Freitag, 7. März 2025

L'esprit de l'escalier ...

 

... ist der geistreiche Gedanke, den man nach einer Diskussion leider erst beim Hinausgehen "auf der Treppe" hat. In diesem Sinne: Was Selenskiyji (oder wer auch immer) dem trampelnden Trump-Trampel hätte erwidern können, sollen, müssen:

  • "Ok, Trump, Du sagst ganz offen, dass Du eine Bezahlung für Deine Hilfe willst. Das ist eigentlich nichts Neues, die USA haben nie jemandem geholfen, ohne auf ihren eigenen Vorteil bedacht zu sein. Neu ist nur, dass das früher verdeckter, diskreter ausgehandelt und durchgeführt wurde. Was Du machst, Trump, ist, dass Du es aggressiv und öffentlich machst und Dich an der Macht noch mehr, noch narzisstischer aufgeilst als alle Deine Vorgänger."

  • "Was ein bisschen fies ist, das ist die Tatsache, dass uns eure Unterstützung zugesagt wurde, als wir sie so dringend brauchten und dass damals aber niemand über Preise gesprochen hat. Richtig ist, dass euch das jetzt in die Lage vesetzt, irgendeine Summe zu nennen, und wir müssen jede Kröte schlucken."

  • "Wo taucht in der Rechnung eigentlich die Leistung der ukrainischen Menschen auf? Es wurde doch immer gesagt, die Ukraine kämpfe für die sogenannte westliche Welt. Dürfen wir unsere menschlichen Opfer und materiellen Verluste auch in Rechnung stellen? Und wem sollen wir diese Rechnung dann schicken?"

  • "Ach, es gibt niemanden, der*dem wir eine Rechnung schicken können? Man hat uns nur als nützliche Idioten vorgeschickt, den Russen eins auszuwischen?"

  • "Wenn sich jetzt also herausstellt, dass das ganze westliche Geschwurbel von gemeinsamem Kampf gegen den Usurpator nur hohles Geschwafel war, dann wird das für die nächsten potentiellen Opfer (Taiwan?) hoffentlich eine Lehre sein."

  • "Wenn die 'Hilfe' des Westens nichts weiter als ein verkappter Kaufvertrag für westliches Equipment ist, wenn es also nicht um Ethik und hehre Ziele, sondern ausschließlich um Wucher-Profite geht, dann werden wir vor dem nächsten Krieg erstmal Vergleichsangebote von den anderen Supermacht-Anbietern, von Russland und der VR China einholen. In puncto Profitgeilheit ist einer so gut wie der andere und Konkurrenz belebt das Geschäft."


Treppe in der Sagrada Familia, nachbearbeitetes Foto von 2010









Mittwoch, 5. März 2025

Beeindruckende Einzelleistung

 

Die Doku "Y-Kollektiv: Frau auf'm Bau" berichtet über vier bemerkenswerte Beispiele von Frauen, die im Baugewerbe tätig sind, eine Maurerin, eine Zimmerei-Azubi, eine Straßenbauerin und eine Hausbauerin. Schwerpunkt sind natürlich die Sexismus¹-Erfahrungen und mögliche Gegenstrategien in einer männerdominierten Welt. Rezeption ist unbedingt empfohlen. 

Eine der wichtigsten Szenen ist für mich jene, in der Frieda, die Zimmerei-Auszubildende, bei sommerlichen  Außenarbeiten bei 34 °C im Schatten sich dazu durchringt, ihre männlichen Gesellen / Kollegen zu fragen, ob es für diese ok wäre, wenn sie, die Azubine, ebenfalls ihr T-Shirt auszöge und mit bloßem Oberkörper arbeitete - was die Männer natürlich längst machten. Problemlose Zustimmung. (ab 12:30) ²

Bemerkenswert daran sind folgende Punkte:

  1. Frieda benötigt zur Begründung ihres Verhaltens keinen theoretischen Überbau. Sie denkt nur mit großem Ernst und einfacher, eigener Vernunft. Kant lässt grüßen.
  2. Sie lässt sich - im Gegensatz zur Reporterin - nicht von tradierten Sozialnormen davon abhalten, das als richtig Erkannte durchzuziehen.
  3. Bei der Umsetzung ist sie nicht offensiv, sondern freundlich und wertschätzend. Sie fragt höflich, ob es für ihre Kollegen ok sei, wenn sie das T-Shirt auszöge.³ 
  4. Die Reaktion des einen Gesellen lautet sinngemäß, es sei letztlich alles Erziehungssache, eine andere Normalität sei denkbar, wünschenswert und zu erwarten.

