Sonntag, 7. Oktober 2018

Customer-Scoring


Uiuiuiiui! Gerade einen Artikel über die Gefahren des Customer-Scorings gelesen. Schlimm. Ganz schlimm. Da werden massenhaft alle möglichen Daten von uns gespeichert, gekauft, verkauft, gesammelt und quasi folienhaft übereinander gelegt, und dann bricht die tiefste Hölle des individuell feingetunten Marketings und des Kapitalismus über uns herein, weil die Verkaufs-Fuzzis ja nun auf drei Stellen nach dem Komma genau wissen, was für Vorlieben wir haben, wie viel Geld wir erwirtschaften, wie viel davon freiverfügbar ist, welche Produkte, Kreditvolumina etc. etc. auf welchem optimalen Kommunikationsweg man uns anbieten muss, damit wir kaufen, kaufen, kaufen ...

Allzuoft, wenn es um geldliche und ökonomische Verhaltensmuster in dieser unserer Gesellschaft ging, war mein ohnehin wohlausgeprägter Zynismus nicht annähernd fies genug, um das wahre Ausmaß der aktuell stattfindenden Katastrophe zu erfassen. Daher rate ich den geneigten LeserInnen, selbst einmal den Begriff "Customer-Scoring" zu googeln und den dernier cri der Szene zu erspüren. Die Anbieter gehen ganz offen und unbedarft, gleichermaßen naiv und skrupellos mit den ungeahnten Möglichkeiten der digitalen Profitmaximierung zu unseren Ungunsten um. Sage also niemand, man habe es nicht gewusst.

Apropos "naiv": Im Oktober 2018 zu fordern, man müsse Vorsicht walten lassen, müsse rechtzeitig Regeln schaffen etc., ist kompletter Unsinn. Der Drops ist längst gelutscht, und ganz gewiss werden die Lobby-Vertreter ihren Polit-Marionetten in den Parlamenten nicht gestatten, dieses überaus einträgliche Geschäft in irgendeiner Form zu beeinträchtigen. Keine Chance!

Was bleibt?

Erstens: Die klammheimliche Freude an der Gewissheit, dass sowohl gegenwärtig als auch zukünftig die Marketing-Fuzzies in Sachen Selbstüberschätzung nicht nur planetar, sondern vermutlich galaxisweit führend sein dürften und dass sie mit ihren übertriebenen Profitversprechungen genau so die gutgläubigen, profitblinden Unternehmen schädigen, wie uns Endverbraucher. Dass Customer-Scoring so sauber, so aalglatt und problemfrei zusätzliche Profite generiert, wie die Anbieter der Methode uns glauben machen wollen, darf bezweifelt werden. Marketing-Fuzzies sind die allseits verachteten, tragikomischen Clowns des Kapitalismus, für's Volk gemeingefährlicher als die mittelalterlichen Hofnarren, ansonsten vergleichbar..

Zweitens: Konsumverzicht, Boykott. Klingt dramatischer, als es ist. Im Alltag ist die Sache furchtbar einfach: Wenn Du weißt, dass ein Unternehmen scheiße ist, kaufe deren Produkte nicht. Eine Bank gibt Dir keinen Kredit, weil Du im falschen Stadtviertel wohnst, die falsche Hautfarbe hast? Warum, zum Teufel, solltest Du so eine Bank durch weitere Umsätze unterstützen? Bist Du blöd? Und wenn Dir keine Bank weltweit einen Kredit zu leidlichen Konditionen geben will? Dann haben die entweder alle die selben Scoring-Datensätze zugrundegelegt, sind also alles Schweine, oder Du bist vielleicht wirklich nicht in der Lage, so einen Batzen zurückzuzahlen. Such' Dir andere Wege. Oder willst Du eingestehen, vom System abhängig, auf es angewiesen zu sein? Was wäre das denn für eine Niederlage?!



(via wiki commons)

Der Trick ist: Einfach nicht kaufen, wenn man's scheiße findet. 











Samstag, 6. Oktober 2018

Ansichts-Sachen



Weil's unten schon thermisch blubberte, bin ich heute mal auf fliegerkameradschaftlichen Tipp hin brutale 600 m hoch gestiegen, wo einer Inversion wegen die Luft wie Samt & Seide daherkam.


