Dienstag, 20. Oktober 2026

Ultracrepidarianismus

 

Liebes Tagebuch!

Heute habe ich ein neues Wort gelernt: Ultracrepidarianismus.

Das lateinische ne sutor ultra crepidam („Der Schuster soll nicht über die Sandale hinaus“) wird dem griechischen Maler Appelles zugeschrieben. Ein Schuster kritisierte zurecht eine auf einem Gemälde dargestellte Sandale und begann anschließend, auch darüber hinausgehende Aspekte zu bemängeln, von denen er keine Ahnung hatte.

Der deutsche Spruch "Schuster, bleib bei Deinen Leisten!" stammt wohl daher, verfälscht aber den ursprünglichen Inhalt, klingt abfällig, arrogant und elitär, während, wie ich vermute, Appelles nur die Kompetenzbereiche von Maler und Schuster wertfrei abgrenzen wollte (und vielleicht auch ein wenig angepisst war, auf einen Fehler hingewiesen worden zu sein). 

Drei Dinge fallen mir dazu ein:

Erstens habe ich Verständnis für den Schuster. Ich stelle ihn mir als eine arme Wurst vor, wahrscheinlich eher unten in der gesellschaftlichen Hierarchie und folglich nicht gewohnt, nach seiner Meinung gefragt zu werden. Vielleicht hat Appelles sich sogar höflich für die Kritik an der Darstellung der besagten gemalten Sandale bedankt und vielleicht fühlte sich der Schuster dadurch berufen, hyper-engagiert weitere Kommentare zum Bild rauszuhauen, vielleicht in einem ganz naiven Verständnis von Hilfsbereitschaft. 

Zweitens denke ich über den Bedeutungsunterschied zwischen "Ultracrepidarianismus" und "Dunning-Kruger-Effekt" nach. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Wäre der Schuster ein Mensch, der sich permanent und prinzipiell für universell kompetent hielte und der strukturell unfähig wäre, sich einigermaßen realistisch selbst zu beurteilen, dann wäre er kein Ultracrepidarianer, sondern ein D.-K.-E.-Opfer.

Drittens bin ich überzeugt, dass dy mündigy Staatsbürgery im Sinne unseres Grundgesetzes idealerweise Ultracrepidariery sein muss: Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung verlangt von Dir in allen Bereichen verantwortliche Entscheidungen. Du verfügst aber grundsätzlich in den allermeisten Bereichen nur über unzureichende Daten. Und unsere Fähigkeit, lexikalisches Wissen zu einem schlüssigen Gesamtbild zu verknüpfen, ist auch begrenzt.  

Kurz: Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir, wie der Schuster, in dem überwältigenden Gesamtbild einen Fehler wie bei der besagten Sandale präzise benennen können. Den Rest des Bildinhaltes müssen wir, so gut wie es uns eben möglich ist, beurteilen. Da ist's hilfreich, wenn man ein gutes Allgemeinwissen hat, was etwas völlig anderes ist als Universal-Wissen.

Auf keinen Fall dürfen wir uns von dem Maler vorschreiben lassen, ob wir sein Bild gut oder schlecht finden müssen. Denn der Maler, der steht für die Konzerne und die Politikys auf diesem, unserem Planeten. Und er ist unser Dienstleister und hat die Fresse zu halten und das Bild gefälligst so zu malen wie wir, das Volk, der höchste Souverän, es wünschen und befehlen.

Klar soweit?!




Ohne weitere Quellenangaben via wiki commons - 
Ein Fresko aus einer florentinischen Villa zu der Appelles-Anekdote.

Ey, Schuster! Wenn der Maler nicht spurt, schmeiß ihn raus!





Sonntag, 18. Oktober 2026

Matsche und Pampe

 

In der sonntäglichen Werbe-Wurf-Gazette ein Artikel über "Pumpkin-Spice-Energy-Balls". 

Übersetzung: Kürbis-Gewürz-Energie-Bällchen.

Übersetzung der Übersetzung: Mini-Klopse aus Kürbispampe mit Nussmatsche und einem Spezialgewürz, das man nur bei der Firma kaufen darf, die diesen Artikel bezahlt hat. 

Erste Reaktion: 10.000 ätzend zynische Gedanken.

