Freitag, 3. April 2026

Anleitung: Wie man religiöse Gefühle verletzt

 1. Definition

1.1.a.) Religion ist lt. Tante Wiki der Glaube an übersinnliche Kräfte. Diese Definition ist aber tautologisch, da übersinnliche Kräfte per definitionem der Erfassung per naturwissenschaftlicher Erkenntnismethode entzogen sind und nur im Glauben an sie gründen. Religion ist demnach der Glaube an das Glauben. 

1.1.b.) Einwurf: Das schmälert keineswegs die Bedeutung der Religion. Beispiel: Die Frage, was uns nach unserem Tod erwartet, lässt sich nicht naturwissenschaftlich untersuchen. Trotzdem denken wir drüber nach, entwickeln Theorien, und:  Wieauchimmer die Antwort ausfällt, hat sie einen Einfluss auf unser Leben.

1.2.a.) Hypothese 1: Religiöse Gefühle sind ... ääh ... wenn man das Gefühl hat, dass man etwas Religiöses glaubt? Beispiel: Ich habe das Gefühl, ich glaube an irgendeine Fort-Existenz nach meinem Tod. Was für eine beknackte Aussage: Ich fühle mich, als würde ich was glauben ...

1.2.b.) Hypothese 2: Religiöse Gefühle beschreiben das, was der Glaube mit uns macht. Beispiel: Ich glaube an irgendeine Fortexistenz nach meinem Tod, und das fühlt sich gut / schlecht / beruhigend / beunruhigend (Unzutreffendes streichen) an.

1.3. Fazit: Die Aussage 1.2.b. klingt plausibel. 


2. Praktische Umsetzung: Religiöse Gefühle verletzen

2.1.a.) Versuch 1: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt an ein Leben nach dem Tod, wie blöd ist das denn...?!" 

2.1.b.) Auswertung 1: Nee, tut mir leid, in dieser (imaginierten) Situation verspüre ich keine Verletzung. Nur ein geringfügiges Mitleid mit dem unreflektierten IQ-7-Knallkopp.

2.2.a.) Versuch 2: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt an einen allmächtigen Gott, einen alten, weißen Mann mit Bart, der im Nachthemd auf einer Wolke sitzt und seinen Sohn foltert für Sünden, die er, der Gott, selbst als solche definiert hat, wie blöd ist das denn...?!" 

2.2.b.) Auswertung 2: Autsch! Das piekst! Also, das würde pieken, wenn ich denn allen Ernstes an diesen spätbronzezeitlichen Kackshyce glauben würde. Wir sollten uns dieses Ergebnis merken!

2.3.a.) Versuch 3: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt, dass Mitgefühl und Solidarität mit Menschen und unserer Umwelt wichtig seien, wie blöd ist das denn...?!" 

2.3.b.) Auswertung 3: Nee, ich fühle mich nicht verletzt. Nur den Wunsch, diesem ignoranten Arschloch eine reinzuhauen.

2.4.a) Versuch 4: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt, dass fundamentalistische, machtgeile, alte Männer die Stellvertreter Gottes, Allahs, Jahwes oder irgendeines anderen verlogenen, faschistischen Rachegottes seien und dass ausgerechnet diese pathologischen Egomanen über Glück und Unglück von Milliarden Menschen entscheiden könnten und ob Du eine Seele hast und ob die in den Himmel mit 72 Jungfrauen oder in die Hölle mit wasweißch kommt, wie blöd ist das denn...?!" 

2.4.b.) Auswertung 4: Wenn ich an die Macht der alten, kranken, weißen Männer glaubte (Konj. II irrealis, präs.), dann würde dieser Affront mich wahrscheinlich verletzen. 


3. Conclusio

Religiöse Gefühle sind in der Tat verletzbar, allerdings nur dann, wenn sie sich auf jene Dogmen beziehen, die überwiegend dazu dienen, Systeme zu stabilisieren, die den alleinigen Zweck haben, krankhaft machtgeilen alten Männer ihre Position zu erhalten und die Untergebenen immer tiefer in Unmündigkeit, Dummheit und letztlich Sklaverei zu verdammen.

Ich finde, damit kann man arbeiten.

Fröhlichen Karfreitag! 


(verändert via wiki commons)




Mittwoch, 1. April 2026

Selbstbeschiss versus Wetter-Profis

 

Meine Fresse, was bin ich für ein eingebildeter Drecksack. Der Deutsche Wetterdienst sagt für die Region um Barssel unangenehme Klopper-Thermik voraus. Und ich sage: "Wat, nee, glaub' ich nicht, so nass, wie da alles ist ... Und in meiner Segelfliegerzeit hieß es doch auch immer, Thermik gipps da praktisch gar nicht."