(Heute irgendwo über dem Saterland, ca. 1.900 ft)

Dabei fiel mir wieder mal auf, wie unterschiedlich die Eindrücke beim Fliegen in der sehr, sehr  offenen Klasse, den 120-kg-Trikes, sein können. Wenn man einfach nach vorne schaut, ist es wie eine luftige Variante des Autofahrens: Vor Dir das Cockpit mit den Intrumenten, dahinter Gegend, sehr viel Gegend, dazu ein geiler Überblick, keine Ampeln, keine Staus, keine Kompromisse.


(Oldenburg, heute, von Süden aus betrachtet, ca. 2.000 ft)

Und schaust Du aus dieser Höhe nach unten, sieht alles aus, wie eine Landkarte ... na gut: wie eine 3D-moving-map mit einer Bildschirmauflösung, die jedem anständigen Basic-Vanilla-Normalo-User die Tränen ins Antlitz triebe.





Ulkig wird's aber Vielen, wenn sie ihren Blick z.B. an der Tragfläche entlanglaufen lassen, die sich in die bodenlose Unendlichkeit streckt. Oder man folgt der Perspektive der Spannseile, die weit, immer weiter über die ohnehin karge Muckeligkeit des Cockpits hinausweisen. Erfahrungsgemäß ist's noch eine Steigerung des Ulks, in einer Steilkurve an der zum Boden gerichteten Fläche entlangzupeilen, wenn diese gerade auf ein alleinstehendes hohes Hindernis, einen Funkturm o.ä. gerichtet ist, denn dann wird Dir die tatsächliche Höhe, genauer gesagt, die enorme Menge des leeren Raums zwischen Dir und der Erdoberfläche klar, und das ist ein echter Kick!

Dieser Kick nudelt sich aber ziemlich schnell ab, so ähnlich wie beim Achterbahnfahren ...



... und es bleibt am Ende nur der größte, der ultimative, der sich-niemals-abnudelnde Kick des Fliegens:

Das Gefühl, Dein Geist werde erfüllt mit dem klaren, hellen Blau der unendlichen Halbkugel über Dir und ist gleichzeitig fest verwurzelt in der kraftvollen, lebendigen Erde unter Dir, und Du wirst Eins mit Allem, und Alles eins mit Dir ...


Fliegen ist ein meditativer Akt. Und NIRGENDWO steht geschrieben, dass Du NICHT 36 PS und 8,80 m Spannweite zu Hilfe nehmen darfst, um Samadhi näher zu kommen und Samsara zu überwinden.




 (verändert via https://www.sunnataram.org/)
Jaaa, Du kannst Dich auch unter einen Bodhi-Baum setzen -
aber Fliegen ist irgendwie geiler!







Freitag, 5. Oktober 2018

Mehltau


  1. Man nehme namhafte deutsche Nachrichtenportale und sichte sie täglich.
  2. Man streiche geistig alle Artikel, die sich mit den USA beschäftigen. Beispiel: Warum soll es uns besonders interessieren, ob ein von Trump designierter Polit-Kasper, einer von vielen, vor 35 Jahren, im Alter von 17 Jahren, ein Mädel vergewaltigt hat? Wollen wir alle versuchten Vergewaltigungen im Umkreis von 9.000 km zur Pressemeldung hochpeitschen? Dass Trump ein gefährlicher Irrer ist, ist mittlerweile auch keine Neuigkeit mehr. Weckt mich, wenn in den USA etwas passiert, was relevant ist.
  3. Man streiche weiterhin Artikel, die darüber berichten, dass doitsche Plittikörr etwas meinen, planen, wünschen, fordern, ablehnen. Wir haben derzeit keine demokratische Streitkultur, sondern rückgratlose hyper-windschlüpfrige Opportunisten-Kader auf der einen und braune Brüllaffen auf der anderen Seite. Weckt mich, wenn sich daran etwas geändert hat oder die Auto-, Waffen- oder Agrarlobby ein statement raushaut.
  4. Man streiche alle Ergebnisse von Wahlprognosen und "Experten"-Meinungen. Selbsterklärend. Weckt mich bei der ersten amtlichen Hochrechnung.
  5. Man betrachte den durch die gedachten Streichungen freigewordenen Raum und was an Meldungen übrig bleibt: Naturkatastrophen und Autokraten, die ihre schwerstverdummten Anhänger immer tiefer ins Dunkel nationalistischen Fundamentalismus' führen. Gegen Naturkatastrophen können wir aber genau so wenig unternehmen, wie gegen ungarische, bayrische, sächsische, türkische, polnische, israelische, iranische und saudische Volksverhetzer.

