicht für Clicks schreibe
- und da ich die inhaltliche und formale Gestaltung meiner Blogs nicht den Regeln der Suchmaschinen-Optimierung unterwerfen möchte
- und da ich, ehrlich gesagt, auch keine tiefere Ahnung vom Thema und keine Lust, mich da einzuarbeiten habe,
Freitag, 10. Oktober 2025
Es ist ja (noch) nicht alles schlecht am I-net.
Ich gehöre zu den Menschen, die das Internet in seiner Funktion als Informations- und Austauschmedium in unaufhaltsamem Absturz sehen. Konzerne übernehmen die Steuerung, häufen eine nie gesehene globale Desinformations-Macht an; das Bunte, Diverse, Anarchische der frühen Jahre wird bis zur Unsichtbarkeit an den Rand gedrängt.
Egal, ob Nachrichten-Portal, Fediverse oder sonstwas: Du musst neunundneunzig blöde Texte lesen, damit Du einen guten findest, manche würden sagen, das Verhältnis sei 999:1.
Genug der Vorrede. Hier ist ein guter Fund, dank Mastodon. Und ich bin froh und dankbar, dass es das Internet gibt und ich damit Zugriff auf diesen Text erhielt. Oliver Kornetzki, August 2025, Übersetzung von mir.
"Seht her. Der verwesende Kadaver der amerikanischen Fäulnis, gezwängt in einen schlecht sitzenden Anzug: die Niederträchtigkeit eines Betrügers, die Feigheit eines Wehrdienstverweigerers [¹], die Völlerei eines Parasiten, der Rassismus eines Klanmitglieds, der Sexismus eines Hinterhof-Widerlings, die Ignoranz eines [Barhockers ²] und die Gier eines Hedgefonds-Ghuls – alles orangefarben besprüht und wie ein preisgekröntes Schwein auf einem Jahrmarkt vorgeführt.
Kein Präsident. Nicht einmal ein Mann. Nur die kranke Destillation von allem, was dieses Land zu sein leugnet, aber schon immer war – Arroganz, getarnt als Exzeptionalismus, Dummheit, ausgegeben als gesunder Menschenverstand, Grausamkeit, verkauft als Härte, Gier, verherrlicht als Ehrgeiz, und Korruption, verehrt wie das Evangelium. Es ist Amerikas Schatten, der Fleisch geworden ist, ein verrottendes Kürbisidol, das beweist, dass eine Nation, wenn sie vor Geld, Macht und Bosheit niederkniet, nicht nur ihre Seele verliert – sie scheißt diese aufgeblähte Obszönität aus und nennt sie einen Führer."
(verändert via wiki commons)
¹ Diese Einfügung kritisiere ich. Wehrdienstverweigerys haben mehr Mut, als die unreflektierten, zur geistigen Bequemlichkeit neigenden Mitläufer. Ich weiß, wovon ich rede, ich war einer von den Mitläufern.
Donnerstag, 9. Oktober 2025
Ich bin ein Landei, und das ist gut so.
Mein Flugzeug¹ steht nicht mehr in Hatten, sondern neuerdings auf Barßel-Airfield. Folglich fahre ich nun häufiger von meinem ländlich-flächigen² Wohnort durch ländlich-flächige Landschaft zum ländlich-flächigen Flugplatz. Und immer wieder stelle ich fest: Ich mag das Ländlich-flächige. Ich mag die ländliche Einöde. Ich mag, wenn nix los ist. Wenn wenig Menschen unterwegs sind.
Ich bin ein Landei.
Städte haben ihre Vorteile:
- Kultur
- Einkaufsmöglichkeiten
- Events
- ÖPNV-Erreichbarkeit
- alles konzentriert, alles geographisch nah
- ...
Für einen Misanthropen³ wie mich bedeuten Städte aber auch:
- Viele Menschen.
- Viele Menschen auf einem Haufen.
- Viele Menschen auf einem Haufen, denen auszuweichen Du meistens keine Chance hast.
