Montag, 27. September 2021

Nach-Wahl-Beobachtung

 

Es gab mal eine Partei, die gewann bei einer Bundestagswahl 5,8 % der Wähler*innen-Stimmen hinzu und insgesamt 14,8 %. Die Böberschten dieser Partei sagten am Wahlabend ganz ehrlich und etwas zerknirscht, dass sie sich zwar über das Ergebnis freuten, aber eigentlich mehr erhofft hatten.

Dann gab es eine Partei, die verlor bei eben dieser Bundestagswahl 2,3 % der Wähler*innen-Stimmen und verschlechterte ihr Ergebnis somit auf 10,3 %. Die Böberschten dieser Partei sagten am Wahlabend, dass ein Ergebnis von MINUS 2,3 % aber eigentlich bedeute, man habe Stimmen dazugewonnen, und man sei sehr zufrieden und glücklich darüber. 




Die riesigen Vorteile einer taktischen Frontverkürzung haben die geistigen Väter letztgenannter Partei schon vor Stalingrad kennen und lieben gelernt ...



 

 






... aber irgendwie scheint mir die Analogie falsch ....


... Ah! Jetzt stimmt's! 


(alle Bilder verändert via wiki commons)



Samstag, 25. September 2021

Offener Brief an alle FFF-affinen Menschen


Ihr Lieben!

Der Kommunikationshygiene wegen sollten wir in der Klimadebatte inclusive der Frage nach der Legitimität der Schulstreiks dringend die Rollenmodelle klären.

Erstens:

  • Ihr seid jung, d.h. geistig noch nicht unrettbar festgefahren.
  • Ihr seid verhältnismäßig gut ausgebildet, gut genug jedenfalls, um die wissenschaftlichen Fakten und deren Bedeutung für Euer zukünftiges Leben zu verstehen.
  • Ihr werdet, da Ihr jung seid, unter den menschen-unwürdigen Lebensbedingungen einer zerstörten Umwelt wesentlich länger und intensiver leiden als die alten Säcke, die Euch das eingebrockt haben, die aber abgetreten sein werden, wenn es für Euch dann wirklich ungemütlich wird.

Zweitens:

  • Die derzeitigen Macht-Haber, meine Kohorte, sind (in der Summe) alt, arrogant, selbstzufrieden, faul und bequem.
  • Wir wissen zwar genau so gut wie Ihr, dass wir unseren nachfolgenden Generationen, Euch,  eine kaputte, verdreckte und sehr problematische Umwelt voller ungerechter und eigentlich völlig unnötiger Verteilungskämpfe hinterlassen werden, aber das interessiert uns offenbar nicht genug, um deshalb unseren Lebensstil ändern zu wollen oder zu können. 

Schlussfolgerung:

Fragt, Ihr FFF-Teens, bitte nie, nie wieder uns alte Säcke, ob wir mit Euren Protesten einverstanden sind! Nein, sind wir natürlich nicht - denn was für eine unfassbare Schizophrenie, was für eine hirnzerfetzende Verlogenheit würden wir damit eingestehen? Und was für eine erbärmliche Selbstaussage wäre das eurerseits: "Wir finden anthropogenen Klimawandel irgendwie nicht so gut, aber wir wollen auch keinen Ärger mit den Verantwortlichen."? Äh ... dann lasst es besser ganz, denn außer Häme, Verachtung und bestenfalls Fremdscham werdet Ihr nichts erreichen, wenn Ihr um unser Einverständnis für Eure Proteste bettelt.

Und werdet misstrauisch, wenn die Reaktion auf Eure Proteste unsererseits so moderat ausfällt, wie die derzeitige höflich-hüstelnde Kritik an den Schulstreiks. Zwar müssen Eure Methoden um jeden Preis (!!!) gewaltfrei bleiben, aber solange das Establishment nicht deutlich spürbar leidet, werden wir, die saturierten Mittelstandskrampen, nichts ändern. 

Wie das geht? Heee, das darf ich nicht verraten, ich stehe doch auf der anderen Seite ...

Na gut: Konsumverzicht, Minimalismus, Boykott. 




(verändert via wiki commons)






Sonntag, 19. September 2021

Grenzbedingungen des Netzes


"Crises" von Michael Altfeld enthält die Verse "The watcher and the tower / waiting hour / for hour", die mir partout nicht aus dem Kopf gehen wollen. Habe drum im Netz der Netze nach möglicher Bedeutung gesucht, doch bei 56.000 Treffern war da nur eine website, auf der der Meister beiläufig mit der labberig-lapidaren Aussage, er sei der "watcher" und die Musik der "tower" zitiert wird.