Kurzgefasst: Unsere Journaille erstickt uns mählich im Altbekannten, Unveränderbaren - statt bissig und kritisch aufzuzeigen, wo jedes Einzelnen Tatkraft und flottes Umdenken dringend gefordert sind.





 (Juli '18, NO Oldenburg, 700 ft)



Samstag, 29. September 2018

Sooo nicht, AfD!


Es liegt in der Natur der AfD, SchülerInnen zur Denunziation ihrer Lehrer aufzufordern. Das haben die Nazis auch so gemacht, deshalb muss es einfach gut sein.

Wenn also ein/e LehrerIn die latente und potentielle Verfassungsfeindlichkeit der Braunbratzen anprangert, dann soll das internetöffentlich gemeldet werden. Was anschließend passieren soll, habe ich nicht richtig verstanden, aber die seinerzeit übliche Einweisung in ein KZ zu fordern, das haben sich die Herrschaften dann doch noch nicht getraut. Egal.

Als rot-grün-links-öko-pax-fairtrade-menschenrechts-versiffter Lehrer beschwere ich mich hiermit ausdrücklich gegen diese Idee der AfD und begründe wie folgt:

Natürlich betrachteten es alle normal denkenden und empfindenden Menschen als riesengroße Ehre, namentlich auf der Liste der denunzierten LehrerInnen zu erscheinen. Selbst hirntote AfDler müssen doch verstehen, dass es seit den Berufsverbote-Prozessen der 1960/70er Jahre für uns keine sinnvollen Anlässe mehr gab, unsere Treue zur Verfasssung ganz persönlich, konkret und valide unter Beweis zu stellen und dass wir folglich nach solchen Fascho-Scheiß-Methoden süchten, wie ein Ertrinkender in der Wüste.

Darüberhinaus haben die meisten von uns mehrfach beeidet, alles zu tun, um auf diese Liste zu kommen. Ich erlaube mir, mein eigenes Beispiel anzuführen. 1981 gelobte ich nach §9 des Soldatengesetzes "..., der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." und 1991 und 2006 schwor ich den Diensteid nach §65 des niedersächsischen Beamtengesetzes "... dass ich, getreu den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates, meine Kraft dem Volke und dem Lande widmen, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Niedersächsische Verfassung wahren und verteidigen, in Gehorsam gegen die Gesetze meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegenüber jedermann üben werde."

Übersetzt heißt das: Selbstverständlich werde ich in aller Offenheit eine Gruppierung kritisieren, die, wie die AfD, unsere FDGO latent in Frage stellt. Ich bin dazu verpflichtet!

Und übersetzt heißt das weiter: Jede Lehrerin und jeder Lehrer, der oder die nicht alsbald auf der AfD-Liste namentlich erwähnt wird, setzt sich dem Verdacht aus, allergrundlegendste Dienstobliegenheiten vernachlässigt zu haben. Wahrscheinlich gibt es in ein paar Monaten eine Menge sehr unangenehmer Personalgespräche, in denen peinvolle Fragen gestellt werden, wie z.B. "Frau X, / Herr Y, Ihr Name taucht in der AfD-Liste nicht auf - wie halten Sie es eigentlich mit Ihren staatsbürgerlichen Pflichten, mehr noch: Was bedeutet Ihnen eigentlich noch Ihr Diensteid? Wie fest stehen Sie eigentlich auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, da die AfD offenbar kein Problem mit Ihnen hat??!!!"

Tja, da möchte man natürlich schnellstmöglich auf die Liste. Aber dazu muss man SchülerInnen (oder deren Eltern) haben, die ethisch und psychisch so deformiert und krank sind, dass sie sich wirklich wie die schmierigen Denunzianten von Annodunnemals verhalten. Und was tut man, wenn man nur SchülerInnen hat, die ethisch fit und geistig und seelisch stabil sind? Da kann man noch sehr gegen die Nazis wettern und unsere Verfassung verteidigen, die applaudieren, aber niemand von denen käme auf die Idee, das an die Faschos weiterzugeben.

