Dienstag, 3. November 2026

Schön wär's gewesen!

 

Die Idee des "Sequentiellen Tankstellenboykotts" stammt aus den 1980ern und beschreibt die Strategie, je einzelne große Mineralölkonzerne zu boykottieren, bis sie ihr Verhalten / ihre Preisgestaltung / ihre übertriebene Profitgeilheit ändern.

Konkret könnte das heute bedeuten, wir identifizieren den Konzern, der morgen um 13:00 Ortszeit den bundesdurchschnittlich höchsten Preis pro Liter ausruft, und niemand tankt 14 Tage lang bei ihm. Zufallsgeneriert wird dann ein neuer Termin ausgesucht, an dem wieder der bundesdurchschnittliche Spritpreis erhoben wird, ebenfalls mit anschließender 14-tägiger Sperrfrist gegen den Ober-Abzocker-Konzern.

Ein primitives, überschaubares, quälend langsames Verfahren, aber das ist die Entstehung von Tropfsteinhöhlen auch, und trotzdem gibt es sie.

Bei Tropfsteinhöhlen funktioniert das Verfahren so sicher, weil nur wenige hirnlose, tote Faktoren zusammenspielen: Wasser, Mineralien und Schwerkraft.

Beim "Sequentiellen Tankstellenboykott" funktioniert das Verfahren nicht, weil Menschen zusammenspielen müssten. 

Im Unterschied zu Wasser, Mineralien und Schwerkraft denken Menschen, und was sie denken, ist unausgegorene, unlogische, pathologisch-egomanische Krümelkacke. Dementsprechend handeln sie. Das ist schon beim Individuum unappetitlich anzusehen, aber betrachtet man das Verhalten von Gruppen, kann man "gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte" (frei nach Max Liebermann).

Fazit: Es gibt eine Methode, mit der wir Dinge verbessern könnten. Aber sie wird nicht praktisch umgesetzt, weil wir zu blöd sind, solidarisch zu handeln.

Die einzigen Menschen, die solidarisch handeln, sind die Autokraten und Kapitalisten¹.

Und es fällt ihnen leicht, so leicht, uns immer wieder auseinanderzutreiben uns gegeneinander aufzuhetzen und uns zu korrumpieren.

Also hört auf zu heulen.



"Heul' leise, Chantal!"
(Stark verändertes Still aus dem Film "Fuck Ju, Göthe!"
[paint.net  > KI > paint.net])




¹ Nein, ich gendere nicht. Ich rede von alten, weißen Männern, die unabhängig von X- und Y-Chromosomen, Pigmentierung, Nasenrückenbreite und Hosenanzug allesamt Arschlöcher sind.








Sonntag, 1. November 2026

Nackte Tatsachen

 

Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren!
Ich: Man kann auch nicht nicht mit sich selbst kommunizieren!

Bis gestern Übernachtungsbesuch von lieben Leuten hier gehabt. Da meine Hütte den Gästen zuliebe hinreichend geheizt war, erlaubte ich mir, ungewöhnlich für diese Jahreszeit, den ganzen Tag nackt rumzulaufen. Die Leute kennen das von mir, das ist nix Sensationelles, sondern Routine für alle Beteiligten¹. 

Was kommuniziert man - sich selbst und anderen gegenüber - indem man den Alltag nackt lebt? Aus Platzgründen nur Stichwortsammlung. Geneigte Lesys füllen das bitte mit weiteren Inhalten.

Nackt-Sein sagt:

  • Warm und fit: Mir ist warm genug und ich kränkele nicht.
  • Verletzlichkeit - Ich trage keinen Panzer.
  • Vertrauen - Ich brauche keinen Panzer.
  • Offenheit - Ich habe nichts zu verbergen und will es auch nicht. Ich bin alt, etwas zu fett und faltig. Aber ich habe keinen Bock mehr auf Selbstverleugnung.
  • Sauberkeit, körperlich - Paradox: Auch wenn ich nach nackter Gartenarbeit total verdreckt bin, fühlt sich das sauber an, tausendmal sauberer als in verschwitzten Klamotten. Nacktheit setzt ein  gewisses Minimum an Körperpflege voraus, ist dann aber klarer, freier, frischer, hygienischer, wasauchimmer ...
  • Sauberkeit, geistig - Wenn ein nackter Mann Erotisches denkt, bekommt er eine Erektion². Das ist natürlich und überhaupt nicht schlimm³. Abzulehnen ist eigentlich nur die in spießiger Prüderie verleugnete Lüsternheit, die man in Klamotten prächtig verstecken kann. Das extremste Gegenteil von "geistiger Sauberkeit" ist die verlogene Prüderie evangelikaler Christen der USA, die immerhin den größten Porno-Markt des Planeten befeuert.
  • Ich habe den Verstand, auch hartnäckig internalisierte Sozialnormen zu dekonstruieren und den Mut, mein Handeln entsprechend auszurichten. Kant hätte seine Freude dran. 
  • Ich bin ein wokes Weichei, genieße die vielen zusätzlichen Dimensionen der Wahrnehmung, die ungefilterter Hautkontakt mit Lebensumwelt bietet. Ich genieße das und bin froh & stolz, das genießen zu können.
  • Ich bin ein Revoluzzer, denn ich stelle das Wertesystem der alten, weißen (Anzug-)Männer ganz bewusst in Frage. Mein Nacktsein⁴ ist auch ein Auflehnen gegen den libertären Kapitalismus und den ihm anhängenden Konsumismus.
  • ...

Da fällt mir auf: Die Leute um mich herum verlieren nicht ein Wort über's Nacktsein. Nur ich, ich selbstanalysiere, wäge ab, kontextualisiere, usw.

Tja, ich muss offenbar schreiben, um zu sortieren, und nun schick' das auch raus. 



(Richard Ungewitter, 1907)



¹ Auch wenn ich der Einzige bin, der diesen Spleen pflegt. 

² Oft genug bekommt er auch eine Erektion, wenn nur warmer Wind über die Haut streichelt und / oder die Sonne auf den nackten Hintern scheint. Glaupt's mir!

³ Gleichwohl versuche ich das zu vermeiden. Es ist ja nicht so, dass mann da gar keine Kontrolle über seine Gedanken hat.

⁴ Dieser Punkt muss nicht verallgemeinert werden, ist nur persönliches Statement.








Dienstag, 27. Oktober 2026

Sehnsucht nach dem guten, alten Bösen

 

Die Ranschmeiße des Audi-Chefs an den POTUS, die aktive, offensichtliche Unterstützung eines mehrfach vorbestraften Anti-Demokraten und Psychopathen lehrt uns viel Wirtschaftskompetenz:

  • Ethik ist scheißegal, wenn es um Profit geht.
  • Absprachen und konzerninterne Regeln sind scheißegal, wenn es um Profit geht.
  • Den Amis Arbeitsplätze versprechen, während sie in Deutschland abgebaut werden, zeugt von klugem Management und ist kein Grund, die Subventionen für "unsere" Automobilkonzerne anzutasten.
  • Die führenden Konzernführerys in Doitschland können sich maximal mies verhalten und trotzdem bringen wir es fertig, von unseren jüngeren Generationen mehr Leistung etc. etc. zu verlangen. Wie bescheuert müssten die sein?!

Es ist alles so erbärmlich ... Es ist alles so offensichtlich erbärmlich!



(Weird Tales cover 01/1941 via wiki commons)

So ein Drachen- ... Dino-... Ding ist ja auch schon ganz schön gruselig, aber wenigstens kann man ihm die Rübe abhauen, und man wird dafür gefeiert, und anschließend ist Alles gut. 

Aber das Böse hat gelernt. Ihm die Rübe abzuhauen ist inzwischen verboten, und es würde auch nix mehr bringen, weil die Menschen so korrumpiert sind, dass sie Böse-sein gar nicht mehr so schlecht finden. Vielmehr sollte der langhaarige, gewaltaffine, rot-grüne Penner rechts im Bild beseitigt werden, dann wär' Ruhe!







Dienstag, 20. Oktober 2026

Ultracrepidarianismus

 

Liebes Tagebuch!

Heute habe ich ein neues Wort gelernt: Ultracrepidarianismus.