ad 1.) Wir quatschen zu viel und tun zu wenig. Ich wünsche mir weniger Geschwurbel und mehr mutige Menschen wie Frieda, die ein neues aufklärerisches Ideal vorleben. Theoretische Überlegung ist nur ein Vorprodukt, individuelle Praxis das einzig Wirksame. Der Normenverstoß, der Tabubruch, den sie begeht, ist keine Lappalie, und sie unternimmt ihn, ohne dass eine Partei, ein Verband o.ä. hinter ihr steht. Sie handelt als Individuum, das über Vernunft verfügt und diese einsetzt. Mehr Ehre geht nicht. 

ad 2.) Sexismus ist ein Konstrukt. Von Menschen gemacht, von Menschen veränderbar.

ad 3.) Ich kritisiere Feministys, die universell konfrontativ / aggressiv und blind auf Männer eindreschen.⁴ Das kostet der Sache unfassbar viel Kraft, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern. 

ad 4.) Es ist eine drastische Herabwürdigung und außerordentlich dumm und falsch, anzunehmen, Männer würden beim Anblick eines Fitzelchens weiblicher Körperlichkeit zu sabbernden Triebwesen werden. Beweis: Gruppen, in denen eine weitgehende Nacktheit Alltag ist. Korrekt ist allerdings die Beobachtung, dass in viel zu vielen sich als "zivilisiert" verstehenden Kulturen im Schema der Männerrolle das sabbernde Triebwesen quasi normativ erwartet wird, sobald weibliche Haut sichtbar wird.

Im Zusammenhang mit letztgenanntem Punkt erinnere ich interessante, aber auf Dauer nervige Diskussionen um Kleiderordnungen in Schulen. Die Sache ist ganz einfach: Mädchen müssen nicht lernen, dass nabelfreie Shirts inakzeptabel sind. Stattdessen müssen Jungs lernen, dass die sexistische, spießige Kackscheiße in ihrem Kopf inakzeptabel und nur anerzogen ist ...

... von Leuten, die in einem Universum aus spießiger Kackscheiße wohnen, und die Götter dieses Universums sind alte Männer, die ihren Untergebenen Triebverzicht befehlen, um letztlich daraus Macht schöpfen, und diese Macht ist ihnen viel wichtiger als Vernunft oder das Leben und das Glück von Milliarden Menschen.

Kurz: Jungs werden künstlich dazu erzogen, zu sabbern, wenn sie Mädchenkörper sehen, und daraufhin werden Mädchen dazu erzogen, ihren Körper zu verbergen. Was für ein krankes System⁵.

Wir brauchen ganz dringend mehr Menschen wie Frieda.



(Still aus "Frau auf'm Bau" - stark verändert via ardmediathek)





¹ Sexismus hier nicht nur verstanden im Sinne körperlicher und verbaler Übergriffe, sondern auch als viel allgemeinerer Geschlechter-Diskriminierung.

² Oh bitte! Beleidigt nicht meinen Intellekt mit der Unterstellung, es ginge mir um die nackten weiblichen Brüste (die im Dreh übrigens nicht gezeigt werden.)

³ Spannende Frage, was Frieda im Falle einer Ablehnung gemacht hätte.

⁴ Jaaa, viele zu viele Frauen werden ihre Gründe aufgrund von Erfahrungen haben. Und, nein, als Mann kann ich das gar nicht richtig abschätzen. Aber die Aussage, alle Männer seine Vergewaltiger ist etwa so hilfreich wie die Aussage, alle Migranten seien Messerstecher.

⁵ ... an dessen Ende das entblößte weibliche Fußgelenk Männer in Ohnmacht fallen lässt und, schlimmer, Burka und Genitalverstümmelung vorgeschrieben werden.