Und einfordern kannste das ja auch nicht, als Lehrer. Das verträgt sich nicht mit der Lehrerrolle, SchülerInnen zu bitten, Dich bei der AfD zu melden. So etwas fällt ja auch auf die SchülerInnen zurück, die rennen für den Rest ihres Lebens mit dem Stigma herum, ihren Lehrer an die Nazis verpfiffen zu haben. Dass das abgesprochen war, weiß doch in ein paar Jahren niemand mehr, und die AfD wird jede derartige Meldung als einen Erfolg feiern. Da können die Jugendlichen bzw Jung-Erwachsenen für's Leben traumatisiert werden.

Bleibt natürlich die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen. Aber das ist ... unnatürlich. Man kann sich schlecht selbst denunzieren, denn ein Aspekt der Denunziation ist ja, dass der Denunziant zum eigenen, niedrigen Nutzen handelt. Außerdem bestünde die Gefahr, dass KollegInnen, die noch gar nicht pflichtgemäß, will sagen: gemäß des von ihnen geleisteten Eides, gegen die AfD zu Felde gezogen sind, dies wahrheitswidrig zu Protokoll geben.

Wir kommen also zwangsläufig zu dem Schluss, dass die AfD hier wieder einmal nicht zu Ende gedacht hat. Man kann nicht einfach eine so wichtige Ehren-Liste installieren, ohne klare, unhintergehbare Regeln zu ihrer Umsetzung zu definieren.

Ich sag's ganz offen: Es wäre mir eine Ehre und es erfüllte mich Stolz, wenn mein Name eines Tages auf dieser Liste erschiene, und ich finde, ich habe mir das auch wirklich verdient, mehrfach sogar. Aber dies muss zu klaren, transparenten Bedingungen geschehen.  





 (Pellizza da Volpedo: Il quarto strato, 1901)















Warum ich meinen Goggelplus-Account gelöscht habe


Ich weiß nicht, ob's nur zeitliche Koinzidenz war oder etwas mit meinem letzten Posting zu tun hatte, jedenfalls bekam ich auf Gplus plötzlich die Meldung, mein Account sei zwecks einer Überprüfung der Inhalte gesperrt. Ein paar überhaupt nicht hilfreiche Hilfe-links schickten mich in Menüseiten, in denen ich nachlesen konnte, dass soetwas halt passiere, wenn man sich nicht an die Richtlinien hielte, die da wären: ... bla, bla, bla ....

Ich habe die Richtlinien mehrfach sorgfältig studiert. Ich habe meine Veröffentlichungen mehrfach sorgfältig studiert. Ich fand keinen Verstoß. Dies mailte ich an die angegebene Kontaktadresse mit Bitte um Aufklärung. Auch am nächsten Tag keine Antwort.

Dann erwischte ich mich dabei, zu denken, ich könne ja mal "auf Verdacht" einige der etwas steileren Formulierungen in meinen Artikeln entschärfen. Vielleicht ist Hoeneß bei streng juristischer Observanz gar kein Schwerverbrecher, sondern nur ein einfacher Verbrecher - oder überhaupt nur ein Straftäter? Hm, hm, hm. Und meine konsequente, differenzierte und schlüssige Anwendung der Begriffe "Arschlöcher" und "Idioten" habe ich zwar expressis verbis erläutert, aber vielleicht haben die Damen und Herren Kontrolleure einfach gar keine Zeit, derartige Gedankengebäude nachzuvollziehen, vielleicht sollte ich da einfach vorsi...

Und genau an dieser Stelle wurde mir bewusst, dass ich gerade dabei war, vor der virtuellen Macht der Übermächtigen einzuknicken. Und zwar nicht, indem ich mich realem Druck unterwarf, sondern indem ich selbstgemachten Antizipationen folgte. Man hört ja so viel, was "die von Google/Apple/Facebook" schon verboten haben, da ahnt man schon, worauf das hinausläuft, und immerhin nutzt man deren Produkte kostenfrei, da muss sich halt anpassen, nicht wahr ... ?

