- Unserer tägliche soziale Praxis lässt sich am umfassendsten und widerspruchsfrei beschreiben, indem wir die unbedingte, unbegrenzte und ungehemmte Profitgier des Individuums auf Kosten der Gemeinschaft als grundsätzliches, unhinterfragtes Dispositiv annehmen. Krankhaft übersteigerte individuelle Gier ist das einzig-gültige, anerkannte ethische Prinzip. Alle anderen Motive, wie z.B. Empathie, Solidarität, Umweltverantwortung, werden verdächtigt, aufrührerisch, zersetzend, gesellschaftsschädigend usw. zu sein.
- Da diese Praxis schon ziemlich lange zelebriert wird, sind einige Menschen, vielleicht 1 Prozent, superreich und damit supermächtig geworden, während der Rest, 99 Prozent, mehr oder weniger vor sich hinkrepelt, den Superreichen dient, noch reicher und mächtiger zu werden und sich mühselig von den Bröckchen nährt, die von den Tischen der Herrschenden fallen. An diese Ordnung der Welt haben wir uns so sehr gewöhnt, wie die Menschen im Zeitalter des Absolutismus es für gottgegeben und also unhinterfragbar hielten, dass Adel und Klerus absolute Macht über Leben und Tod (und darüberhinaus) ihrer Untergebenen hatten.
Klar soweit?
Gut! Dann reden wir nun über die Spritpreise, genauer: Über die Frage, wer überhaupt ein Interesse daran hat, dass die Spritpreise fallen.
- Die Konzerne haben daran kein Interesse, im Gegenteil, denn die verdienen sich mit den Übergewinnen direkt oder indirekt eine goldene Nase.
- Die Reichen haben auch kein Interesse an niedrigen Spritpreisen, denn denen ist's shyce-egal, ob der Sprit billig oder teuer ist, oder ob in der Folge der Energiepreise die Lebenshaltungskosten dramatisch erhöht werden oder nicht. Über Geld redet man nicht, Geld hat man.
- Den Mittelstands-Krampen, die breite Masse in Dottschlaand, tun die Spritpreise und die in der Folge steigenden allgemeinen Preise weh, denn sie müssen ihr Konsumverhalten einschränken. So eine Verhaltensänderung tut immer weh.
- Die Armen merken, dass sie nun noch ein bisschen ärmer werden, aber die sind das Leben an der Kante zum Existenzminimum gewohnt, was soll's.
Zusammengefasst: Von den herrschenden Klassen ist niemand negativ betroffen, warum sollte sich also etwas ändern? Außer den direkten und indirekten Übergewinnen durch die Krise entstehen, im Gegenteil, sogar ein paar knallharte Vorteile:
- Je weniger Leute sich den Sprit leisten können, desto freier die Straßen. Wenn der Pöbel sich das Autofahren nicht mehr leisten kann, hat man endlich mal wieder eine Chance, den Bugatti Chiron wenigstens ansatzweise auszufahren.
- Urlaub, Reisen, Gastronomie werden wieder zu exklusiven, das heißt: ausschließenden!, Genüssen. Es war ja nicht zum Aushalten, dass in den letzten Jahren immer mehr Emporkömmlinge aus dem oberen Mittelstand in den angesagten Locations auftauchten.
- Kunst, Kultur, Bildung, Theater, Museen, das muss und wird wieder unerschwinglich werden, damit nicht Krethi und Plethi das geheiligte Entre-nous versaubeuteln.
- Die blöden, naiven Mittelstands-Krampen werden in ihrem verzweifelt-naiven (und zum Scheitern verurteilten) Bemühen, ihren Standard zu halten, noch härter arbeiten, sich noch mehr für die Profitmaximierung der Superreichen prostituieren müssen.
- Alles, was klimaschädlich, energieverschwendend und sonstwie toxisch für die Umwelt ist, muss so teuer werden, dass nur die Superreichen sich leisten können, weiterhin und mehr denn je wie die größten anzunehmenden Pottsäue zu leben und zu konsumieren.
Den letzten Punkt finde ich besonders spannend. Hier sollten die dottschen Mittelstands-Krampen ihr Selbstmitleid zügeln: Wir, die reichen Industrialisierten, haben es immer schon für unser angestammtes Privileg gehalten, für unseren Lebenswandel die Ressourcen von mehr als 3 Planeten Erde zu verbrauchen, wohlwissend, dass, wenn alle Afrikanerys und Asiatys den selben Lebensstandard anstrebten oder gar erreichten, hier ganz plötzlich die Lichter ausgingen.
Verkneift Euch Euer Selbstmitleid. Der Mittelstand in seiner jetzigen Form wird verschwinden, verarmen und aussterben. Den freiwerdenden Raum werden die Superreichen besetzen, mit ihren SUVs, ihren Privat-Jets, ihren Gated-Area-Palästen, Hochpreis-Einzelhändlys und -Ressorts - und ihr werdet sie weiterhin aus der immer größer werdenden Entfernung bewundern.
Verkneift Euch Euer Selbstmitleid. Ihr hättet kämpfen können, aber dazu wart ihr zu dumm, zu faul, zu korrumpiert und vor allem: zu unsolidarisch.
Verkneift Euch Euer Selbstmitleid. Ihr habt die Arschlöcher gewählt.