Ein paar Mal im Jahr sehne ich mich natürlich auch nach dem Trubel, bin neugierig, was so läuft und angesagt ist. Großstädte sind immer auch eine Bereicherung, ich fühlte mich ungut, wenn ich nicht ab und zu mal reinschnuppern könnte.
Aber die Stadt ist nicht mein artgerechtes Biotop.
¹ Ja, ich weiß: Manche Leute wollen nicht akzeptieren, dass mein 120-kg-Trike ein Flugzeug ist, aber die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation hat da eine hammerharte, global gültige Definition: Motorisiert, schwerer als Luft, nicht-rotierende Flächen zur Auftriebserzeugung. Voilà!
² Den Zusatz "flächig" habe ich mir angewöhnt, als der Polit-Neusprech von "in der Fläche" statt vom "platten Land" zu floskeln begann.
³ Ich lege Wert auf die Feststellung: "Ein Misanthrop muss weder gewalttätig, aggressiv noch arrogant sein, altruistisches Handeln ist bei ihm nicht ausgeschlossen." (ebd.) Ich finde nicht ALLE Menschen shyce. Nur den größten Teil. Und Misanthrop-Sein bedeutet für mich nur, dass ich bitte gerne die Wahl hätte, wann ich mich mit wem und wievielen umgebe. Danke.
Dienstag, 7. Oktober 2025
Siebter-Oktober-Gedenken
Ich gedenke einer kleinen intriganten Horde krankhaft machtgeiler, alter Männer, die sich daran ergötzen, dass sie in der Lage sind, massenhaft junge Menschen so sehr zu fanatisieren, dass diese im Stande sind, unschuldige Menschen grausam niederzumetzeln, und das im Namen eines Gottes, der zwar allmächtig sein soll, aber seine Allmacht offenbar vor allem dazu nutzt, Massaker zu lancieren, die dazu dienen, seine unendliche Macht zu demonstrieren, zu verteidigen und zu stärken.
Schlichte Logik verrät uns, dass unendliche Macht eigentlich nicht steigerungsfähig ist. Daher müssen wir davon ausgehen, dass dieser Gott ein unendliches Arschloch ist, der, wie seine irdischen Hohepriester, Grausamkeiten orgasmisch feiert.
Auf der anderen Seite sehen wir eine kleine, intrigante Horde krankhaft machtgeiler, alter Männer, die sich daran ergötzen, dass sie in der Lage sind, massenhaft junge Menschen so sehr zu fanatisieren, dass diese im Stande sind, unschuldige Menschen grausam niederzumetzeln, und das im Namen eines Gottes, der zwar allmächtig sein soll, aber seine Allmacht offenbar vor allem dazu nutzt, Massaker zu lancieren, die dazu dienen, seine unendliche Macht zu demonstrieren, zu verteidigen und zu stärken.
Schlichte Logik verrät uns, dass unendliche Macht eigentlich nicht steigerungsfähig ist. Daher müssen wir davon ausgehen, dass auch dieser Gott ein unendliches Arschloch ist, der, wie seine irdischen Hohepriester, Grausamkeiten orgasmisch feiert.
Die politischen Führer der Palästinenser und der Israelis sind sich im Prinzip also vollkommen einig. Das dürfen sie aber natürlich niemals öffentlich zugeben, denn wenn sie nicht weiterhin ihre Leute in grausamste Massenschlächtereien gegeneinander führen würden, verlören sie die Basis ihrer Macht.
Sonntag, 5. Oktober 2025
Definiere "Failed State"
↑ In Bamako, der Hauptstadt Malis, haben gestern Rebellen aus Burkina-Faso die Macht übernommen. Mali gilt als sogenannter "Failed State", ...
Nää, warte, da hat die KI Mist gebaut. Das ist nicht das Bild aus Bamako, das ist aus Chikago. Aber das mit dem "Failed State" kannste drin lassen¹.