Ich hatte mehr erwartet. Auseinandersetzung, Diskurs, Fragehaltungen, Hypothesen, Analysen. Nichts dergleichen.  

Der Fehler liegt bei mir. Das Netz der Netze ist nicht dafür gemacht, Bedeutung zu haben oder sie zu kommunizieren. Es ist dafür gemacht, uns mit Inhalten dichtzuballern. Die intellektuelle Leistung der Auswahl und  Kontextualisierung müssen wir nach wie vor selbst erbringen. Die Folge: Durch das I-net werden die Schlauen schlauer, die Dummen dümmer und die Beeinflussbaren noch wehrloser.




"Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen 
und es klingt hohl, 
ist das allemal im Buch?"
Lichtenberg








(stark verändert via guardian.com; 19.09.2021)
Bei der allmorgendlichen Durchsicht der Online-Portale 
lasse ich aus Bequemlichkeit gerne Übersetzer mitlaufen. 
Deren Leistungen werden insgesamt (!) immer besser.









Samstag, 11. September 2021

Gedanken zur Weltherrschaft

Lese gerade die aktuelle Diplo. Lese Analysen zum desaströsen Versagen der Hegemonen im Afghanistan-Desaster, dann Analysen zum globalen Finanzmarkt, zu Diesem und zu Jenem. Was mir auffällt: Da passiert so viel Schwachsinn, so viel persönliches und institutionelles Versagen, so viel Lächerliches, Erbärmliches und Verabscheuungswürdiges. Und das Ganze ist garniert mit so viel Zufälligem und Unvorhersehbarem.

Ich kann angesichts dessen unmöglich die Grundannahme der Verschwörungstheoretiker teilen, es gäbe ein paar mega-ausgebuffte High-Potentials, die einen eiskalten, logischen Plan zur Erringung der Weltherrschaft hätten und diesen aktuell zielstrebig umsetzten und die sich Corona und Chemtrails und die irre Theorie der Kugelgestalt der Erde nur zu diesem Behufe dienstbar machten. 

Selbst wenn es so mega-ausgebuffte Menschen gäbe und selbst wenn es einen logischen und funktionablen Plan gäbe, so hinge das Gelingen des Projektes doch von einer Vielzahl von Manager*innen, Unter-Bossen, Mitläufer*innen und Desinteressierten ab - und von deren perfekten, reibungslosen und sehr, sehr diskreten Zusammenarbeit. Das klappt nicht. Sowas klappt nie! Schon wesentlich kleinere Organisationseinheiten leiden unter den Friktionen, die die Dummheit, der Egoismus oder einfach die falschverstandene Kreativität einzelner Elemente auslösen. Je komplexer die Organisation, desto zahlreicher und zerstörerischer die Friktionen. Weltherrschaft? Keine Chance!

Das allseitige Erstaunen nach dem Durchmarsch der Taliban, die Unkontrollierbarkeit regionaler Potentaten, der mit intriganten MItteln geführte Konflikt dreier Machtblöcke - mir kann niemand weismachen, all das sei Teil eines Plans, "global governance" zu implementieren. 

Neulich habe ich mich noch von der nahezu unfassbaren Vernetzung der globalen Finanzgiganten Blackrock und Vanguard beeindrucken lassen, hatte gedacht, wenn irgendwo eine geheime Weltregierung entstünde, dann dort. Inzwischen habe ich ein wenig recherchiert, und, ja, B + V stecken mit Anteilen in allen wichtigen Konzernen dieses Planeten. Es ist irrsinnig, beeindruckend, scheinbar paradox und sehr beängstigend. Aber ganz am Ende sind sowohl B als auch V nur Ergebnis der natürlichen Selektion in einem künstlichen Ökosystem, das die maximale, grenzenlose, bedingungslose Gier zum alleinigen Selektionsmerkmal erhoben hat. 