Nein, nein, nein. Da dräut Gefahr ganz unbewusster Selbstzensur. Ich glaube, da müssen wir, die wir gerne auch mal kritisch und (über-)spitz fabulieren, sehr achtsam mit uns umgehen, auf dass wir nicht, quasi hinter unserem eigenen Rücken, die Schere der Selbstzensur ansetzen..

Stellen wir das also mal für die Selbsttherapie klar: Googles Produktpalette ist zweifellos gut, ich nutze sie praktisch seit den Anfängen, und ich nutze sie gern, habe mich an sie gewöhnt, und die Gewöhnung korrumpiert jemanden wie mich, der zwar kein Technik-Nerd auf immerwährender Suche nach dem jeweils heißesten Scheiß, wohl aber ein ewiger Communicadore, eine verbale Rampensau ist.

Ganz miserabel wäre es aber, entstünde aus der Gewöhnung Abhängigkeit.

Darum habe ich meinen Account gelöscht.






(Die Aussendung des hl. Geistes - ca. 1180 - verändert via wiki commons)

Schon im frühen Mittelalter wusste man: 
Intuitive Groupware-Lösungen und ein rattenschnelles Netz sind das A und O.












Freitag, 21. September 2018

Peinliches Postscriptum


Verwunderlich ist NICHT, dass alle SPD-Minister die unfassbar dumme, demokratiegefährdende Maaßen-Entscheidung vollinhaltlich unterstützen: Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, Plittikörr als ausschließlich egoistische, machtgeile, ethikfreie Akteure zu begreifen, dann - und nur dann - ist das Verhalten von Scholz, Maas, Heil und Konsorten völlig schlüssig.

Verwunderlich ist hingegen, dass die Dame und Herren Minister sich trauen, ihre offensichtliche Macht-Korrumpiertheit so öffentlich und hemmungslos auszuposaunen, so, als wäre dies nicht das offensichtlichste, peinlichste Eingeständnis ihres totalen ethischen Versagens.

Nach Marx wissen wir: Der größte Horror des Kapitals ist die Abwesenheit von Profit.
Wir ergänzen: Der größte Horror der politischen Klasse ist die Abwesenheit von Macht.

Jahrzehntelang war ich wütend und empört, sowohl über die Einen als auch über die Anderen. Aber man schaue sich die Menschen und ihre Biographien einmal genauer an: Allesamt psychisch Deformierte, Getriebene, Irregeleitete, allesamt ganz arme, dumme Würstchen.

Dass ich Mitleid mit ihnen hätte, kann ich allerdings nicht sagen.






(verändert via wiki commons)
Ach Du Kacke, möge er NIE erfahren, was da gerade im Namen seiner Partei gelaufen ist.





Mittwoch, 19. September 2018

Wieder und wieder



Und wieder quälen mich so einfache Fragen:


Angesichts der nun stattgefundenen Regelung, die als "Lösung des Problems" zu bezeichnen, Logik und Ethik verbieten:

  • Wundert sich wirklich noch jemand, wenn Plittikörr-Verdrossenheit flächendeckend wird?
  • Merkt wirklich niemand, dass Plittikörr überhaupt keine Verantwortung tragen - jedenfalls nicht in dem Sinne, dass sie jemals für Unfähigkeit oder Missetaten negative Konsequenzen erleiden müssen?
  • Können und dürfen wir unseren Heranwachsenden noch weiter die ewig-alte Sandkasten-Ethik verkaufen, so irreführende Merksätze wie "Sei stets fleissig, ehrlich und mitfühlend!", oder sollten wir nicht endlich die Wahrheit über die Erfolgsfaktoren in dieser, unserer Gesellschaft vermitteln?
  • Wem nutzt es letztendlich, wenn wir ständig so tun, als sei diese Wahrheit NICHT zynisch, dreckig und unfasssbar deprimierend?
  • Dürfen wir überhaupt die grundsätzliche Unmoral (was für ein schönes, veraltetes Wort) der Macht-Habenden mit dem Deckmäntelchen der Ausnahme versehen? "Ja, der Seehofer ist halt so ..., ja, der Maaßen hat straffällig gehandelt, aber der Hoeneß ist ein verurteilter Schwerverbrecher und trotzdem zum Bayern-Präsi gewählt worden ..., naja, dass der Maaßen den Job als Staatssekretär annimmt, ist doch klar ... die SPD konnte gar nicht anders, als da mitzuspielen, weil ..."
  • Und immer wieder: Warum bleiben wir bei all' diesem Mist so passiv? Warum lassen wir uns das so bereit und willig gefallen?