Montag, 3. März 2025

Die "Loyalität" des Kapitals

 

Au weia, da muss man ein ganz abseitiges Buch lesen, um in einer Nebenbemerkung zu finden, was im Ukraine-Krieg von Anfang an falsch gelaufen ist. In der überhaupt nicht lustig gemeinten Analyse "Das Militär in der Karikatur"; München; 1982, S. 70, schreibt F. W. Seidler über die Unterstützung Englands durch die USA im Ersten Weltkrieg:

"... der amerikanisch-britische Waffenhandel, der der anfangs auf privater Basis durchgeführt worden war, hatte nunmehr (...) einen solchen Umfang angenommen, daß sich zu seiner Finanzierung die Federal Reserve Bank durch Rediskontierung privater und ausländischer Regierungswechsel bereit erklärte (...) Da die US-Regierung befürchtete, daß bei einer britischen Niederlage die englischen Schulden verfallen würden, war sie zur Unterstützung der Engländer auf Gedeih und Verderb angewiesen."

Was lernen wir daraus? Was hat die Ukraine, hat Selenskyji im Gegensatz zu den Briten im Ersten Weltkrieg von Anfang an falsch gemacht?

Sie haben sich auf billige Loyalitäts-Erklärungen der Amis verlassen! Himmelherrgott, wo leben wir denn? Wir leben in einem durch & durch kapitalistischen System! Wo, bitteschön, ist da Platz für Loyalitäts-Geschwurbel? Es geht, wieoftsollmanesnochsagen, im Kapitalismus ausschließlich um Profit!

Was also hätte die Ukraine gleich beim Einmarsch der Russen im Frühjahr '22  machen müssen? Einen Kreditvertrag mit den Amis abschließen! Und zwar nicht zu knapp! Gleich 500 Milliarden USD auf einen Schlag, und damit's profitabel ist, gerne mit 4,1 % p.a., zahlbar ab Kriegsende. 

Wenn die Ukrainys das geschafft hätten, DANN hätten sie die ewige, tabulose Unterstützung der Amis gehabt. DANN hätte auch niemand daran gezweifelt, dass die Ukraine gewinnen MUSS und dass Selenskyji der One-and-only-alltime-best-friend-for-life der Amis ist. Denn falls die Ukraine verlöre und / oder Selenskyji gestürzt würde und /oder nur noch ein totes Ruinenfeld übrig bliebe, würden die Amis Geld verlieren, und das ist nun mal kategorisch ausgeschlossen. 

Die Lösung wäre sooo einfach gewesen!


(US-Soldaten während des Ersten Weltkrieges
 - verändert via wiki commons)

Die kleinen Muschkoten kämpfen mit großer Hingabe,
weil sie wissen, dass es um den Profit ihrer Milliardäre geht.








Samstag, 1. März 2025

Ende des Selbstbetruges

 

Zugegeben, die Trump/Vance-Nummer und wie sie mit dem armen Selenskijy umgesprungen sind, war eine Überraschung, eine sehr unerfreuliche, verstörende. Aber eigentlich hat das alles seine Richtigkeit und innere Logik.

Man muss nur alle Illusionen über Menschen und Staaten beiseite lassen und begreifen:

  1. "Die USA haben keine Freunde oder Feinde, nur Interessen." (Kissinger, Henry)

  2. Es geht immer (!) nur um Macht bzw. Geld.
Schaut man vorurteilsfrei hin, stellt man fest, dass das spätestens seit dem nordamerikanischen Bürgerkrieg nie anders war.¹ Das Problem sind also NICHT die Amis. Das Problem war und ist unser Selbstbetrug über die Motive der Amis.

Mit "uns" meine ich in diesem Fall Europa im Allgemeinen und Doitschland im ganz Besonderen. Ich glaube, die Afrikanys und Asiatys haben da seit jeher eine realistischere Einstellung. Die haben ja auch mehr Übung darin, von diesem oder jenem größenwahnsinnigen Imperium ganz offen und brutal unterdrückt zu werden. 

Wir konnten uns im schönen transatlantischen Traum wiegen, solange niemand uns so trumpisch unsanft und offen auf die Tatsache hinwies, wie abhängig wir in Wirklichkeit sind. Wenn die Ketten in rosa Watte gewickelt sind, erträgt man sie ja auch viel länger.



Titel des Bildes:
Aus Nettigkeit? Am Arsch!

Untertitel:
Zeit aus dem Drogenrausch zu erwachen.
Ernüchtert und verkatert.