Zweite Reaktion: Fremdscham. Tiefe Fremdscham. Über die Hersteller-Firma, die so eine schwachsinnige Werbung beauftragt, über die Marketig-Fuzzys, die so einen Mist umsetzen, über die Zeitung, die sowas veröffentlicht und ganz besonders: über die Massen, bei denen so ein Schwachsinn offenbar so eine Wirkung erzielt, dass sich der ganze Aufwand durch entsprechende Umsatzsteigerungen bezahlt macht.

Dritte Reaktion: Warum, zum Henker, hat die anglo-amerikanische Sprache in toitschen Köpfen immer noch so eine Zugkraft? Mag ja sein, dass die Amis in den 1950er und -60er Jahren uns die dringend notwendigen neuen kulturellen Leitwerte und Vorbilder eingetrichtert haben, aber mittlerweile schreiben wir 2026, Trump wurde nicht nur gewählt, sondern sogar wiedergewählt. Wer in den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika immer noch eine Leitkultur sieht, ist entweder sehr, sehr zynisch oder sehr, sehr dumm.

Warum ruft niemand danach, sich auch von diesem Aspekt us-amerikanischen Kultur-Imperialismus' zu emanzipieren? Klingt "Kürbis-Nuss-Klopse" wirklich so unsexy? Wie ist's mit "Bouchées potiron aux noix"? "Bolitas de calabaza y nuez"? "Pumpa- och nötbullar"? "nánguā jiānguǒ qiú"?

Die Antwort lautet: Ja!

Ja, deutsch klingt unsexy. Irgendwas haben wir in der Benutzung unserer Sprache falsch gemacht, und bestimmt habe ich da als Doitsch-Lehrery einen gewissen Anteil. 

Ich hab's ausprobiert, und ich kann sagen, ich hab's echt voll drauf, immerhin habe ich diesen Shyce studiert, kenne alle Höhen und Tiefen der toitschen Sprache auf's trefflichste. Außerdem bin ich gelernter  Sprachpragmatiker. Als solcher beeide ich mit der vollen Wucht meiner wissenschaftlichen Kompetenz: Es ist ein dramatischer inhaltlicher Unterschied, ob Du "Pumpkin-Balls" oder "Kürbis-Bällchen" sagst. Das ist nicht nur ein Translations-Problem.

Nein, ich schließe mich natürlich nicht den idiotischen Forderungen der Sprachpuristys ¹ an. Ich fänd's nur schön, wenn Deutsch oder irgendwelche anderen europäischen Sprachen den haut goût der Spießigkeit oder Provinzialität verlören und selbstbewusster auftreten könnten.

Lasst uns fröhlich und entspannt dran arbeiten!


Still aus dem Film "Der Name der Rose" (1986),
KI-frei verändert mit paint.net
Rechts Ron Perlman als Salvatore,
der Mönch, der alle Sprachen spricht, aber keine richtig.


PS: Während ich diesen Text schrieb, hat mein Unterbewusstsein offenbar den Begriff "Kürbis-Klopse" weiter ventiliert und kommt zu dem Ergebnis, dass das eigentlich voll niedlich klingt.




¹ Ich hoffe, es ärgert die Puristys besonders, dass ich an dieser Stelle nach Phettberg gendere.







Freitag, 16. Oktober 2026

Noch 'ne Sinnkrise

 

Boi-oh, 13 Tage Blog-Pause, das war nicht geplant. Mag sein, dass Herbst-Blues eine Rolle spielte, vor allem aber das Gefühl totaler Wirkungslosigkeit. Pispers und Schramm, mit denen zu vergleichen ich mich ansonsten demütigst entblöde, haben aufgrund vergleichbaren Gefühls ihre jeweiligen Karrieren beendet.

Was mich gerade beschäftigt: Laut hallend bricht gerade die bestehende Ordnung zusammen, fliegt uns jede Aussicht auf eine zukünftig menschenwürdige Lebenswelt um die Ohren. Nur, wenn man ganz angestrengt wegschaut, gelingt es noch, an dem 20 Jahre alten Zitat von Warren Buffet vorbeizuschauen

”There’s class warfare, all right, 
but it’s my class, the rich class, 
that’s making war, and we’re winning.”