Trotz der perversen Macht, die B + V zweifellos haben, stehen sie dennoch unter Druck. Ich bezweifle, dass es in der dortigen Hierarchie jemanden gibt, die*der sich entspannt zurücklehnen kann, in dem Bewusstsein, den auf diesem Planeten maximal vorstellbaren Management-Macht-Posten nun erreicht zu haben. Ich glaube auch nicht, dass da jemand genug Freiraum hat, Bedingungen zu schaffen, sich zum Massa-Bokassa-Emperor-of-the-world-for-life krönen zu lassen. Vielmehr glaube ich, dass da, von ganz unten bis ganz oben, eine Heerschar ganz armer, superreicher Zombie-Würstchen ein extrem druckvolles ("bedrückendes") Leben fristen, das als menschenwürdig zu bezeichnen ich ablehnen würde. 

Vielleicht sind diese Gedanken nur der Selbst-Trost einer alten, beamteten Mittelstandskrampe aus der norddeutschen Provinz, aber wenn die eingangs erwähnten High-Potentials wirklich was auf dem Kasten haben, dann fällt denen doch mit Sicherheit etwas Schlaueres ein, als ihre Leben in so einem miesen, dreckigen Ratten-Rennen zu vergeigen, oder?



(verändert via wiki commons)
Krönung Kaiser Bokassas. Und anschließend? Ein bisschen Spaß, der bald schal wurde, dann neue Hobbies Folter, Kannibalismus, aber nichts Erfüllendes. Die Franzosen gewährten ihm Asyl. 









Sonntag, 5. September 2021

Konkrete Politik


Man weiß, bevor man für eine*n Kandidaten*in stimmt, zwar nie, was hintenrum dabei raus kommt, aber bei dem Herrn Scholz von der SPD habe auch ich das vage Gefühl, dass er der am wenigsten ungeeignete Kanzlerkandidat sein könnte. 

Aber wenn ich das richtig verstehe, müsste ich, um Scholz zu pushen, bei der Bundestagswahl SPD wählen, und das geht ja leider gar nicht, denn hier kandidiert Siemtje Möller, die im Februar 2019 leider so grottenerbärmlich instinktlos war, sich zu einem Lustflug mit dem Eurofighter des Wittmunder Geschwaders einladen zu lassen. Die Flugstunde wird aktuell mit 56.000 Euro kalkuliert, und man könnte einer angeblich sozialdemokratischen Plittikörin unterstellen, sie hätte die Fantasie, das Geld sinnbringender, eben sozialer, unterzubringen. 

Einen besonderen Haut-goût bekommt die Geschichte, wenn man sich erinnert, wieviel Kritik der damalige niedersächsische Finanzminister Möllring (CDU) einstecken musste, als er sich mit der guten alten Phantom für nur 8.000 Euro pro Stunde durch die norddeutsche Tiefebene schaukeln ließ. 

Was lernen wir? 

Macht korrumpiert. Punkt. Politiker, egal, welcher Partei, welchen Geschlechts und Alters, sind die am wenigsten geeigneten Menschen, politische Macht auszuüben. Da in einer Demokratie aber prinzipiell immer nur diejenigen zur Macht streben, die am wenigsten dazu geeignet sind, muss man ihnen mit brutalstmöglichem Misstrauen auf die Finger schauen. 

Konkret bedeutet das in diesem Fall: Frau Möller hat bezüglich ihres Faux-pas' von 2019 kein Unrechtsbewusstsein erkennen lassen. Daher ist sie erwiesenermaßen als Bundestags-Kandidatin untauglich. Daher kann ich der SPD meine Stimme nicht geben. 

Pech für Scholz. 

Zum Glück bin ich als echter Demokrat ohnehin Wechselwähler.






(verändert via wiki commons)
Nein, das ist nicht Herr Scholz.


 










Donnerstag, 2. September 2021

Prähominidales Erbe

Coronabedingt zappe ich zu viel durch die TV-Welt. Da fällt mir die zunehmende Menge an Soap-Dokus über Gold- und Opalsucher in Nordamerika und Australien auf. 