↓
¹ "Ein gescheiterter Staat muss sich nicht unbedingt in einem Zustand von Chaos und Anomie befinden. Es ist auch möglich, dass nichtstaatliche Akteure an die Stelle des Staates treten und eine neue, eigene Ordnung etablieren (Mafia, Warlords). Solche Ordnungen sind jedoch regional begrenzt und leisten nicht in vollem Umfang die oben genannten drei Kernfunktionen eines Staates [Sicherheit, Wohlfahrt und Legitimität/Rechtsstaatlichkeit]; zudem sind sie auf Gewalt und Repression gegründet."
Freitag, 3. Oktober 2025
Vom Adenauer-Regime lernen!
Bin neulich ganz beiläufig über den Begriff "Hallstein-Doktrin" gestolpert. Interessante Sache, das.
Ursprung im furz-konservativen Anti-Kommunismus der frühen Adenauer-Zeit und von ebendieser Regierung beschlossen: Die diplomatische Anerkennung der DDR durch andere Nationen sei gleichbedeutend mit einer Infragestellung des westdeutschen Alleinvertretungsanspruches doitscher Interessen und werde folglich als unfreundlicher Akt gegen die BRD betrachtet.
Diese Doktrin wurde nicht so richtig konsequent durchgezogen und zwischen 1955 und 1969 immer wieder der Opportunität geopfert und schließlich im Sinne der versöhnlichen Ostpolitik Brandts abgeschafft. Aber angesichts der Situation der jungen BRD war das damals, 1955, ein ziemlich starkes Signal - wenn auch von den falschen Leuten aus den falschen Motiven mit falscher Zielsetzung.
Nichtsdestotrotz:
- Ich stelle mir im Jahre 2025 eine deutsche "Menschenrechts-Doktrin" vor, eine weltweit gültige Ansage, dass Deutschland Nationen, in denen gegen die UN-Charta der Menschenrechte verstoßen wird, vollständig boykottiert, politisch, diplomatisch und vor allem wirtschaftlich.
Ok, so ein Boykott ist natürlich eine härtere Gangart, als die Erklärung, es liege ein "unfreundlicher Akt" vor, aber wer ernsthaft mit uns zusammenarbeiten will, sollte die Minima menschlichen Zusammenlebens achten. Das ist kein Zwang, keine Unterdrückung, nur eine Regel, an der andere sich orientieren können oder auch nicht.
Da wir einmal dabei sind, machen wir auch
- eine "Klima-Doktrin". Wir arbeiten nur noch mit Nationen zusammen, die sich ehrgeizige CO₂-Ziele (was zu definieren wäre) gesetzt haben und empirisch nachweisbar ihren CO₂-Ausstoß reduzieren (ohne auf Atomkraft auszuweichen).
- und / oder eine "Pressefreiheits-Doktrin": Wir arbeiten nur noch mit Nationen zusammen, die nach RSF mindestens "zufriedenstellende" Bedingungen in Sachen Pressefreiheit nachweisen. Es ist meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen, dass RSF damit eine ziemliche Machtposition bekommt. Ist das schlimm? Solange die keinen Mist bauen, können wir's ja erstmal laufen lassen.
- und / oder eine "Rechtsstaatlichkeits-Doktrin": Wir arbeiten nur noch mit Nationen zusammen, die nach dem Rule-of-Law-Index des World-Justice-Projects einen Index von 0,66 haben. Alter Schwede, da wird aber die Luft dünn! Egal, der Wert "0,66" ist gleichzusetzen mit nur zwei Dritteln des Möglichen. Das ist schon beschissen genug. Wer da noch drunter liegt ... nää, echt nicht, das ist doch unappetitlich!
- und / oder eine "Toleranz-Doktrin": Wir arbeiten nur noch mit Nationen zusammen, deren LGBTQIplus-Toleranz-Situation besser als 66 % ist. Zwei Drittel des Möglichen ist auch hier ein ethisches Minimum. Drunter geht gar nicht, und außerdem fliegen bei diesem Limit viele Länder raus, die auch schon bei "Menschenrechten", "Pressefreiheit" und "Rechtsstaatlichkeit" rausgeflogen sind. Es entstünde kein zusätzlicher Flurschaden.