Warren Buffet im Interview mit Ben Stein 
in New York Times, 26. November 2006, 
oder auch hier.

Sehen wir endlich der Tatsache ins Auge: Wir, die 99 Prozent, haben den Krieg gegen die Reichen verloren. Der entgrenzte Kapitalismus beherrscht die Welt bis ins allerhinterste Eckchen. Punkt.

Vielleicht sollten wir allmählich mal anfangen, uns entsprechend zu verhalten. Wir, die 99 Prozent, sind die besetzte Zone. Wären wir nicht so verdammt korrumpiert, faul, dumm und verantwortungslos, hätten wir in Toitschland längst den Generalstreik wie vor über 100 Jahren gegen den rechtsextremistischen Kapp-Putsch 1920 oder, besser noch, diesen Akt drastischer Solidarität und des flächendeckenden passiven Widerstandes wie im Ruhrgebiet 1923. 

Aber nein, wir fühlen uns als Verliererys anscheinend pudelwohl, oder, wie es ein Bekannter vorgestern sagte: "Uns geht's immer noch viel zu gut!"

Tja, und wenn das denn so ist: Warum gesellschaftskritische Artikel schreiben?


Ruhrkampf 1923, via wiki commons.

Ja, ja, ja, da kann man ganz viel reinpolitisieren und hinterfragen.
Das ist nicht zu leugnen und nicht zu idealisieren.
Mich interessiert nur, warum die Menschen damals zu Solidarität
 gegen einen übermächtigen Gegner in der Lage waren
und wir das heute nicht mehr sind.

















Samstag, 3. Oktober 2026

Thema heute: Wolken

 



↑ Bild 1: Eine Wolke aus der Nähe




↑ Bild 2: Etwas mehr Wolken von etwas weiter weg.



↑ Bild 3: Einige wenige Wolken von noch weiter weg.



↑ Bild 4: Typisch entspannte Handhaltung des Pilotiseurs
nach Thermikende 




Donnerstag, 1. Oktober 2026

Der Ghul auf meinem Dachboden

 

Die eine Sache ist: Im Computerspiel sich durch eine schwerstmehrfach dystopische Welt nach einem Atomkrieg zu schlagen und menschenfleischfressende Ghulys, ebensolche Supermutantys sowie durchgeknallte KI-Roboter und allerhand menschliche Banditys inhaltlich zu stellen. Oder: Bei einem fantastischen Tabeltop-Rollenspiel in einer Welt voller magisch-heroischer Phantasie Monster aller Art und Farbe, (wirklich!) böse Zauberys und Göttys und ihre zahllosen plumpen, dumpfen Schergys in tiefunterirdischen Höhlensystemen zu meucheln, ohne selbst gemeuchelt zu werden. Angenehm gruselig.

Die andere Sache ist: Reale abendliche Krabbel- und Kratzgeräusche auf Deinem leeren, unbenutzten Dachboden! Unangenehm gruselig. 

Beim ersten Mal, vor einem Monat, hörte ich auf dem Dachboden kleine Krallen laufen und kratzen, doch es schien eine einmalige Sache zu sein, denn dann war erstmal Ruhe. Bis letzte Woche. Da klang es, als wolle sich etwas durch die Decke nagen. Von-unten-gegen -die-Decke-klopfen half für ein paar Tage ... bis gestern Abend.  

Die Überwindung, heute Morgen endlich eine Expedition auf den Dachboden zu unternehmen, war besonders groß, da ich dergleichen seit anderthalb bis zwei Jahren nicht mehr unternommen hatte. So konnte ich also mit Fug und Recht allerhand Szenarien erdenken, was Mäuse, Spinnen, große Spinnen, riesige Spinnen, Wespen, Killer-Wespen, vielleicht auch Ratten, Waschbären, Beutelmader, Werwölfe, Zombies in der Zwischenzeit für ein Schreckensregime dort errichtet hätten. ¹

Die Tatsache, dass ich diesen Text verfassen kann, tötet natürlich die Pointe. Der Dachboden war picobello sauber, da war NICHTS, nicht mal nennenswerte Spinnweben. Klar, wird da irgendeine Maus rumlaufen, unvermeidlich bei der Größe und dem Alter des Hauses. Aber die Maus wird da kein Futter finden, außer, seit heute, ein Stück Billig-Wurst in der Lebendfalle. Und wenn Mäuse kein Futter finden, dann verkrümeln sie sich ohnehin.