Das lateinische ne sutor ultra crepidam („Der Schuster soll nicht über die Sandale hinaus“) wird dem griechischen Maler Appelles zugeschrieben. Ein Schuster kritisierte zurecht eine auf einem Gemälde dargestellte Sandale und begann anschließend, auch darüber hinausgehende Aspekte zu bemängeln, von denen er keine Ahnung hatte.

Der deutsche Spruch "Schuster, bleib bei Deinen Leisten!" stammt wohl daher, verfälscht aber den ursprünglichen Inhalt, klingt abfällig, arrogant und elitär, während, wie ich vermute, Appelles nur die Kompetenzbereiche von Maler und Schuster wertfrei abgrenzen wollte (und vielleicht auch ein wenig angepisst war, auf einen Fehler hingewiesen worden zu sein). 

Drei Dinge fallen mir dazu ein:

Erstens habe ich Verständnis für den Schuster. Ich stelle ihn mir als eine arme Wurst vor, wahrscheinlich eher unten in der gesellschaftlichen Hierarchie und folglich nicht gewohnt, nach seiner Meinung gefragt zu werden. Vielleicht hat Appelles sich sogar höflich für die Kritik an der Darstellung der besagten gemalten Sandale bedankt und vielleicht fühlte sich der Schuster dadurch berufen, hyper-engagiert weitere Kommentare zum Bild rauszuhauen, vielleicht in einem ganz naiven Verständnis von Hilfsbereitschaft. 

Zweitens denke ich über den Bedeutungsunterschied zwischen "Ultracrepidarianismus" und "Dunning-Kruger-Effekt" nach. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Wäre der Schuster ein Mensch, der sich permanent und prinzipiell für universell kompetent hielte und der strukturell unfähig wäre, sich einigermaßen realistisch selbst zu beurteilen, dann wäre er kein Ultracrepidarianer, sondern ein D.-K.-E.-Opfer.

Drittens bin ich überzeugt, dass dy mündigy Staatsbürgery im Sinne unseres Grundgesetzes idealerweise Ultracrepidariery sein muss: Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung verlangt von Dir in allen Bereichen verantwortliche Entscheidungen. Du verfügst aber grundsätzlich in den allermeisten Bereichen nur über unzureichende Daten. Und unsere Fähigkeit, lexikalisches Wissen zu einem schlüssigen Gesamtbild zu verknüpfen, ist auch begrenzt.  

Kurz: Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir, wie der Schuster, in dem überwältigenden Gesamtbild einen Fehler wie bei der besagten Sandale präzise benennen können. Den Rest des Bildinhaltes müssen wir, so gut wie es uns eben möglich ist, beurteilen. Da ist's hilfreich, wenn man ein gutes Allgemeinwissen hat, was etwas völlig anderes ist als Universal-Wissen.

Auf keinen Fall dürfen wir uns von dem Maler vorschreiben lassen, ob wir sein Bild gut oder schlecht finden müssen. Denn der Maler, der steht für die Konzerne und die Politikys auf diesem, unserem Planeten. Und er ist unser Dienstleister und hat die Fresse zu halten und das Bild gefälligst so zu malen wie wir, das Volk, der höchste Souverän, es wünschen und befehlen.

Klar soweit?!




Ohne weitere Quellenangaben via wiki commons - 
Ein Fresko aus einer florentinischen Villa zu der Appelles-Anekdote.

Ey, Schuster! Wenn der Maler nicht spurt, schmeiß ihn raus!





Sonntag, 18. Oktober 2026

Matsche und Pampe

 

In der sonntäglichen Werbe-Wurf-Gazette ein Artikel über "Pumpkin-Spice-Energy-Balls". 

Übersetzung: Kürbis-Gewürz-Energie-Bällchen.

Übersetzung der Übersetzung: Mini-Klopse aus Kürbispampe mit Nussmatsche und einem Spezialgewürz, das man nur bei der Firma kaufen darf, die diesen Artikel bezahlt hat. 

Erste Reaktion: 10.000 ätzend zynische Gedanken.