¹ Die zeitliche Einschränkung mache ich nur, weil ich für die Zeit davor keine sichere Datenlage habe.







Freitag, 28. Februar 2025

Trollzeichen!


"Wat is e 'kognitive Dissonanz'? Da stelle mer uns janz dumm und sarjen: E 'kognitive Dissonanz', dat is' wenn zwei janz widersprüchliche Wahrnehmungen in einem Koppe zusammenstoßen."


Erinnert sich noch jemand daran, was in den sogenannten sozialen Netzwerken vor einem Vierteljahr, einem halben Jahr oder auch vor zwei Jahren los war, wenn jemand öffentlich darüber nachdachte, ob der Krieg der Ukraine gegen den Aggressor Russland wirklich auf dem Schlachtfeld zu entscheiden sei und ob es im Hinblick auf das unfassbare Leid der nicht-mächtigen Menschen auf beiden Seiten nicht auch (!) geboten sei, schnellstmöglich diplomatische Kanäle zu aktivieren?

Ich will diese Diskussion nicht inhaltlich nochmal führen, denn mir geht's nur um die Form der Reaktionen. Hass? Blanker, abgrundtiefer, höllischer Hass? Verleumdung? Blutrausch? Beleidigungen, Wut, noch mehr Beleidigungen, Faschismus-Vorwürfe, Vorwürfe der Feigheit, des Opportunismus', bla bla, bla. 

Ich will auch das nicht im Einzelnen auseinanderdröseln, viel wichtiger ist die Frage: Wo sind diese Lautsprecherys eigentlich geblieben, jetzt, da Trump direkt mit Putin verhandelt (!), über die Köpfe der Ukrainerys und Europäerys hinweg. Was sagen die Hasserfüllten zu Trumps offener Erpressung, die Ukraine müsse 500 Milliarden Dollar in Form von Rohstoffen liefern?

Ganz ehrlich: Ich höre nix. Ich lese fast nix. Kaum eine Klage, außer hier und da mal ein wenig journalistisches Luftschnappen.

Meine kognitve Dissonanz: Die irrwitzige Differenz in den Reaktionen.

"Kognitive Dissonanz motiviert Personen, die entsprechenden Kognitionen miteinander vereinbar zu machen ...", sagt wikipedia.

Begeben wir uns also auf die Suche nach möglichen Erklärungen:

  1. Quod licet Iovi, non licet bovi, z. dt.: Was dem Jupiter erlaubt, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Ob eine Handlung gut oder schlecht ist, hängt vom Status der Handelnden ab. Wenn Trump etwas tut, ist das gut & richtig, denn er ist reich und mächtig. Wenn ich dasselbe tue, ist das böse & falsch, denn ich bin (vergleichsweise) arm und ohnmächtig. Die Logik überzeugt mich nicht, aber das liegt vermutlich an mir.
  2. Die Arschlöcher, die seinerzeit jene niedergeschrieen haben, die für Friedensverhandlungen waren, waren und sind gekaufte Trolle.
  3. Die Arschlöcher, die seinerzeit jene niedergeschrieen haben, die für Friedensverhandlungen waren, haben mit den Wölfen (hier: den gekauften Trollen) geheult, weil das gerade en vogue war und weil arme Würstchen nichts mehr herbeisehnen als das Gefühl, Teil einer erfolgreichen Brüller-Gruppe zu sein.
  4. Die Arschlöcher, die seinerzeit jene niedergeschrieen haben, die für Friedensverhandlungen waren, haben eine tiefsitzende, prinzipielle Lust, andere niederzuschreien. Sie würden auch für Flat-earth, für und gegen Kommunismus, für und gegen Kapitalismus, FDGO, Gewerkschaften usw. usw. brüllen, weil ihnen das die Aufmerksamkeit verschafft, nach der sie sich im tiefsten Innern so sehr sehnen.
  5. Die Arschlöcher, die seinerzeit jene niedergeschrieen haben, die für Friedensverhandlungen waren, sind im richtigen Leben ganz arme Loser-Würstchen, die nichts zu sagen haben und sich freuen, in den Asozialen Netzen einen Ort gefunden zu haben, an dem sie mal konsequenzenfrei rumschreien und auf anderen rumhacken können.