Es geht mir auch gar nicht um die Mäuse oder die Pointe. Ich könnte mich nur wieder mal restlos über mich selbst beömmeln, wie ich a.) die fällige Dachboden-Exkursion immer weiter vor mir hergeschoben habe und wie b.) meine Phantasie dadurch immer mehr Gelegenheit hatte - und  diese weidlich nutzte - Alpträume von Spinnweben, zerfressenen Dachträgern, explodierenden Nager-Populationen usw. zu entwickeln.

Wann setze ich endlich konsequent um, was ich schon tausendmal gelernt habe: Klare Kante, beherzter Zugriff, das macht mich froh. Prokrastination, Bequemlichkeit, Ausweichen, das führt mich nur ins Unwohlsein² 

"Neulich auf meinem Dachboden"
Still aus einem Spiel, mit paint.net > KI > paint.net bearbeitet.


¹ Okokok, ich gebe zu, dass ich alles nach "große Spinnen" nicht wirklich befürchtete. Aber "Mäuse und Spinnen" klang einfach zu mickrig, um meinen Ängste zu veranschaulichen. Die AfD lebt ausschließlich davon, fiktive Ängste überhaupt erst zu produzieren, und wenn jemand darauf hinweist, dass das doch alles Schwachsinn ist, dann kontern sie, man nehme die Ängste der Bevölkerung nicht ernst.

² Ich möchte an dieser Stelle den Begriff "Depression" vermeiden. Ich hatte wegen des Dachbodens keine Depressionen. Es fühlte sich nur scheiße an. Gleichwohl bin ich aber sicher, dass meine Fähigkeit zur Prokrastination mir reichlich "Niederdrückungen" beschert hat.








Montag, 28. September 2026

Eigenverantwortung: die Lösung des Renten- und Pflegeproblems

 

In unserer turbokapitalistischen¹ und rüstungsgeilen² Welt ist für Pflege und Betreuung im Alter kein Geld da. Das nehmen wir mal so hin. Richtig ist auf jeden Fall, dass wir überaltern  und dass es für die nachkommenden Generationen unzumutbar ist, was da demographisch auf sie zukommt.

Richtig ist auch: Ich habe noch eine statistische Restlaufzeit von knapp 18 Jahren und aufgrund sehr persönlicher Erfahrungen mit betroffenen Familienangehörigen überhaupt keinen Bock, in den immer kaputtgesparteren Bedingungen von Pflege-, Alten- und Sterbeheimen meiner vielleicht eintretenden Dementia senilis und dem unausweichlichen körperlichen Verfall entgegenzuleiden.

Mein größter Horror, und damit meine ich eine psychopathologisch signifikante Angst, ist, meiner Verwandtschaft und/oder später menschlichen Pflegenden auf den Sack zu gehen. Ich möchte ihnen schlicht das Erleben ersparen, mich in immer erbarmungswürdigeren Stadien sehen und mir notlügend irgendeinen vermeintlich positiven Scheiß erzählen zu müssen.

Mein zweitgrößter Horror betrifft die Phasen, in denen meine Ratio kurz über die Demenz obsiegt und mir die ganze Misere bewusst wird, ich aber nichts mehr steuern und veranlassen kann. Lebend in der Ruine meines Körpers und Geistes begraben - wie schrecklich!

Die Lösung zu allseitigem Wohlbefinden ist doch ganz einfach: Jeder Mensch erhält zum 60. Geburtstag eine Edelstahlhalskette mit einem Anhänger, in dem sich eine kleine Pille mit friedlich-finaler Wirkung befindet. Und der Rest ist Eigenverantwortung, individuelle Entscheidung. 

  • Gesundheits- und Pflegesystem werden dramatisch (!) entlastet, denn gerade die letzten Jahre sind enorm teuer.
  • Die Rentenversicherungen werden entlastet, weil kein Mensch mehr gegen seinen/ihren Willen bis zum letzten Atemzug durchhalten muss.
  • Die Schrecken des individuellen Leidens ohne absehbares Ende am Lebensende werden aufgehoben.

