Liebes Tagebuch!
Heute habe ich gelernt: Die europäische Aufrüstung ist total wichtig! Aufrüstung ist so wichtig, man kann gar nicht genug aufrüsten. Die Russen kommen, das war schon immer so, die Amis gehen, das ist ganz schlimm. Kann auch sein, dass die Amis kommen, das wäre auch schlimm. Und der Iran und die Chinesen, die kommen auch! Alle zusammen! Hierher!
Deshalb müssen wir rüsten, kriegsbereit, kriegswillig, kriegsgeil werden, damit die Anderen sich gehörig in Acht nehmen und so weiter.
Aber:
Es bringt ja überhaupt nichts, die Muschkoten aller Völker gegeneinander aufzuhetzen, wenn niemand damit Profite erzielt. Kriege für Nichts zu führen, für irgendwelchen ethischen Schwachsinn, Freiheit, Demokratie, Mädchenschulen und Brunnenbau am Hindukusch usw., ist doch total blödsinnig, wenn niemand profitiert. Ich meine, niemand Wichtiges, also Konzerne, Superreiche, also richtige, wichtige Menschen.
Das haben jetzt auch die staatstragenden Rüstungsschmieden Dassault und Airbus festgestellt und ganz sachlich und logisch reagiert. Das Kampfjet-Projekt FCAS war so wichtig, dass von den Herrschenden in Frankreich, Deutschland und (ein bisschen) Spanien dafür 500 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wurden. Dann haben die beteiligten Konzerne aber ausgerechnet, dass niemand damit so richtig, richtig fett absahnen könnte, sondern alle nur so dreiviertel-fett, und plötzlich war das Problem mit den Russen, den Amis, den Chinesen und Iranern gar nicht mehr auf dem Zettel.
Niemand ist in Panik und / oder Existenzangst und / oder Verzweiflung versunken, da wir ja nun ab 2040 ohne FCAS, also praktisch nackt dastehen werden. Auch die Presseöffentlichkeit reagiert praktisch überhaupt nicht, nicht mal die Wirtschaftsportale, wohlwissend, dass die deutschen Konzerne dann eben anders gepampert werden. Wahrscheinlich springt nach dem Scheitern der Kooperation mit Frankreich noch viel mehr Kohle für Dassault und für Airbus Doitschland raus ...
Mich lässt diese Geschichte in einer kognitiven Dissonanz zurück:
Entweder FCAS war für unsere gemeinsame Verteidigung mega-wichtig, dann wären die 500 Milliarden Euro vielleicht zu rechtfertigen gewesen und das Scheitern des Projektes wäre hochproblematisch für alle Beteiligten.
Oder FCAS war militärstrategisch gar nicht wichtig (und die allseits lässigen und überhaupt nicht verzweifelten Reaktionen lassen darauf schließen), dann hat man uns also wieder mal belogen und betrogen und wollte nur den je eigenen Rüstungskonzernen den Arsch vergolden.
Was ist plausibler? Muss ich drüber nachdenken.
dann macht mich das total kriegsgeil!

