Das Narrativ ist stets identisch:

  • Die Bosse stehen unter irrsinnigem Zeitdruck.
  • Der Zeitdruck wird bruchlos an die freien Mitarbeiter*innen weitergegeben.
  • Die Bosse sind extrem profitorientiert.
  • Die Einkommen der Mitarbeiter*innen hängen direkt vom Profit der Bosse ab.
  • Die Mitarbeiter*innen haben diese Arbeitsbedingungen internalisiert, Kritik besteht nicht mal als intellektuelle Option.
  • Keinen Profit zu erzielen ist Ausdruck konkreten persönlichen Versagens und gibt direkte Auskunft über Wert, nein: den Unwert eines jeden Menschen.
  • Die Kameradschaft ist groß. Bis jemand einen Fehler macht, der profitschmälernd wirken könnte.
  • Der immense Druck, unter dem Alles steht, wird von den Investoren erzeugt, die ebenfalls ausschließlich und völlig unhinterfragt extrem profitorientiert agieren.
  • Die von den Investoren bereitgestellten Gelder werden in brutal einfache Technik gesteckt, die dazu dient, in möglichst großem Umfang Naturräume aufzureißen und zu zerstören, um sie nach Gold, Edelsteinen etc. zu durchwühlen.   
  • Die Spannung jeder Folge der Serie wird durch die Frage erzeugt, ob es der Crew gelingt, Natur so effektiv zugrunde zu richten, dass in einem schwachsinnig knapp bemessenen Zeitraum eine schwachsinnig hohe Profitsumme zu realisieren ist. 

Diese Art Serien scheinen gut zu laufen. Interessanter Befund. Vormenschen-Träume gehen immer.

 


(verändert via wiki commons)







Samstag, 28. August 2021

When I was young ...

"...
When I was young, it was more important
Pain more painful
Laughter much louder
Yeah, when I was young
When I was young
..."

E. Burdon


Beeindruckender Vers "When I was young, it was more important". Es wird nicht ausgeführt, was wichtiger ist. Das ist auch gar nicht nötig, weil, wenn man jung ist, alles als wichtig angenommen werden muss und wird. Mit zunehmendem Alter füllt sich die Welt mit Dingen, von denen die Erfahrung gezeigt hat, dass sie doch nicht so wichtig sind. Das ist einerseits gut und notwendig, weil es das Denken entlastet, andererseits schlecht, weil Neugierde und Aufmerksamkeit nachlassen und die Welt dadurch nach und nach immer grauer und langweiliger wird. 

Setzt sich dieser Prozess der Ent-Wichtigung unbegrenzt fort, bleiben schließlich nur ein paar zwischenmenschliche Kommunikations-Bedürfnisse wichtig - plus die Dinge, denen wir mit bewusstem Willensakt Bedeutung zuweisen. Bei Letzterem finden wir allzuoft Themen, die wir als typisch-traurige Rentner:innen-Beschäftigung betrachten: Garten, Stricken, Kegeln ...  

Wünschenswert: 

Irrelevantes identifizieren und ignorieren und dabei wach und neugierig bleiben, wie ein junger Drache ...











Dienstag, 24. August 2021

Gute Idee!

 

Jrade Jeistesblitz jehabt. Hatte überlegt, warum meine letzten Texte so pessimistisch geraten sind, so ein klitzebisschen sehr die Richtung, dass die meisten (nicht alle!) Menschen anscheinend dumme, egoistische Idioten sind. So eine Denke mag, schaut man auf den status quo, gerechtfertigt sein, macht aber nicht eben glücklich. 

Mein Denkfehler ist: Das menschliche Gehirn ist kein Vernunft-Organ. Es ist ein Reiz-Reaktions-Organ. 

Wäre es ein Vernunft-Organ, wäre meine misanthrope Grundhaltung angemessen. Da es das aber nicht ist, sind alle Appelle an die Vernunft, alle logik- und faktenbasierten Diskurse weitgehend für die Katz'. Was wir stattdessen benötigen, sind Veränderungen in den Handlungsanreizen. 

Egal, ob es um Demokratie, Rassismus, LGBTQ++, Macht, Gleichberechtigung, Kapitalismus, Klima, Konsum, Solidarität oder was auch immer geht, wir brauchen nicht über die vernünftgegebenen Argumente zu sprechen. Wir müssen darüber sprechen, wie sexy es ist, frei, eigenverantwortlich, unabhängig, offen, gleichberechtigt, minimalistisch und tolerant zu sein und mit ebensolchen Menschen umzugehen. Und wir müssen immer wieder klar machen, wie absolut abtörnend es ist, wenn jemand fundamentalistisch, rassistisch, egoistisch oder sonstwie beschränkt und fremdgesteuert ist.

Ein weites Feld. Ich freu' mich drauf!











Freitag, 20. August 2021

Wir werden es nicht schaffen.