Zweite Reaktion: Fremdscham. Tiefe Fremdscham. Über die Hersteller-Firma, die so eine schwachsinnige Werbung beauftragt, über die Marketig-Fuzzys, die so einen Mist umsetzen, über die Zeitung, die sowas veröffentlicht und ganz besonders: über die Massen, bei denen so ein Schwachsinn offenbar so eine Wirkung erzielt, dass sich der ganze Aufwand durch entsprechende Umsatzsteigerungen bezahlt macht.

Dritte Reaktion: Warum, zum Henker, hat die anglo-amerikanische Sprache in toitschen Köpfen immer noch so eine Zugkraft? Mag ja sein, dass die Amis in den 1950er und -60er Jahren uns die dringend notwendigen neuen kulturellen Leitwerte und Vorbilder eingetrichtert haben, aber mittlerweile schreiben wir 2026, Trump wurde nicht nur gewählt, sondern sogar wiedergewählt. Wer in den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika immer noch eine Leitkultur sieht, ist entweder sehr, sehr zynisch oder sehr, sehr dumm.

Warum ruft niemand danach, sich auch von diesem Aspekt us-amerikanischen Kultur-Imperialismus' zu emanzipieren? Klingt "Kürbis-Nuss-Klopse" wirklich so unsexy? Wie ist's mit "Bouchées potiron aux noix"? "Bolitas de calabaza y nuez"? "Pumpa- och nötbullar"? "nánguā jiānguǒ qiú"?

Die Antwort lautet: Ja!

Ja, deutsch klingt unsexy. Irgendwas haben wir in der Benutzung unserer Sprache falsch gemacht, und bestimmt habe ich da als Doitsch-Lehrery einen gewissen Anteil. 

Ich hab's ausprobiert, und ich kann sagen, ich hab's echt voll drauf, immerhin habe ich diesen Shyce studiert, kenne alle Höhen und Tiefen der toitschen Sprache auf's trefflichste. Außerdem bin ich gelernter  Sprachpragmatiker. Als solcher beeide ich mit der vollen Wucht meiner wissenschaftlichen Kompetenz: Es ist ein dramatischer inhaltlicher Unterschied, ob Du "Pumpkin-Balls" oder "Kürbis-Bällchen" sagst. Das ist nicht nur ein Translations-Problem.

Nein, ich schließe mich natürlich nicht den idiotischen Forderungen der Sprachpuristys ¹ an. Ich fänd's nur schön, wenn Deutsch oder irgendwelche anderen europäischen Sprachen den haut goût der Spießigkeit oder Provinzialität verlören und selbstbewusster auftreten könnten.

Lasst uns fröhlich und entspannt dran arbeiten!


Still aus dem Film "Der Name der Rose" (1986),
KI-frei verändert mit paint.net
Rechts Ron Perlman als Salvatore,
der Mönch, der alle Sprachen spricht, aber keine richtig.


PS: Während ich diesen Text schrieb, hat mein Unterbewusstsein offenbar den Begriff "Kürbis-Klopse" weiter ventiliert und kommt zu dem Ergebnis, dass das eigentlich voll niedlich klingt.




¹ Ich hoffe, es ärgert die Puristys besonders, dass ich an dieser Stelle nach Phettberg gendere.







Freitag, 16. Oktober 2026

Noch 'ne Sinnkrise

 

Boi-oh, 13 Tage Blog-Pause, das war nicht geplant. Mag sein, dass Herbst-Blues eine Rolle spielte, vor allem aber das Gefühl totaler Wirkungslosigkeit. Pispers und Schramm, mit denen zu vergleichen ich mich ansonsten demütigst entblöde, haben aufgrund vergleichbaren Gefühls ihre jeweiligen Karrieren beendet.

Was mich gerade beschäftigt: Laut hallend bricht gerade die bestehende Ordnung zusammen, fliegt uns jede Aussicht auf eine zukünftig menschenwürdige Lebenswelt um die Ohren. Nur, wenn man ganz angestrengt wegschaut, gelingt es noch, an dem 20 Jahre alten Zitat von Warren Buffet vorbeizuschauen

”There’s class warfare, all right, 
but it’s my class, the rich class, 
that’s making war, and we’re winning.”