Nach einer halben Stunde war ich wieder unten und fühle mich wie ein Preisboxer nach der 12. Runde.



↑ Zu meiner Entlastung: Ich verstehe mich, dass der Jieper auf's Fliegen so groß ist.


↓ Und die Gegend um EDXL fängt mir immer besser am Gefallen an.


Möge die Saison bald mal ein paar gute Flüge erlauben. 



Dienstag, 24. März 2026

SuS sind nicht doof!


Gerade auf einem pseudosozialen Forum gelesen: Einy Lehrery drückt sire Enttäuschung aus, dass ein Schüler kurz vor Realschulabschluss sich als AfD-Anhänger outet.

Die zahlreichen Reaktionen auf besagtem Forum drücken viel Empathy mit dy Lehrery aus, vor allem Hilfsangebote: Es gäbe doch diverse Institutionen, die demokratische Bildung in Schulen bringen, man könne außerdem im Unterricht noch dies und das und jenes machen, um den Schülys beizubringen, wie man demokratisch ist, und dann müsse man unbedingt noch diese Filme gemeinsam anschauen und unbedingt jene Bücher im Unterricht lesen (folgen lange Listen mit Film- und Buchtiteln) usw. usw. ...

Tut mir leid, das ist alles lieb gemeint, wird aber überhaupt nichts bringen. Weil es Lichtjahre am eigentlichen Problem vorbeigeht:

SuS¹ sind nicht doof. Sie sind vielleicht mehr oder weniger ungebildet, aber sie sind nicht doof. 

SuS, Kinder und Jugendliche allgemein, sind außerordentlich sensibel, wenn es um Lügen und / oder soziale Dissonanzen  geht. Vielleicht können sie es nicht verbalisieren, aber sie riechen, wie mein Opa sagen würde, die "Scheiße durch die Wand", tausendmal mehr, als wir Erwachsene glauben. Wer's nicht glaubt, schaue sich in Scheidungsfamilien um und erzähle mir, Kinder hätten von den Konflikten vorab nichts mitgekriegt ...

Was machen wir in Schule und Elternhaus ? 

  • Wir sagen den Kindern, Doitschland sei eine Demokratie und deshalb dürften alle gleichberechtigt mitbestimmen. Und irgendwann müssen wir ihnen eingestehen, dass das gelogen war und dass in Wirklichkeit nur die unersättlichen Profitinteressen des berüchtigten "1 %" bestimmen, wo's lang geht. 
  • Wir sagen den Kindern, wer klug und fleissig sei, ...
  • Wir sagen den Kindern, die Würde des Menschen ...
  • Wir sagen den Kindern, alle Menschen hätten gleiche Rechte ...
  • Wir sagen den Kindern, Schutz und Erhalt einer lebenswerten Zukunft ...
  • Wir sagen den Kindern, es gäbe einen Gott und Allah sei sein Prophet, Jesus sein Sohn und der Papst sein Stellvertreter ... 
  • Wir sagen den Kindern, es gäbe einen Weihnachtsmann und der sei nicht identisch mit der DHL- bzw. Amazon-Person ...
  • Und immer wieder sagen wir ihnen, dass es abscheulich sei zu lügen.

Fazit: Wenn Kinder den Glauben an die Demokratie verlieren, dann ist das angesichts des Zustandes dessen, was wir ihnen als "Demokratie" verkaufen, absolut verständlich und logisch. Wir sind jetzt schon völlig unglaubwürdig, und wenn wir nun noch mehr Energie dareinstecken, den Kiddos zu erzählen, wie toll, fantastisch und einzigartig diese unsere Demokratie ist, dann machen wir die Sache immer, immer schlimmer. 

Und natürlich rede ich damit nicht der Scheiß-AfD das Wort. Im Gegenteil!

Der einzige Weg, die Menschen (nicht nur die Jugendlichen!) wieder auf den Pfad der Demokratie, der Gerechtigkeit und der Vernunft zu bringen, ist, endlich anzufangen, gemeinsam diesen verlogenen, profitgeilen Scheißhaufen "Doitschland 2026" in Ordnung zu bringen und eine echte Demokratie draus zu machen!

...

Ist doch wahr.




(verändert via wiki commons)
"Deutschland ist eine vorbildliche Demokratie!
Schöner kann's nicht sein und werden!"

"Hackt's jetzt?"
 




¹ Hoppsa, alte Angewohnheit. Gemeint sind "Schülerinnen und Schüler und alles darüberhinaus"






Mittwoch, 18. März 2026

Wieder on Air, hurra!

