Die "Diplo", die Deutsche Ausgabe der "Monde diplomatique", bringt in der aktuellen Ausgabe Mai 2026 auf Seite 20 einen Artikel über aktuelle Veränderungen beim internationalen Kokainschmuggel ("Die neue Kokain-Route").
Tenor: Die Staatshaushalte vieler kleiner Staaten entlang der Schmuggelrouten von Südamerika nach Europa haben nur einen Bruchteil der Ressourcen, die den großen kriminellen Akteuren des Drogenhandels zur Verfügung stehen. Das macht Korruption auf allen Ebenen vom Hafenarbeiter über den Sicherheitsapparat bis zur jeweiligen Staatsführung sehr einfach und eine angemessene technische Ausstattung der Kräfte zur Drogenbekämpfung praktisch unmöglich. Diesem Umstand passen sich die Routen der Schmuggler an und so weiter ...
Ich mag die "Diplo" so sehr, weil sie stets sachlich (und mit validen Quellenangaben!) über die Fakten informiert, sich aber mit marktschreierischen Appellen zurückhält.
Aber.
Eine Analyse, die nur Herstellung und Transportwege betrachtet, verleitet zu falschen Schlussfolgerungen. Es wird komplett ausgeblendet, dass die zu bekämpfende Ursache aller weltweiten Drogenkriminalität darin liegt, dass es in der sogenannten "westlichen Welt" viel zu viele Menschen gibt, die viel zu reich sind und viel zu gelangweilt, zu blasiert, zu dekadent und denen es scheißegal ist, was sie mit ihrer Kokserei anrichten.
Man kann das nicht klar genug sagen: Das Problem sind nicht die armen Schweine, die Koks herstellen oder transportieren, oft, weil sie wirtschaftlich keine andere Chance haben. Das Problem sind auch nicht die bösen Kartelle, die all das organisieren und die sich immerhin mit dem saublöden Argument rausreden "Tät ich's nicht, tät's ein anderer¹".
Das Problem sind die Konsumentys, die den ganzen Dreck wieder und wieder und immer üppiger finanzieren und die weder das eine noch das andere Argument geltend machen können.
Warum rege ich mich auf? Weil die selbe diskursive Verkürzung auch in der sonstigen Politik stattfindet: Oje, die Faschos werden allüberall stärker, schlimm, schlimm! Das liegt bestimmt an den SM, an Telegram, Whatsapp, Insta, X, TikTok. Und an Putin! Und an Trump! Und an den Chinesen, den Juden, den Evangelikalen, den Islamisten, den Grünen, den Kommunisten, den Homos und jetzt natürlich an der Straße von Hormuz, ja, genau ... Da kann man gar nicht genug Bomben draufschmeißen ...
Diese Art der "Ursachenforschung" ist nicht nur inhaltlich Schwachsinn, sie verhindert darüberhinaus auch die korrekte Diagnose: Die Leute hier, wir, sind einfach zu doof! Zu denkfaul. Zu korrumpiert. Warum kritisiert das niemand? Warum fordert niemand von unserem Schulsystem ernsthaft, man müsse brutalstmöglich-kritische Geister erziehen? Warum schreien wir nicht laut auf, wenn jemand eine KI-generierte Tiktok-Insta-"Meine-Influencerin-hat-gesagt"-Meinung raushaut?
Wie kann man Trump wiederwählen? Die CxU? Nigel Farage feiert fröhliche Urständ, die doitschen Nazis ebenfalls ... Wir müssen dringend aufhören, irgendwelchen außenliegenden Dingen die Schuld zuzuschieben. Wahrscheinlich trifft der Verdacht zu, dass die Putin-Junta und die Trump-Camarilla gleichermaßen versuchen, Europa auseinanderzutreiben, dass sie dazu SM, Palantir und sonstigen Flausch einsetzen und die Nazis pampern.
Aber bitteschön: Wie doof muss man als Europäery sein, wenn man sich davon beeinflussen lässt und so willig brutalst gegen die eigenen Interessen arbeitet?
"Ich habe mir mit einem stumpfen Gegenstand mehrfach kräftig auf den Kopf geschlagen, weil Trump/Putin/Spahn/Erdogan/Xi gesagt haben, ich würde mich danach fantastisch fühlen!" Wer macht sowas?!
Äh ... ja ... wir. Wir machen sowas. Immer wieder.
¹ Nein, ich gendere hier nicht. Dy geneigte Lesy möge sich fragen, warum!