Warren Buffet im Interview mit Ben Stein 
in New York Times, 26. November 2006, 
oder auch hier.

Sehen wir endlich der Tatsache ins Auge: Wir, die 99 Prozent, haben den Krieg gegen die Reichen verloren. Der entgrenzte Kapitalismus beherrscht die Welt bis ins allerhinterste Eckchen. Punkt.

Vielleicht sollten wir allmählich mal anfangen, uns entsprechend zu verhalten. Wir, die 99 Prozent, sind die besetzte Zone. Wären wir nicht so verdammt korrumpiert, faul, dumm und verantwortungslos, hätten wir in Toitschland längst den Generalstreik wie vor über 100 Jahren gegen den rechtsextremistischen Kapp-Putsch 1920 oder, besser noch, diesen Akt drastischer Solidarität und des flächendeckenden passiven Widerstandes wie im Ruhrgebiet 1923. 

Aber nein, wir fühlen uns als Verliererys anscheinend pudelwohl, oder, wie es ein Bekannter vorgestern sagte: "Uns geht's immer noch viel zu gut!"

Tja, und wenn das denn so ist: Warum gesellschaftskritische Artikel schreiben?


Ruhrkampf 1923, via wiki commons.

Ja, ja, ja, da kann man ganz viel reinpolitisieren und hinterfragen.
Das ist nicht zu leugnen und nicht zu idealisieren.
Mich interessiert nur, warum die Menschen damals zu Solidarität
 gegen einen übermächtigen Gegner in der Lage waren
und wir das heute nicht mehr sind.

















Samstag, 3. Oktober 2026

Thema heute: Wolken

 



↑ Bild 1: Eine Wolke aus der Nähe




↑ Bild 2: Etwas mehr Wolken von etwas weiter weg.



↑ Bild 3: Einige wenige Wolken von noch weiter weg.



↑ Bild 4: Typisch entspannte Handhaltung des Pilotiseurs
nach Thermikende 




Donnerstag, 1. Oktober 2026

Der Ghul auf meinem Dachboden

 

Die eine Sache ist: Im Computerspiel sich durch eine schwerstmehrfach dystopische Welt nach einem Atomkrieg zu schlagen und menschenfleischfressende Ghulys, ebensolche Supermutantys sowie durchgeknallte KI-Roboter und allerhand menschliche Banditys inhaltlich zu stellen. Oder: Bei einem fantastischen Tabeltop-Rollenspiel in einer Welt voller magisch-heroischer Phantasie Monster aller Art und Farbe, (wirklich!) böse Zauberys und Göttys und ihre zahllosen plumpen, dumpfen Schergys in tiefunterirdischen Höhlensystemen zu meucheln, ohne selbst gemeuchelt zu werden. Angenehm gruselig.

Die andere Sache ist: Reale abendliche Krabbel- und Kratzgeräusche auf Deinem leeren, unbenutzten Dachboden! Unangenehm gruselig. 

Beim ersten Mal, vor einem Monat, hörte ich auf dem Dachboden kleine Krallen laufen und kratzen, doch es schien eine einmalige Sache zu sein, denn dann war erstmal Ruhe. Bis letzte Woche. Da klang es, als wolle sich etwas durch die Decke nagen. Von-unten-gegen -die-Decke-klopfen half für ein paar Tage ... bis gestern Abend.  

Die Überwindung, heute Morgen endlich eine Expedition auf den Dachboden zu unternehmen, war besonders groß, da ich dergleichen seit anderthalb bis zwei Jahren nicht mehr unternommen hatte. So konnte ich also mit Fug und Recht allerhand Szenarien erdenken, was Mäuse, Spinnen, große Spinnen, riesige Spinnen, Wespen, Killer-Wespen, vielleicht auch Ratten, Waschbären, Beutelmader, Werwölfe, Zombies in der Zwischenzeit für ein Schreckensregime dort errichtet hätten. ¹

Die Tatsache, dass ich diesen Text verfassen kann, tötet natürlich die Pointe. Der Dachboden war picobello sauber, da war NICHTS, nicht mal nennenswerte Spinnweben. Klar, wird da irgendeine Maus rumlaufen, unvermeidlich bei der Größe und dem Alter des Hauses. Aber die Maus wird da kein Futter finden, außer, seit heute, ein Stück Billig-Wurst in der Lebendfalle. Und wenn Mäuse kein Futter finden, dann verkrümeln sie sich ohnehin.