Bäääh, das sind ja allesamt nicht so schöne Optionen, aber andere fallen mir nicht ein.. Und gewiss gibt es zwischen den Punkten auch Überschneidungen. Schön wäre, wenn die Brüller¹ von neulich jetzt auch mal auf den Mächtigen rumhackten. Oder wenn sie einen inhaltlichen Fehler eingestünden. Oder sich für den Kack-Ton entschuldigten. Mit nichts davon ist zu rechnen.

Erlauben diese Überlegungen ein Fazit? Ja:

  • Die Asozialen Netze sind als Ort des Meinungsaustausches völlig verdorben und unbrauchbar. Schade, wir hatten uns einst so viel Gutes davon versprochen. 
  • Du kannst Trolle ganz leicht daran erkennen, dass sie bei den inhaltlichen Hotspots solange Hass und Häme verteilen, bis der Wind sich dreht. 
  • Es ist äußerst erschreckend, mitanzusehen, wie leicht sich die Massen manipulieren lassen. Es wäre einfach nur erbärmlich, wenn es nicht so gefährlich wäre. Mein Vertrauen in die Menschheit ist unter Null. 


"Wat-is-e-Dampfmaschin-"Bömmel, Feuerzangenbowle, 1944








¹ Warum habe ich an dieser Stelle gar nicht das Bedürfnis zu gendern?










Mittwoch, 26. Februar 2025

Trotzflug

 

Gestern wollte ich Fliege-Saison eröffnen, doch im allerletzten Moment machte die Batterie die Grätsche und ich bekam den Motor nicht am Rennen. 

Heute, nach Einbau einer sauteuren Ersatzbatterie, lief alles wie am Schnürchen, nur die Außentemperatur betrug unangenehme 8 °C, nach gestrigen auch nicht gerade üppigen 13 °C.¹

Allerdings war ich fest entschlossen, mir das egal sein zu lassen. Fliegen ist kein Vergnügen, es ist eine Attacke. Nach über zwei Monaten Abstinenz ist der Toleranzbereich in puncto Außenbedinungen erheblich ausgeleiert. Ich würde nichts Riskantes oder gar Verbotenes machen, aber bloße Comfort-Zonen haben in dieser Gefühlslage dauerhaft keine Chance.



War jetzt auch nicht sooo toll, wenngleich die Ausblicke immer wieder interessant sind, selbst im noch-gar-nicht-bunten Vorfrühling.



Mir war's ein Bedürfnis, als erstes die altbekannten Ecken abzufliegen, vergleichbar mit einem Hund, der nach längerer Absenz erstmal alle Pinkelecken seines Reviers abstreunt. Hier die Mündung der Hunte in die Weser, im Dunst nur schlecht erkennbar. 

Ich liebe es immer noch, aus der low-and-slow-Perspektive Strukturen zu entdecken, die Du von unten einfach nicht siehst. Hier eine wohlaufgeräumte Anlage zur Sandgewinnung. Man spürt, dass hier ein übergeordneter Geist waltet.²  








¹Falls irgendwelche Klimaleugnerys meinen, die Werte, mit denen die Wissenschaftlerys operierten, diese plus 1,5 oder 2 °C, seien doch Pippifax, möge sich die Temperaturdifferenz in einem offenen Cockpit antun. 

² Das ist jetzt überhaupt nicht religiös gemeint. Ich meine nur, dass hier ein paar Leute sichtlich einen Plan umgesetzt haben.





Dienstag, 25. Februar 2025

Impressionen aus der Weltpolitik

 

Soso, Merz lädt schon mal den mutmaßlichen Kriegsverbrecher Netanjahu zum Staatsbesuch ein, obwohl gegen N. ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes vorliegt. Wir fragen uns, was das soll, und die einzig plausible Antwort ist, dass Merz von einer inneren Stimme angetrieben wird, die da sagt "Oooh jaaa ... sei ein böser Junge, Fritze ... mach' mir den Orban .... mach' mir den Trump ... jaaa, so isses gut ... zeig's mir ... was für ein knallharter Typ du bist ... du kannst auch internationales Recht brechen ... jaaa, du bist so mutig, so stark, bist mein Held ... Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind doch kein Grund  ... aaaah, jaaa ...  mach' weiter so ... usw. usw."