- und / oder ...
Jajaja, ich weiß, das ist alles Quatsch. Erstens sind wir selbst überhaupt kein Musterländle und müssten uns wegen des Klima-Kriteriums selbst boykottieren. Zweitens würde so viel Ethik den Profitinteressen der global agierenden Konzerne entgegenlaufen und ist ergo ohnehin unrealistisch.
Es sei denn, man wolle es unbedingt!
Mittwoch, 1. Oktober 2025
Tausend hohle Welten
Ich habe Bethesdas "Starfield" jetzt 17 Tage, 11 Stunden und 18 Minuten gespielt, wobei "17 Tage" nicht bedeutet "an 17 Tagen", sondern "17 mal 24 Stunden". Man könnte auch gleich "419:11 Stunden" sagen. Die Einordnung und Bewertung dieses Wertes überlasse ich den Lesys.
Faszinierend an Starfield ist die Konzeption einer offenen Spielwelt, genauer: einem Teil des Universums mit über 1.000 Welten in über 100 Sternensystemen, die dank KI jeweils einzigartige Bedingungen und Bewohnys haben. Mehr über das Spiel hier. Und obwohl man ohne Besinnen von einem Planeten zum nächsten hoppsen und erkunden und bauen und looten und mit den Lebewesen kommunizieren kann (sofern man sie nicht besser rechtzeitig notwehrniedermetzelt), wurde es mir irgendwann ein klitzebisschen öde.
Kognitive Dissonanz: Warum wird mir eine ganze Galaxie mit über 1.000 Planeten nach vierhundertneunzehn Stunden etwas langweilig? Im realen Leben hänge ich seit über fünfhunderttausendsechshundertachtundachtzig Stunden auf einem einzigen Planeten herum, meistens sogar nur auf einem Kontinent, allermeistens sogar nur in einem Land, genauer: in einem kleinen, überschaubaren Bereich dieses Landes, ohne dass ich eine vergleichbare Langweile zu empfinden beginne.
Jaja, es gibt technische Einschränkungen, 16,7 Millionen Farben sind zu wenig, die NPCs immer noch zu schematisch, und VR kann noch nicht viel, wenn man ehrlich ist. Ich weiß, man arbeitet dran.
Aber das ist es nicht.
Nach reiflicher Überlegung glaube ich das Kernproblem identifiziert zu haben: Es gibt keinen Sinn! In den über tausend Welten von Starfield gibt es keinen Sinn. Du hüpfst durch die unendlichen Weiten, und irgendwann hast Du intuitiv ein Schema erfasst, nach denen alle diese Welten funktionieren. Aber die Information ist banal. Da steckt keine Lehre drin, die Dich irgendwie weiterbringt.
Hier, im richtigen Leben, kann ich mich auf meine Wiese¹ unter einen Apfelbaum setzen und Wolken nachschauen, und ich fühle mich philosophisch erhoben, geläutert, erfrischt, bereichert.
Tausend Welten bringen's nicht. Die Wiese, die bringt's!
dann mit einer KI-Bildbearbeitung modifiziert und
zum Schluss mit einem kleinen Malprogramm bearbeitet.
¹ Einst war das ein Rasen, aber gemeinsam haben wir beschlossen, den Spießer-Ehrgeiz aufzugeben.
Freitag, 26. September 2025
Verbrennerverbot - warum?
Ich bin ratlos und bitte um Hilfe:
Ich verstehe ganz grundsätzlich nicht die Diskussion um das Verbrennerverbot, egal ob ab sofort oder 2035 oder (wahrscheinlichst) am Sankt-Nimmerleins-Tag. Mal abgesehen von den Idiotys, die glauben, ihnen würde am 01.01.2035, 00:01 Uhr von einer links-öko-faschistischen Diktatur das Auto weggenommen, kann uns die Termindiskussion doch völlig wumpe sein.