 


Ooookeeee, Freundy der Luft- und Raumfahrt! Ab heute bin ich nach einem Vierteljahr Pause wieder im Geschäft. Dank Berndt Z. aus B. ist mein 120-kg-Drachen-Trike wieder der kleine, vertrauenserweckend schnurrende Tiger, der er immer sein sollte. Heute die ersten beiden Testflüge, 20 und 37 Minuten lang, und es war ein Fest.

↓Mein neuer Heimatplatz ist, wie gesagt, EDXL, Barssel. Die Gegend drumherum muss ich erst noch lieben lernen. Nicht, dass es da nicht auch schöne Ecken für einen Gartenstuhl in 200 m Höhe gäbe.



↓ Der Platz selbst ist nicht so leicht zu finden. Dieser Wald mit dem amphitheatrischen westlichen Ende weist aber in die richtige Richtung.



↓ Das hilft Dir aber üüüberhaupt nix, wenn die Sonne tief über einer Dunstschicht steht und die Konturen am Boden verschwiemelt. Das gibt dann 100 Bonuspunkte für eine außerordentlich mystische Beleuchtung. Aber 200 Miese für "Ich seh' nix, mal Navi fragen ..."




Egal, egal, egal. Mir die Gegend bekannt zu machen, ist ja auch ein schönes Fliege-Ziel.

Ich bin wieder im Geschäft ... Ach, das sagte ich schon?! Egal!



Dienstag, 17. März 2026

Preis ... Revolution

 

Aktuelle Selbstbeobachtung: Der Preis für mein Lieblingsbier ist nun auf 18,99 € gestiegen. Mein innerer Monolog verweist auf ölpreisbedingt gestiegene Herstellungs- und Transportkosten, und ich müsse die Händlerys verstehen. Yupp, mache ich. Aber ich verstehe mich selbst auch. Im Gegensatz zur allgemeinen Preisentwicklung steigen meine Bezüge leider nicht. 

Folglich werde ich meinen Konsum einschränken. Das ist absolut möglich und erträglich, da ich, genau betrachtet, immer noch auf recht hohem Niveau vor mich hin konsumiere. Und weil ich ziemlich wütend darüber bin, dass die Konzerne den US-israelischen Angriffskrieg erneut für ihre miesen Profitinteressen missbrauchen, konsumverzichte ich sogar noch wesentlich mehr, als zur reinen Kompensation der Preissteigerungen notwendig wäre. 

Das ist keine wirtschaftlich bedingte Sparsamkeit, das ist auch kein politisch bedingter Konsumverzicht, das ist eine politische Kampfansage, ein bewusster Boykott. 

Gleichzeitig überlege ich mir, welche Folgen es hat, wenn langfristig und flächendeckend die Preise steigen, die Kaufkraft der Normalverbraucherys aber nicht, zumindest nicht entsprechend. Die Antwort ist trivial: Am schlimmsten trifft es die Leute, die jetzt schon kaum Kohle haben, die Armen. Für die Menschen mit mittlerem Einkommen wird's enger. Nur die Reichen spüren von der ganzen Entwicklung überhaupt nichts. Und die Super-Reichen, die Konzernböberschten und die Groß-Investorys sind diejenigen, die von der ganzen Entwicklung sogar profitieren. 

Wenn bei den Armen und den Mittelstands-Krampen nix und tendenziell immer weniger zu holen ist, wird sich "die Wirtschaft" notgedrungen immer mehr auf die Befriedigung der Bedarfe der Reichen und Super-Reichen fokussieren. 

Denkt man diese Entwicklung konsequent weiter, entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Eine winzigkleine, superreiche Elite und die Masse der von ihr abhängigen Sklaven.

Die einzige Alternative wäre die Revolution, je später sie kommt desto gewaltsamer.


(E. Hagnauer, 1848, via wiki commons)
Es scheint mal wieder an der Zeit.
Versteht mich nicht falsch:
Ich bin strikt gegen Gewalt.
Eben deshalb begrüßte ich zeitnahes Umdenken.











Samstag, 14. März 2026

Taking Oscars ...

 

Das Trump-Regime verweigert dem oscar-nominierten Hauptdarsteller Motaz Malhees die Anreise zur Verleihung des Preises, allein deshalb, weil besagter Herr Malhees ein Palästinenser aus dem Westjordanland ist.