And now for Something completely different:

Was mich furchtbar ärgert, ist, dass Trump mit seiner Scheiß-Art aktuell absehbar zumindest auf einen Erfolg zusteuert, das Ende der bewaffneten Auseinandersetzung im Ukraine-Krieg. Wenn ich den Fokus ganz bewusst einenge auf das Leiden der ukrainischen und russischen Menschen - und das ist ja kein unbedeutender Aspekt - und wenn ich weiterhin definiere, dass Minderung menschlichen Leids etwas Gutes ist und Vermehrung menschlichen Leids etwas Schlechtes, dann ist das, was Putin und Trump da zelebrieren, erfolgreiches, gutes Tun. 

In jeder anderen Hinsicht ist es natürlich eine Riesen-Schweinerei, aber erkläre das mal einem jungen Soldaten, der jetzt gerade, in diesem Moment, da Du das hier liest, auf eine Anti-Personen-Mine tritt, von einer Mini-Drohne zerfleischt wird oder ... oder ... oder. 

Wie auch immer die Sache ausgeht, wir Europäys stehen da, wie die letzten Dullies: Erst haben wir den Ukraine-Krieg auf Anweisung der Amis bis zur Belastungsgrenze unserer Haushalte befeuert, dann machen die Amis eine Kehrtwende, paktieren mit den Russen, krallen sich die Bodenschätze als legitime Beute, und wir stehen nicht nur mit Nichts da, sondern mit Milliarden-Verlusten, haben uns auf die Knochen blamiert, als ewig-devote US-Lakaien, Kriegstreiber und Spät-Merker. 

Ich wünschte, Deutschland hätte eine andere Politik verfolgt, als immer nur blindlings die zunehmend unrealistschen Maximalziele Washingtons und Kiyjews zu befeuern. Ich habe es immer schon gehasst, dass wir es Anfang 2024 einem Arschloch wie Orban überlassen haben, die sehr berechtigte Frage zu stellen, ob die Lösung des Ukraine-Krieges wirklich nur auf dem Schlachtfeld zu suchen sei. 

Können wir bei weiteren Konflikten bitte frühzeitig danach fragen, wie das Leid der einfachen Leute zu minimieren sei, statt immer nur zu fragen, was die Herrschenden¹ in den U.S, in Russland und in China für opportun halten? Da selbst die doitschen Grünen in ihrem oliv-grünen, blutigen Machtrausch diesen Aspekt längst aus den Augen verloren haben: Man nannte das früher "ethischer Aspekt". Dringend mal googeln. 

Leider entsteht durch Trumps Gehabe gerade der Eindruck, dass nur hemmungslose ökonomische Gier, die unbedingte, ungehemmte Sucht nach Profit (hier: aus dem Abbau Seltener Erden und fossiler Energieträger) zufällig zu Ergebnissen führen, die auch für die Menschen ganz unten in der Aufmerksamkeits-Hierarchie Gutes bewirken. 

Ist Kapitalismus doch die Lösung? Kann doch nicht sein, oder?


(verändert via wiki commons)
Könnte irgendjemand ihm*ihr nochmal erklären, dass ein apper Arm zwar echt blöd ist, dass man aber Staatsführer A nicht damit durchkommen lassen dürfe, Staatsführer B ein Unrecht angetan zu haben. Muss aber eine gute Erklärung sein, eine, die einen Arm wert ist. Hätte die abgebildete Person, falls man sie vorher gefragt hätte, gesagt, sie würde ihren rechten Arm dafür hergeben, besagtes Unrecht zu rächen? Oder ihr Leben? Oder hunderttausende von Leben?





¹ Gemeint sind natürlich die Protagonisty der Konzerne. Die Politikys sind nur Marionetten. Immer. Überall. 





Montag, 24. Februar 2025

BTW-Nachlese: Nur dreiviertel so schlimm.

 

Dy kritische Bürgery kann weder mit dem Wahlergebnis noch mit den voraussichtlichen Konsequenzen zu Frieden sein. Aber.

Im Großen und Ganzen haben wir Demokratie am Werk gesehen, und das ist gut so!