Verbrenner sind shyce, sie machen die Umwelt kaputt, die wir für ein menschenwürdiges Leben brauchen. Da das so ist, kaufen wir logischerweise ab sofort keine Verbrenner mehr. Es ist in unserem ureigensten Interesse und im Interesse der gesamten Spezies. Wir müssten unfassbar doof sein, weiterhin Verbrenner zu kaufen.
Wozu brauchen wir Politiker¹? Warum geben wir den von der Verbrenner-Lobby korrumpierten Politikern die Macht, uns einen Termin zu setzen, wenn wir das selbst viel besser können? Und warum regen wir uns, nachdem wir den Politikern diese Macht gegeben haben, immer wieder darüber auf, dass sie diese Macht missbrauchen?
Ich kaufe keine Verbrenner mehr. Punkt.
Wir kaufen keine Verbrenner mehr. Punkt.
Wir verachten Menschen, die noch Verbrenner kaufen und wollen mit ihnen nix mehr zu tun haben. Punkt.
Da kann kein Konzern, keine Lobby, kein Politiker was gegen tun.
Manchmal hören wir den Einwand, wenn es nicht staatlich vorgeschrieben werde, würde sich niemand vernunftgemäß verhalten. Wenn also "der Staat" keinen Termin für das Verbrenner-Aus setzte, würden die Konsumentys sich weiterhin entgegen ihren ureigensten Interessen verhalten.
Ich halte diesen Einwand für problematisch:
- Als Putin, Erdogan, Orban und Konsorten öffentlich sagten, ihre jeweiligen Völker seien noch nicht reif genug für eine vollständige Demokratie, allerhöchstens für eine obrigkeitlich gelenkte Demokratie, da haben wir uns verächtlich halbtot gelacht. Anscheinend denkt aber eine Mehrheit in diesem, unserem Lande im Stillen genau so: Wir brauchen einen¹ Merz, Söder, Linnemann, Spahn, Chrupalla, Weidel, die zwar durch die Bank egomanische Inkompetenzlinge sind, die uns aber sagen müssen, was gut und richtig ist. Wir, das Volk, sind einfach zu doof dazu.
Was für ein erbärmliches Selbstbild. Aber die Wahlergebnisse weisen in dieselbe Richtung. - Wenn es stimmt, dass die Mehrheit der Menschen die Logik von "Verbrenner schaden mir => Ich sollte keinen Verbrenner kaufen." kognitiv nicht verarbeiten kann, dann werden wir aussterben. Sisso. Wir wären nicht die erste Spezie, die sich selbst zugrunde richtet.
Ich habe ein Foto eines Megaloceros-Skeletts
Dann habe ich eine Bildbearbeitungs-KI benutzt,
Dann habe ich es mithilfe eines simplen Grapik-Programms
nach meinen ästhetischen Vorlieben weiterbearbeitet,
da es eine Anmutung der zoologischen Zeichnungen
des späten 19. Jhdts. bekommen sollte.
Habe ich geistiges Eigentum geklaut?
Ist das nun mein Werk?
Habe ich etwas Originäres geschaffen?
¹ Ich gendere "Politiker" nicht mehr. Alle Politiker, die sich Macht-Positionen hochgekämpft haben, sind alte, weiße Männer. Auch wenn sie genotypisch Nicht-X-Y-Chromosomenträgerys und phänotypisch junge POC oder sonstwas sind.
Mittwoch, 24. September 2025
Ich bin nicht "Antifa", sorry.
Ich muss zugeben: Auch ich fühlte mich kurz gebauchpinselt, als Trump die Antifa zur terroristischen Organisation erklärte. Man konnte sich so herrlich als Mitglied bzw. Sympathisanty einer verfolgten Gruppe fühlen, sich in einer Reihe mit Tom Hanks, Sting und all' den anderen geschassten Künstlerys sehen, vielleicht sogar den Brückenschlag zu den Widerständlerys des Nazi-Regimes für sich beanspruchen ...