Anthropogener Treibhauseffekt - wir können drumherumreden und uns selbst ablenken, so viel wir wollen, wir werden um die Erkenntnis nicht herumkommen, dass weder erneuerbare Energien noch irgendwelche anderen technischen Lösungen uns retten werden. Jede*r einzelne Mensch müsste das je individuelle Verhalten ändern, und zwar da, wo's wehtut, nämlich beim persönlichen Konsum.

Wir müssten ganz schnell auf einen Konsum-Level kommen, den wir heute als minimalistisch bezeichnen und der doch nichts weiter ist, als der Standard, der vor wenigen Jahrzehnten als völlig normal angesehen wurde.

Das werden wir aber nicht schaffen, denn die Macht habenden Konzerne saugen ihren Profit aus dem Mantra ewig wachsenden Konsums, und die Normalverbraucher sind in überwältigender Mehrheit leider zu bierärschig und zu unaufgeklärt, um von ihren internalisierten Forderungshaltungen runterzukommen. 

Mein Menschenbild sagt: Wir werden es nicht schaffen. Und die Beweislage dafür ist erdrückend. Trotzdem kann ich nicht aufhören zu hoffen. Was irgendwie erstaunlich ist. 


(verändert via unicef.de)
Nein, der kleine Junge kann nix dafür.
Ja, er ist auch Opfer unseres Lebensstils.
Aber wenn er groß ist, dann möchte er auch gerne
Täter werden,
wie wir.








Samstag, 14. August 2021

Narrative Wahrheitsfindung

Wannimmer ich mir eine Sache nicht erklären kann, denke ich mir dazu eine Geschichte aus und modifiziere sie so lange, bis sie möglichst viel Sinn ergibt.  

Also:

"Es war einmal ein alter Bauer, der hatte sein Leben lang hart und schwer gearbeitet. Und da er nun alt und fett und unbeweglich geworden war und der Rücken auch nicht mehr so richtig wollte, benötigte der Bauer ein Auto, bei dem das Ein- und Aussteigen nicht schwerer fiel, als bei seinem Treppenlift zu Hause. Nun ergab es sich, dass der Bauer vor allem ein Spargel-Bauer war, und daher brauchte er darüberhinaus ein Auto, mit dem er seine billigen osteuropäischen Schwarzarbeiter jeden Morgen früh von ihren illegalen Wohn-Containern zu seinen Feldern und abends spät wieder zurück fahren konnte. Und diese Arbeiter mussten ihre Werkzeuge und anderen Klamotten irgendwo verstauen können, am besten auf einer Ladefläche. Und so kam es, dass der Bauer sich einen SUV kaufte ..."




Tja, das ist die einzig schlüssige Erklärung für die Tatsache, dass im Jahre 2021, 44 Jahre nach Veröffentlichung der Studie "Global 2000" der Anteil der SUV an den Neuwagenkäufen einen neuen Maximalwert erreichte.  

Was für eine Geschichte sollte denn sonst dahinterstecken? "Es war einmal ein Land, in dem es viel zu viele hirntote Vollidioten mit viel zu kleinen Pimmeln gab..."? Das wird doch keine schöne Geschichte, das kann man doch nicht machen!

Lasst uns mal prüfen, welche Geschichte plausibler ist. 

Die Frage ist, ob es mehr alternde, kränkelnde Spargelbauern oder mehr hirntote, kleinpimmelige Vollidioten gibt. Mit Stand Juni 2021 wurden in diesem Jahr in diesem Land ca. 78.697 SUV verkauft, und es gab (Stand 2019) 1.630 Spargelbauern. Demnach hätte jeder Spargelbauer im ersten Halbjahr 2021 ca. 48,3 SUVs neu gekauft, also ca. acht pro Monat. Und dabei setzen wir stillschweigend voraus, dass jeder (!) Spargelbauer per se alt und kränkelnd ist und täglich persönlich osteuropäische Schwarzarbeiter auf seine Felder karrt. An dieser Stelle können wir den Diskurs getrost beenden.

Ergebnis: 

Erstens: Meine Hypothese, Spargelbauern stellten das wesentliche Kunden-Segment bei den SUV-Käufern, ist nicht haltbar.¹


Zweitens: Die Hypothese, SUVs werden von hirntoten, kleinpimmeligen Vollidioten gekauft, ist dagegen deutlich bestätigt.






¹ Nicht zuletzt auch wegen der fiesen und unzutreffenden Prämissen, alle Spargelbauern würden Schwarzarbeiter beschäftigen, seien alt und kränkelnd und SUV-Fahrer.