  • Die Verlogenheit und Taktiererei der FDP sowie ihr ausschließlicher Einsatz für das Wohl der Konzerne hat zur Folge, dass die Partei einstweilen von den Hebeln der Macht entfernt wurde. Gut so.
  • Die Linken haben sich erfolgreich umgebaut und das ist honoriert worden. Mein negatives Rumgeunke, da seien nur noch traurige Ruinen, ist widerlegt, und niemand ist glücklicher darüber als ich. (Ehrlich, echt jetzt!) Gut so.
  • Die Sozis haben jetzt ein bisschen Zeit, um Sozialdemokratie neu zu entdecken und einzuüben. Das Wahlergebnis bietet ihnen genug Handhabe, die personalen Altlasten loszuwerden, die bislang quotenhalber mitgeschleift und die wider besseres Wissen mit hochrangigen Posten ausgestattet wurden. Gut so.
  • Das BSW hat nur S.W. und sonst nix: kein Programm, keine Leute. Das scheint den Wählerys auf Dauer nicht gereicht zu haben. Gut so.
  • Die Grünen haben nur eine leichte Klatsche bekommen, obwohl sie sich in ihrem machtgeilen und puddinghaften Kompromiss-Gejösel und ihrer angestrengten Kriegstreiberei bis zur Unkenntlichkeit von sich selbst entfernt haben. Wahrscheinlich hatte das Wahlvolk irgendwie das (überaus zutreffende) Gefühl, das Klima-Thema gerate wohl doch ein bisschen zu sehr  ins Hintertreffen, dann wenigstens bürgerlich-grün wählen, um das Gewissen zu beruhigen. Hm.
  • Die CSU hat sich schon zu Zeiten F.J.S.' von politischer Leistung emanzipiert und wird gewählt,  weil Bayerys die Nummer mit der Demokratie nie richtig verstanden haben. Hm.
  • Die CDU hat wie immer von Leuten profitiert, die nicht verstanden haben, dass man nicht unpolitisch sein kann und die ihre Ruhe und möglichst keine Veränderung haben wollen. Das nennt man konservativ. Ich kann's nicht belegen, bin aber mir aber ziemlich sicher, dass die CDU nicht wegen, sondern trotz Merz gewählt wurde. Hätte Merkel kandidiert, schrammte die CDU wahrscheinlich knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Mein Vater hat bis zum Schluss 2019 immer nur CDU gewählt, meinte aber eigentlich immer nur Helmut Kohl (1982 - 1998). Hm.
  • Volt, meine Lieblingspartei, irgendwo unter "ferner liefen". Ich registrierte mit Interesse, wie sehr Linke und Grüne auf Volt rumhackten. "Wenn Deine wahren Feinde zu stark sind, such' Dir schwächere Feinde." (Eco) Wenn Volt in den nächsten Jahren an Stärke und Einfluss zulegt, werden die Großmächte, die schon jetzt nach Kräften ein geeintes Europa sabotieren (USA, Russland, China) mächtige Gegner sein. Hm.
  • Apropos "Feinde Europas". Kommen wir zum Schluss zur AfD. Faschismus und Hochverrat gehen ja in der europäischen Geschichte oft Hand in Hand. Warum die Wählerys kein Problem damit haben, eine Partei zu wählen, die sowohl von der Trump-Junta als auch von Putin als auch von den Chinesen gepampert wird, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Klar ist: Ein Fünftel der Doitschen sind so stumpf, dass sie nicht kapiert haben, was Demokratie ist und will. Man sollte niemandem seine*ihre Dummheit vorwerfen, aber wir sollten feststellen, dass wir hier in Sachen politischer Bildung nacharbeiten müssen. Mist!
    Ein AfD-Verbot ist überfällig. Nicht, um die Partei mundtot zu machen, sondern um zu zeigen, dass ihre unmenschliche Politik eben nicht salonfähig und nicht normal ist. Außerdem muss man dringend den Amis das Maul stopfen, die meinen, Europa zerlegen zu können, indem sie die Populisten unterstützen.

Vier Mal das Prädikat "Gut so." Vier Mal "Hm." Ein Mal "Mist!"

Katastrophalere Szenarien waren vorstellbar. Ich weiß nicht, ob dieser Gedanke tröstlich ist.


(verändert via wiki commons)

"Wenn zwei sich einig sind, ist alles möglich."
"Ja, das ist zu befürchten."






Sonntag, 23. Februar 2025

Alt-Sein - eine ganz neue Erfahrung! Teil 6: Sorgfalt bei der Auswahl der Konflikte

 (Diesen Text habe ich am 22.02.2025, einen Tag VOR der BTW 25 geschrieben.)