Alles Schwachsinn. Antifa ist seit jeher eine schwiemelige, molluskenhafte Selbstbezeichnung, sowohl bei uns als auch in Ämmerikor. Da steht nirgends eine konkrete Organisation hinter und erst recht kein politisches Programm. Antifa taugt nicht mal als Sammelbezeichnung für Leute, die gegen Faschismus sind, denn gegen Faschismus zu sein ist genau so banal wie für Menschenrechte zu sein. Das Wort Antifa ist völlig ausgeleiert, jedy Deppy kann Antifa sein.
Ein Wort, das alles erklärt, erklärt nichts. (Popper K.)
Innerhalb der Antifa gab (und gibt?) es außerdem Strömungen, die Gewalt, auch militante, d.h. organisierte, bewaffnete Gewalt für ein Mittel des politischen Diskurses halten. Aus persönlicher Erfahrung aus den 1980er Jahren weiß ich, dass es da einige sehr kleinpimmelige Großsprecher gab, die den gewaltsamen Systemwechsel propagierten, zum Glück aber Lichtjahre von der Entschlossenheit entfernt waren, das auch umzusetzen.
Von diesen Strömungen hat Antifa sich nie distanziert, und das ist für mich, der ich Gewalt als Mittel der Politik ausschließe, ein Killer-Argument. Ich werde mich keinesfalls als Antifa-Fuzzy definieren. Links ja, gegen Faschismus, für Menschenrechte, FDGO etc. etc. ja, ja, ja. Antifa nein.
Eine bittere persönliche Erfahrung sagt mir auch, dass es in naher Zukunft ein paar subklinische Psychopathen geben könnte, die den Begriff einfach für sich kapern und sich zu Führerys der Antifa aufschwingen, schlicht durch Selbst-Akklamation und die Unterstützung ein paar weniger Speichelleckys. Und dann stehe ich da mit meiner Aussage, ich sei Antifa, aber DAS habe ich nicht gewollt, blablabla ...
Mir ist das so gegangen, als ich eine zeitlang sagte, ich stünde der buddhistischen bzw. taoistischen Philosophie nahe und als dann ein paar myanmarische Äbte buddhistischer Klöster zum Völkermord an den Rohingya aufriefen. Oder als ich auf einer Demo für oder gegen irgendwelche Hochschulpolitik war und plötzlich eine kleine Schar marxistisch-leninistischer Knallchargen sich mit Riesen-Bannern an die Spitze des Zuges und der Rednery-Liste setzten. Oder als die christliche Lehre im 4. Jhdt. n. Chr. in die Hände fanatischer alter, weißer¹ Männer fiel. Oder als die ersten kommunistischen Führerys die Ideen Marx' pervertierten ...
Und schließlich: Es gibt überhaupt keinen Grund, stolz darauf zu sein, sich "Antifa" zu nennen. Denn wie Du Dich definierst, ist den Nazis, und damit meine ich auch die Trumps, Erdogans, Orbans, Putins usw., scheißegal. Und mehr noch: Ich glaube, Trump beömmelt sich köstlich darüber, wie sich jetzt alle über sein Antifa-Verbot empören. Mit einer einfachen Geste hat er der progressiven Linken so viel Energie geklaut - das ist "flood the zone" at its best.
Und warum sollte es irgendeinen Autokraten interessieren, für wie "antifa" Du gelten möchtest? Das ist in der Tat völlig wumpe, denn Du bewirkst ja nichts. Die Aussage "Seht, ich bin Antifa!" ist bestenfalls geistige Masturbation.² Schlimmstenfalls blockiert sie den Blick auf das, was wirklich konkret getan werden könnte.
in kritischer Zeit und durchaus mit persönlichem Risiko
dass die eine Flagge schwarz wird,
um neben dem Kommunismus auch den Anarchismus zu symbolisieren?
¹ Ich sag's gerne immer wieder: Auch lesbische schwarze Menschen mit Behinderungen können alte weiße Männer sein.
² Ja, das kann man diesem Blog auch vorwerfen. Ich bin mir der weitgehenden Wirkungslosigkeit dieses Blogs als Instrument politischer Auseinandersetzung bewusst.