Blöd für Herrn Malhees, gut für die Welt, denn wir lernen so viel daraus:

  1. Eine Diskriminierung aufgrund der ethnischen bzw. nationalen Herkunft widerspricht Artikel 2 der UN-Menschenrechts-Charta, aber den USA ist das wurscht, und da es auch keine Proteste von Bürgerys der USA dagegen zu geben scheint, gilt diese Feststellung nicht nur der US-Regierung, sondern den Amis in toto.
  2. Auch von der Academy, die den Preis verleiht, hat man keinen Widerspruch, keine Kritik vernommen, eine Reaktion, die man mit Zustimmung, zumindest mit Desinteresse übersetzen darf. Der "Oscar" ist also kein Preis, der sich gegen menschenrechtsfeindliche politische Vereinnahmung durch die Mächtigen sträubt. Kunst, die nicht gesellschaftskritisch sein will, ist trivial. Das ist in Bezug auf viele oscar-prämierte Filme nichts Neues, aber hier haben wir eine weitere, sehr konkrete Bestätigung.
  3. Alle Menschen, die nun weiterhin an ihrer Nominierung festhalten und sogar einen Preis entgegennehmen, signalisieren ihr aktives Einverständnis mit dem Trump-Regime. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Film "Taking Sides - der Fall Furtwängler" aus dem Jahre 2001, in dem es um die Verantwortung von Künstlerys in faschistischen Systemen geht. Ich gebe hiermit zu Protokoll, dass ich alle Leute, die unter derartigen Rahmenbedingungen sich nicht schämen und also weigern, einen Oscar entgegenzunehmen, zutiefst verachte.

Die gesamte Veranstaltung der Verleihung der Academy Awards ist kompromittiert. Wer das nicht versteht, hat nichts verstanden.



(KI-frei verändert via wiki commmons)
Der Trump-Award.
Wer's mag ...

  




Mittwoch, 11. März 2026

Finger weg von MEINEM Öl!

 
"Deutschland gibt Teil der nationalen Ölreserven frei" titelt der ÖRR ...

... und prompt quälen mich wieder so viele Fragen, z.B.:

Erstens: Wer ist "Deutschland"?

Bin ich auch "Deutschland"? Oder bin ich nur irgendein dahergelaufener Untertan von etwas viel Größerem, was Deutschland ist? Falls ich auch "Deutschland" bin: Hallo, Ihr habt vergessen, mich zu fragen! Ihr könnt doch nicht behaupten, ich hätte Ölreserven freigegeben, wenn ich mangels Gelegenheit gar nicht artikulieren konnte, ob ich das will oder nicht!

Zweitens: Gehe ich recht in der Annahme, dass die "nationalen Ölreserven" zumindest anteilig mit Steuermitteln, also dem Geld der Solidargemeinschaft, finanziert wurden?

Drittens: Da die Ölreserven jetzt freigegeben sind, möchte ich gerne wissen, wieviel Öl Jede und Jeder und Jedy bekommt und wo ich meinen Anteil abholen kann und was mich das dann (abzüglich der von mir via Steuern vorfinanzierten Kosten) kostet. 

Bitte ...?

Ich habe das falsch verstanden ...?

Ich bekomme gar nix ...?!!!

Die Öl-Konzerne bekommen ALLES ... ???!!!

... um das mit Mörder-Profiten, die sie natürlich weiterhin selbst festsetzen, an mich zu verkaufen???

Aha!

Viertens: Können wir, bitte, nochmal ganz genau definieren, was "Deutschland", was "nationale Reserven" und was "freigeben" eigentlich, d.h. in Wirklichkeit, d.h. jenseits des Polit-Schönsprechs bedeutet?

Fünftens: Wann genau wollen wir das kapitalistische System überwinden und durch etwas ersetzen, das unserem Grundgesetz, unserer Freiheitlich-demokratischen Grundordnung entspricht? Morgen wird knapp.

Sagen wir: Nächsten Montag? Ok, abgemacht!






(KI-frei verändert via wiki commons)
Ok, ich geb's zu: Mir gehört nicht der ganze Tank.
Aber einpaartausend Liter habe ich bezahlt.
Wo kann ich die jetzt eigentlich raffinieren lassen?
Oder muss ich auch da wieder ALLES selber machen?









Dienstag, 10. März 2026

Abgesang SPD

 

Wenn ein alter, liebgewonnener Dampfer,
ein einstmals schönes, herrliches, leistungsfähiges Schiff,
mit aller Kraft auf das erkennbar tödliche Riff,
das finale Ufer
zusteuert

und niemand an Bord den Kurs ändert,
weil niemand den Kurs nennen will
oder kann,
den Untergang zu vermeiden,

dann tut es mir leid um das schöne Schiff,
aber nicht um die feige, opportunistische Besatzung.




(KI-frei mit paint.net verändert via wiki commons)





Montag, 9. März 2026

Geniale Provokation


Neulich in irgendeinem pseudosozialen Medium aufgeschnappt:

"Der Grund, weshalb Du nicht vegan lebst:
Dir sind die Tiere scheißegal!"