Es geht mir auch gar nicht um die Mäuse oder die Pointe. Ich könnte mich nur wieder mal restlos über mich selbst beömmeln, wie ich a.) die fällige Dachboden-Exkursion immer weiter vor mir hergeschoben habe und wie b.) meine Phantasie dadurch immer mehr Gelegenheit hatte - und  diese weidlich nutzte - Alpträume von Spinnweben, zerfressenen Dachträgern, explodierenden Nager-Populationen usw. zu entwickeln.

Wann setze ich endlich konsequent um, was ich schon tausendmal gelernt habe: Klare Kante, beherzter Zugriff, das macht mich froh. Prokrastination, Bequemlichkeit, Ausweichen, das führt mich nur ins Unwohlsein² 

"Neulich auf meinem Dachboden"
Still aus einem Spiel, mit paint.net > KI > paint.net bearbeitet.


¹ Okokok, ich gebe zu, dass ich alles nach "große Spinnen" nicht wirklich befürchtete. Aber "Mäuse und Spinnen" klang einfach zu mickrig, um meinen Ängste zu veranschaulichen. Die AfD lebt ausschließlich davon, fiktive Ängste überhaupt erst zu produzieren, und wenn jemand darauf hinweist, dass das doch alles Schwachsinn ist, dann kontern sie, man nehme die Ängste der Bevölkerung nicht ernst.

² Ich möchte an dieser Stelle den Begriff "Depression" vermeiden. Ich hatte wegen des Dachbodens keine Depressionen. Es fühlte sich nur scheiße an. Gleichwohl bin ich aber sicher, dass meine Fähigkeit zur Prokrastination mir reichlich "Niederdrückungen" beschert hat.








Montag, 28. September 2026

Eigenverantwortung: die Lösung des Renten- und Pflegeproblems

 

In unserer turbokapitalistischen¹ und rüstungsgeilen² Welt ist für Pflege und Betreuung im Alter kein Geld da. Das nehmen wir mal so hin. Richtig ist auf jeden Fall, dass wir überaltern  und dass es für die nachkommenden Generationen unzumutbar ist, was da demographisch auf sie zukommt.

Richtig ist auch: Ich habe noch eine statistische Restlaufzeit von knapp 18 Jahren und aufgrund sehr persönlicher Erfahrungen mit betroffenen Familienangehörigen überhaupt keinen Bock, in den immer kaputtgesparteren Bedingungen von Pflege-, Alten- und Sterbeheimen meiner vielleicht eintretenden Dementia senilis und dem unausweichlichen körperlichen Verfall entgegenzuleiden.

Mein größter Horror, und damit meine ich eine psychopathologisch signifikante Angst, ist, meiner Verwandtschaft und/oder später menschlichen Pflegenden auf den Sack zu gehen. Ich möchte ihnen schlicht das Erleben ersparen, mich in immer erbarmungswürdigeren Stadien sehen und mir notlügend irgendeinen vermeintlich positiven Scheiß erzählen zu müssen.

Mein zweitgrößter Horror betrifft die Phasen, in denen meine Ratio kurz über die Demenz obsiegt und mir die ganze Misere bewusst wird, ich aber nichts mehr steuern und veranlassen kann. Lebend in der Ruine meines Körpers und Geistes begraben - wie schrecklich!

Die Lösung zu allseitigem Wohlbefinden ist doch ganz einfach: Jeder Mensch erhält zum 60. Geburtstag eine Edelstahlhalskette mit einem Anhänger, in dem sich eine kleine Pille mit friedlich-finaler Wirkung befindet. Und der Rest ist Eigenverantwortung, individuelle Entscheidung. 

  • Gesundheits- und Pflegesystem werden dramatisch (!) entlastet, denn gerade die letzten Jahre sind enorm teuer.
  • Die Rentenversicherungen werden entlastet, weil kein Mensch mehr gegen seinen/ihren Willen bis zum letzten Atemzug durchhalten muss.
  • Die Schrecken des individuellen Leidens ohne absehbares Ende am Lebensende werden aufgehoben.