Montag, 22. September 2025
Kollektive Lernentwicklungsstörung, nicht therapierbar.
Einer der besten im politischen Kabarett, Volker Pispers, hat als einen Grund seines Abschieds von der Bühne angegeben, er habe das Gefühl, sein Tun bewirke überhaupt nichts, auch wenn die Zuschauerys ihn ob seiner bissigen, brillianten Gesellschaftskritik feierten.
Ich würde niemals wagen, meine Ergüsse auch nur ansatzweise mit V.P.'s Genialität zu vergleichen, aber das Gefühl totaler Wirkungslosigkeit kann ich nachvollziehen:
Wieder mal titelt der ÖRR prominent, die "Bundeswehr fängt russisches Flugzeug über der Ostsee ab", und wieder stellt sich heraus, dass nur zwei hochmoderne Kampfjets der Luftwaffe ein uraltes Aufklärungsflugzeug der Russen eine Weile im neutralen Luftraum über der Ostsee begleitet haben, wie das dort tägliche Routine von beiden Seiten ist.
Exakt den selben Propaganda-Dreck hat "tagesschau.de" bereits im April 2023 gebracht und seitdem kommt das immer mal wieder, wenn die Kriegs-Stimmung weiter angeheizt werden soll.
Jooo, und wenn wir schon bei ollen Kamellen sind: Es gab mal den "Traditionserlass" von 2018, der eine allzu enge, enthusiastische Verknüpfung der Bundeswehr mit der Nazi-Wehrmacht deckeln sollte. Ulkige Koinzidenz¹: In einem Artikel von 2016 hatte ich darauf hingewiesen, dass unsere Bundesluftwaffe Nazi-Symbole wiederbelebt.
Und siehe: Es ist 2025, wir werden wieder kriegstüchtig, und dabei stellen wir fest: Oppas Doitsche Wehrmacht ist nie so richtig aus den Köpfen verschwunden. ↓
↑ Und mal ehrlich, kriegstüchtig sein heißt doch immer auch so ein bisschen Nazi sein, kriegstüchtiger werden heißt rechtsradikaler zu werden ...
Ach, ist das interessant, wenn man mal anfängt, in den alten Sachen zu wühlen. Der niedersächsische Finanzminister Möllring, CDU lässt sich 2007 mit einem Bundeswehrjet just for fun durch die Gegend gondeln, die SPD protestiert gegen den Kostenwahnsinn. 2019 lässt sich Siemtje Möller, MdB der SPD, mit einem Bundeswehrjet just for fun durch die Gegend gondeln, die CDU protestiert gegen den Kostenwahnsinn. 2024 lässt sich Fritze Merz, noch vor der BTW mit einem Bundeswehrjet just for fun durch die Gegend gondeln, aber da protestiert niemand mehr über die sinnlos vergeigten 111.242,38 Euro. Warum eigentlich nicht? Na auch egal. ↓
↑ Ich fürchte, dieses Bild hat das blöde Wahlvolk im Wahlkampf zur BTW 2025 eher beeindruckt als empört. Für 111.000 Ocken hätte man natürlich auch ... ach, ich hab's einfach sooo satt!
Schluss damit. Ich verliere mich in Einzelheiten, in den ganzen alten Geschichten. Was auffällt: Die aktuelle staatlich oktroyierte Kriegsgeilheit funktioniert nicht ohne primitivste, rechtspopulistische Propaganda. Frustrierend ist, dass die örr-gestützte Hof- und Kriegsberichterstattung bei den Menschen in diesem, unserem Lande genau so verfängt wie vor 100 Jahren. Wir haben nichts, überhaupt nichts dazu gelernt.
"Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte."
M. Liebermann
¹ Ich bin nicht so größenwahnsinnig zu glauben, Uschi v.d.L. habe meinen Artikel gelesen und daraufhin Maßregeln veranlasst. Koinzidenz ist quasi das Gegenteil von Ursache und Wirkung.




