Ob Schule, Pfadfinder, Bundeswehr, Studium, erster relevanter Job, zweiter relevanter Job, was auch immer: Bei allen Tätigkeiten kann ich fünf Phasen unterscheiden:

  1. Einstieg und erste Begeisterung
  2. Engagierte Tätigkeit
  3. Routinierte Tätigkeit, ggfs. mählicher Aufstieg
  4. Erkennen der höheren internen Strukturen, der Friktionen, Widersprüchlichkeiten und absehbaren Bruchlinien
  5. Teils jahrelanger Kampf, schließlich Ausstieg

Volt ist für mich immer noch die Partei erster Wahl, und ich bin sicher, dass die internen Prozesse bei Volt wesentlich besser als anderswo sind. Und ich durfte viele liebenswerte Menschen kennenlernen, viel lernen und interessante Erfahrungen machen. Aber ich sah, während ich noch in Phase 2 meiner Mitgliedschaft war, Phase 4 am Horizont auftauchen. 

Und diesmal gönnte ich mir den ungeheuren Luxus, zu sagen, dass ich echt zu alt für so'n Shyz bin und erklärte meinen Austritt. Zwar würde die körperliche oder psychische Belastbarkeit das noch hergeben, dass ich mich der guten, lohnenswerten Sache wegen erneut voll ins Getümmel würfe, aber ich mag einfach nicht mehr. Die Fliegesaison beginnt wieder, ein paar Städtetouren wollen geplant sein, der Garten erheischt ein Minimum an Aufmerksamkeit, und die Begrenztheit meiner Restlaufzeit wird bewusster und macht Zeit zu einer immer wertvolleren Ressource.


(stark verändert via wiki commons)
Wilson-Stadien

… But just as I thought it was going alright
I find out I'm wrong when I thought I was right
It's always the same, it's just a shame, that's all.
(Genesis, 1983)







Mittwoch, 19. Februar 2025

Wieder nur der nützliche Idiot


Na toll, jetzt ist es wieder passiert: Ich halte mich für so einen restlos abgeklärten, zynischen Drecksack und erlaubte mir sogar vor Monaten entsprechend ätzende Prophezeiungen über die wahrscheinlichen Resultate des Ukraine-Krieges, und dann kommt die Realität und stellt sich als noch viel zynischer und fieser dar, als ich je vermutet hätte. Und ich stelle wieder mal fest, dass ich, verglichen mit der Welt, ein naives, dummes Küken bin.

Ich war ja beim Ukraine-Krieg bekanntlich nicht nur nicht mit Russlands Handeln einverstanden, sondern hatte auch manche - wie ich nach wie vor finde - berechtigte Bedenken, was ukrainisches und westliches Gebaren betrifft. Dass aber jetzt die Amis eine 180°-Wendung machen, mit den Russen paktieren, die Ukraine schlachten, die Beute einvernehmlich miteinander teilen und die West-Europäys völlig vor der Tür stehen lassen ... macht sprachlos.

Wie beschissen müssen sich die Ukrainys fühlen? Wie beschissen die wohlmeinenden Westlerys, die glaubten, in der Ukraine würden Ideale, europäische Ideale zum Beispiel, vorneverteidigt werden? Das war und ist alles Lug und Betrug, wir waren immer und sind nichts weiter als nützliche Idioten in einem perversen¹ Machtspiel . 


(aus Brehms Tierleben, verändert via wiki commons)

Mich interessiert jetzt nur noch, wie viele doitsche Wählerys bei der BTW nächsten Sonntag für die AfD stimmen werden, also für jene Nazi-Partei, die unsere Verfassung zerstören und Europa beerdigen will und die deshalb sowohl von den Trumpisten als auch von den Russen gepampert wird. 


(aktueller AfD-Flyer - verändert via wiki commons)
Die richtige Beleuchtung - sooo wichtig!

Das ist auch neu, dass Faschisten in internationaler Verbundenheit ihre jeweiligen Länder verraten und nicht jedes einzelne Land, sondern ganz Europa den Amis und Russen zum Fraß vorwerfen. Nannte man das früher nicht "Hochverrat"?

Für alle Nicht-Faschos, Normalos und Vernunftys: Lasst uns Europa stark machen! Dringend!







¹ =sinnverdrehten