Mögliche Gegenrede: Wenn Jedy sterben könnte, wann und wo es ihr/ihm passt, liegen ja überall Leichen rum, gerade an schönen Orten, wohin man sich ja wohl zum selbstbestimmten Ableben zurückziehen dürfte. Nicht gut für's Stadtbild, nicht gut für's Biotop - und überhaupt, was sollen die Kinder denken undsoweiter.

Vorschlag: Ein RFID-Chip in dem Ketteanhänger. Mit Freischaltung, wenn der Anhänger zur Entnahme der Pille geöffnet wird. Dann wüssten entsprechende Institutionen, dass dort was abgeholt werden müsste. Da könnte man auch privatwirtschaftliche Unternehmen mit Konzessionen für bestimmte Regionen beauftragen. Das könnte auch kostendeckend und  sogar profitabel gestaltet werden. 

Vielleicht kommen findige Marketing-Fuzzys auch auf die Idee, besonders attraktive Suicide-locations zu schaffen und zu bewerben. Aber das wäre natürlich nur wieder was für die Reichen.



Still aus "Flucht ins 23. Jahrhundert",
stark verändert mit paint.net, aber KI-frei.


¹ Der Unterschied zwischen "Kapitalismus" und "Turbokapitalismus" ist, dass es in letzterem nicht mehr ausreicht, dass die Reichen immer reicher werden, sondern dass es als zwingend notwendig angesehen wird, dass sie immer schneller immer reicher werden.

² "Rüstungsgeil" meint, dass es sehr hochgradig im Profit-Interesse der Konzerne liegt, dass besinnungslos Rüstungsgüter produziert und für Mondpreise vertickt werden. Damit das Volk, die 99 %, darob nicht murren, muss man sie allerdings kriegsgeil machen, Politsprech: "kriegsbereit". Um die stumpfe Masse kriegsgeil zu machen, muss man Angst schüren. Anders kann man nicht erklären, dass Russland mit einem Militäretat von 190 Milliarden USD wie anno dunnemals zur Bedrohung hochgehypt wird, und zwar von einem Bündnis, das zusammen 1.500 Milliarden USD für Waffen ausgibt - und dass niemand ein logisches Problem darin erkennt!








Sonntag, 27. September 2026

There and back again (J.R.R.T.)

 

Gestern habe ich (wieder einmal) gelernt, was Low-'n-slow-Fliegerei nicht ist: Strecke kloppen. Zwar ist es zuweilen richtig und wichtig, sich Ziele zu setzen und diese auch gegen Widerstände zu verfolgen, aber zuanderweilen ist das freie, unverkrampfte, nieder-energetische Geschehenlassen die angesagtere Option. 

Ich hatte mir die Strecke Barßel - Harriersand bzw. die andere Weserseite in den Kopp gesetzt, und es hat auch geklappt, und es war eigentlich auch ganz schön, wenngleich streckenweise etwas diesig. ↓



↓ Blick nach Norden: Herbstliche Unterweser, Bremerhaven und Nordsee am Horizont.




↓ Spätestens auf dem Rückweg, als die Sonne aus dem Dunst eine Milchglasglocke schuf, wurde die zielgerichtete Hin&Her-Fliegerei ein klitzebisschen langweilig. Und um dann noch Abstecher links und rechts des Weges zu machen, dazu wurde es ein wenig zu frisch, und der Ruf der Natur kündigte sich bereits von Ferne an.




↓ Nicht, dass es nicht schöne Motive zu sehen gab, aber ...



... ich bleibe dabei: Low-'n-slow-Fliegerei, das ist lässiges Herumtändeln im Gartenstuhl am Himmel. Es ist nicht Streckenfliegen, dazu gibt es andere, geeignetere Flugzeuge. Zielorientierte Navigation kann ich auch, aber es ist meine Sache nicht. Starten, gegen den Wind rausfliegen, neugierig sein auf das, was einy begegnet, hinfliegen, anschauen, weiter ... 

Spazierengehen, nicht marschieren.