Jede 400-Euro-Reinigungskraft trägt mehr Verantwortung als jede/r PlittikörrIn.






(verändert via wiki commons)




Samstag, 25. August 2018

Vernunft ist so oldschool!



Tagesschau-Online bringt einen Artikel zu einer neuen Meta-Studie zur schädlichen Wirkung von Alkohol. Viel gefährlicher als gedacht, etc. etc. Hundertmal spannender als der Artikel sind aber die 128 Kommentare:

Gefühlte 80 % der ScribentInnen versuchen sich irgendwie aus der Vernunft-Nummer rauszuwinden. Zusammengefasst lauten die Argumente etwa so:

  • Ich lasse mich vom Vernunft-Faschismus belastbarer wissenschaftlicher Aussagen nicht unterdrücken. Mein reptilienhirngesteuertes Verhalten ist zwar komplett doof und selbstzerstörerisch, aber ich verkaufe es einfach als heldenhaften Widerstand gegen ein diktatorisches System. Gibt es keine dazu passende Verschwörungstheorie?
  • Ich habe so rein bauchmäßig-emotional nicht das Gefühl, dass Alkohol ein Zellgift ist. Deshalb (!) kann die Studie nicht stimmen.
  • "Die" haben uns schon Frauenfeindlichkeit verboten und Schwulenhass, und "Neger" oder "Bimbo" dürfen wir auch nicht mehr sagen, kein Fleisch essen, keine Stinke-Autos fahren - und jetzt sollen wir auch noch am Saufen aufhören? Wozu leben wir dann noch? Ein Grund mehr, die AfD zu wählen, die sagen mir immer wieder, dass das total gut ist, was ich mache. 
  • Ich kenne ein paar Leute, die haben ihr Leben lang gesoffen und sind steinalt geworden. Das ist zwar nur meine völlig unrepräsentative, nicht-falsifizierbare Blödmann-Meinung, aber die hau' ich erstmal raus, schließlich gipps ja sowas wie Meinungsfreiheit.
  • Es gibt viiiiel schlimmere Dinge als alkoholbedingte Krankheiten und Todesfälle. Ausländer zum Beispiel. Oder das Wetter. Oder die Benzinpreise. Oder Schalke könnte das nächste Spiel verlieren. Oder gewinnen. Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...  Darüber sollten die mal berichten. Aber das wird ganz absichtlich verschwiegen. Wie war nochmal die Frage? 
  • Also, ich bin dagegen, dass Alkohol krank macht, und schließlich leben wir in einer Demokratie. Aber Diedaoben machen ja sowieso, was sie wollen. Auf uns kleinen Leute hört ja keiner. Da wird's schon Zeit, dass da mal einer aufräumt. Der Trump macht's richtig. Und der Erdogan, der Orban, der Gauland, die machen's auch richtig. Merkel muss weg.  

Gefühlte 15 % der Kommentare zielen in die Richtung ethisch-ökologischer Besserwisserei, und man hat das Gefühl, dass sich hier langjähriger Frust über die ignorante Häme der Spießer entlädt. Ignorante Spießer-Häme kotzt mich auch an, aber es wäre der guten Sache wirklich dienlich, wenn die Kritk nicht nach dem Schema "Selbst schuld, allzu sterblicher Normalverbraucher! Bereue und nimm dir ein Beispiel an mir: Ich lebe seit zwölf Jahren nur von Sellerie und Eigenurin, vermeide Sex und Aufenthalte im Sonnenlicht und fühle mich wunderbar." erfolgte.

Es bleiben vielleicht 5 %, einsame Rufer in der Wüste, die in schlichten Worten auf die schlichte Tatsache hinweisen, dass Alkohol tatsächlich ein Zellgift ist, ein hocheffektives übrigens.