Das Geniale an dieser Provokation ist: Ich werde gezwungen, genau zu untersuchen, wie ich es immer wieder schaffe, das als richtig Erkannte NICHT konsequent in Handlung umzusetzen.

Die vorläufigen Ergebnisse der Selbstanalyse sind nicht schmeichelhaft.



(via wiki commons 
keine Quellenangabe, außer "public domain")




Mittwoch, 4. März 2026

Legal, illegal, Krieg egal

 

Angriffskrieg gegen den Iran. Der Trumpismus will das Öl, spannt Netanjahu vor den Karren, damit man das Totschlagargument "Antisemitismus" bringen kann, falls jemand Menschen- und Völkerrecht ins Spiel bringt. Netanjahu braucht jeden Krieg, denn sobald um Israel herum Frieden ausbricht, muss er in den Knast, verurteilter Verbrecher, der er, genau wie Trump, ist.

Dass da Menschen sterben, huuuch, sogar vier Amis, also "richtige" Menschen, nicht nur irgendwelche Araber-Bimbos, ist aller Welt shyceegal. Aber dass hier bei uns die Benzinpreise explodieren und die Gaspreise, das ist ja voll doof.

Nein, ist es nicht. Oder höchstens nur aus der Perspektive der Kreaturen ganz unten in der Nahrungskette der Weltwirtschaft, also der berühmten 99 Prozent. Ganz oben, bei den echten Global Players der Energie-Branche, denkt man anders: "Geil, dank des us-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran können wir so tun, als würde Öl knapp. Damit können wir weltweit Preissteigerungen verordnen, von denen wir sonst nur träumen könnten. Wir vergolden uns den Arsch."

Etwas unterhalb dieser Ebene und in anderen Marktsegmenten fürchtet man natürlich temporäre Umsatzeinbußen, weil die unteren 99 Prozent ja so arm sind, dass sie jeden Cent nur einmal ausgeben können, und wenn der für Öl draufgeht, bleibt nicht so viel für Klamotten, Essen etc. 

Überteuerter Sprit kann natürlich nur eine Zeit lang durchgehalten werden, andernfalls könnten auch die dümmsten Proleten auf die Idee kommen, dass E-Mobilität, gespeist aus erneuerbaren Energiequellen, doch keine so ganz doofe Idee ist.

Apropos "Erneuerbare": Die Spritpreise sind wesentlich, denn die sieht und spürt dy Normalverbrauchy tagtäglich. Die Energiekosten für's Heizen spürt man nur bei der Jahresabrechnung. Und die Aufmerksamkeitsspanne der 99 Prozent beträgt etwa 11 Sekunden, so what?!

Die einzig richtige Perspektive auf den Angriffskrieg gegen den Iran und überhaupt ist aber die Sicht der dominierenden Finanzkonzerne wie Blackrock, Vanguard und Konsorten. Die stehen so weit über den Dingen, dass es ihnen komplett wurscht ist, ob der Profit eher im Energiesektor oder doch eher in anderen Bereichen gemacht wird. Wen interessiert's, ob, sagen wir, Shell  oder BP oder die RWE abkacken? Erstens kann man auf den internationalen Finanzplätzen auch an abkackenden Konzernen Geld verdienen, zweitens bedeutet "Abkacken" in diesem Zusammenhang ja nur, dass Investitionsvolumina profitoptimiert von einem Ort zu einem anderen wandern. 

Oder hast Du geglaubt, die Superreichen würden ärmer, wenn die Weltwirtschaft die Grätsche macht?

Überraschenderweise steht es uns Erdnuckeln hier, am untersten Ende des Kapitalismus offen, die selbe Perspektive einzunehmen wie die ganz oben: Wir müssen einfach mit heiterer Gelassenheit hinnehmen, dass wir mehr für Sprit und Gas bezahlen müssen, und dann müssen wir

  1. brutalstmöglich auf Sprit und Gas verzichten, die Fossil-Energiekonzerne somit ganz bewusst boykottieren und
  2. da wir dennoch wahrscheinlich weniger Geld zur Verfügung haben werden, den allgemeinen Konsum radikal einschränken, und zwar dauerhaft.

Die Idee ist nicht neu und nicht von mir. Man nennt das "Konsumverzicht". Schade, dass wir 99 Prozent als Solidargemeinschaft im Gegensatz zu dem 1 Prozent zu schwach, zu feige und zu blöde sind, so etwas solidarisch durchzuziehen, die Wirkung wäre eine ungeheu're.


(1897 - via wiki commons)