Es bleiben Fragen:

  • Was muss sich am Wissenschaftsbetrieb, vor allem in der Frage der Veröffentlichungen, ändern, damit relevante Ergebnisse angemessene Beachtung finden und nicht so schrecklich einfach in der Meinungsmühle zermahlen werden können?
  • Was muss sich in allgemeinbildenden Schulen ändern, damit die Menschen (wieder?) in die Lage versetzt werden, den Unterschied zwischen falsifizierbaren wissenschaftlichen Aussagen einerseits und dem reality-soap-gecasteten Meinungsdünnschiss von nieder-intelligiblen RTLII-C-Promis zu erkennen?
  • Wie kann man Menschen dazu ermuntern, wieder Eigenverantwortung zu übernehmen und mit Kant sich mutig zu entschließen "sich [ihres] Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen"?

Lasst uns, wenn wir es denn unbedingt wollen und (WICHTIG!) soweit wir niemand Anders damit schädigen, rauchen und saufen und rumsexen und ... und ... und. Und wenn uns die solcherart akkumulierten Risikofaktoren eines Tages die finale und sehr persönliche Rechnung präsentieren, dann lasst uns, ohne die Schuld auf Andere abschieben zu wollen und ohne die Solidargemeinschaft über Gebühr zu belasten, vor allem aber ohne Weinen und Greinen möglichst voller Würde (und mit ein bisschen Trotz und einem wissenden Lächeln) abtreten.




(verändert via wiki commons)









Samstag, 11. August 2018

Verflochten ... Soso!


Interessant: Der Absturz der türkischen Währung und Wirtschaft hätte, so titeln die Nachrichten-Portale, wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung Konsequenzen für ganz Europa.

Und wieder zwicken so hintenrum diese teuflischen Fragen:

Ist es also tatsächlich so, dass der polit-öffentliche Kritik-Sprech an dem Anti-Demokraten, Selfmade-Diktator und Unsympathen Erdogan keine Konsequenz hatte, sobald es um Profit ging? Hat also kein deutsches oder europäisches Unternehmen gesagt: "Wer uns, unsere Regierungschefin, ständig mit Nazis vergleicht, unsere Landsleute grundlos einsperrt, Menschenrechte mit Füßen tritt und Angriffskriege gegen ethnische Minderheiten führt, mit dem wollen wir keine Geschäfte machen."? Gab es, kurz gesagt, überhaupt kein ethisches Gewissen?

Und werden die Unternehmen, die nun also jahrelang aus bedingungsloser Profitgeilheit mit dem Bösen paktiert haben und nun merken, dass die Profite aus diesem Handel versiegen, ja, sogar in Verluste umschlagen könnten - werden diese Unternehmen den wirtschaftlichen Schaden auf die Gemeinschaft, auf die kleinen Leute, auf Dich und mich abwälzen? Warum ist die Rezession ein Schaden für ganz Europa? Warum nicht nur für die Banken und Waffenschmieden, die bis zur Bruchbelastung mit den türkischen Unternehmen gezockt haben, ohne Rücksicht auf ethische und materielle Verluste und ohne sich auch nur im Geringsten um die gut sichtbaren ökonomischen Warnsignale zu scheren?

Ich würde gerne in einem Wirtschaftssystem leben, in dem Konzerne, die unethisch agieren und hirnlos zocken, irgendwann auch mal 'ne Rechnung dafür begleichen müssen.


(via wiki commons)







Sonntag, 5. August 2018

Vornehmer Ekel hilft nicht.



Thea Dorn weist selbst vielfach darauf hin, wie schmal der Grat ist, auf dem wir wandeln, wenn wir "Deutschsein" definieren - und wie gefährlich es wäre, diese Definition weiterhin immer nur den Rechten zu überlassen.

Wie langweilig wäre es, stimmte man mit allem überein, was Dorn schreibt. Aber sie liefert so vielfältige und umfassende Quellen, dass man animiert - genötigt? - ist, eigene Auffassungen zu kontrollieren oder überhaupt erst zu bilden. Und man findet überreichlich valide Fakten, um den dunkeldumpfen Doitschtümlern und den Fundamentalisten jeder Couleur das Maul zu stopfen.

Was kann ein Sachbuch Schön'res leisten?