Mögliche Gegenrede: Wenn Jedy sterben könnte, wann und wo es ihr/ihm passt, liegen ja überall Leichen rum, gerade an schönen Orten, wohin man sich ja wohl zum selbstbestimmten Ableben zurückziehen dürfte. Nicht gut für's Stadtbild, nicht gut für's Biotop - und überhaupt, was sollen die Kinder denken undsoweiter.

Vorschlag: Ein RFID-Chip in dem Ketteanhänger. Mit Freischaltung, wenn der Anhänger zur Entnahme der Pille geöffnet wird. Dann wüssten entsprechende Institutionen, dass dort was abgeholt werden müsste. Da könnte man auch privatwirtschaftliche Unternehmen mit Konzessionen für bestimmte Regionen beauftragen. Das könnte auch kostendeckend und  sogar profitabel gestaltet werden. 

Vielleicht kommen findige Marketing-Fuzzys auch auf die Idee, besonders attraktive Suicide-locations zu schaffen und zu bewerben. Aber das wäre natürlich nur wieder was für die Reichen.



Still aus "Flucht ins 23. Jahrhundert",
stark verändert mit paint.net, aber KI-frei.


¹ Der Unterschied zwischen "Kapitalismus" und "Turbokapitalismus" ist, dass es in letzterem nicht mehr ausreicht, dass die Reichen immer reicher werden, sondern dass es als zwingend notwendig angesehen wird, dass sie immer schneller immer reicher werden.

² "Rüstungsgeil" meint, dass es sehr hochgradig im Profit-Interesse der Konzerne liegt, dass besinnungslos Rüstungsgüter produziert und für Mondpreise vertickt werden. Damit das Volk, die 99 %, darob nicht murren, muss man sie allerdings kriegsgeil machen, Politsprech: "kriegsbereit". Um die stumpfe Masse kriegsgeil zu machen, muss man Angst schüren. Anders kann man nicht erklären, dass Russland mit einem Militäretat von 190 Milliarden USD wie anno dunnemals zur Bedrohung hochgehypt wird, und zwar von einem Bündnis, das zusammen 1.500 Milliarden USD für Waffen ausgibt - und dass niemand ein logisches Problem darin erkennt!








Sonntag, 27. September 2026

There and back again (J.R.R.T.)

 

Gestern habe ich (wieder einmal) gelernt, was Low-'n-slow-Fliegerei nicht ist: Strecke kloppen. Zwar ist es zuweilen richtig und wichtig, sich Ziele zu setzen und diese auch gegen Widerstände zu verfolgen, aber zuanderweilen ist das freie, unverkrampfte, nieder-energetische Geschehenlassen die angesagtere Option. 

Ich hatte mir die Strecke Barßel - Harriersand bzw. die andere Weserseite in den Kopp gesetzt, und es hat auch geklappt, und es war eigentlich auch ganz schön, wenngleich streckenweise etwas diesig. ↓



↓ Blick nach Norden: Herbstliche Unterweser, Bremerhaven und Nordsee am Horizont.




↓ Spätestens auf dem Rückweg, als die Sonne aus dem Dunst eine Milchglasglocke schuf, wurde die zielgerichtete Hin&Her-Fliegerei ein klitzebisschen langweilig. Und um dann noch Abstecher links und rechts des Weges zu machen, dazu wurde es ein wenig zu frisch, und der Ruf der Natur kündigte sich bereits von Ferne an.




↓ Nicht, dass es nicht schöne Motive zu sehen gab, aber ...



... ich bleibe dabei: Low-'n-slow-Fliegerei, das ist lässiges Herumtändeln im Gartenstuhl am Himmel. Es ist nicht Streckenfliegen, dazu gibt es andere, geeignetere Flugzeuge. Zielorientierte Navigation kann ich auch, aber es ist meine Sache nicht. Starten, gegen den Wind rausfliegen, neugierig sein auf das, was einy begegnet, hinfliegen, anschauen, weiter ... 

Spazierengehen, nicht marschieren.





Mittwoch, 23. September 2026

Die Welt weit.





↑ Ich weiß nicht, was mir besser gefällt: In der Mitte offen und die Wolken am Rand ...

oder ...

↓ in der Mitte Wolken und offen am Rand.






↓ Golden brown, texture like sun / Lays me down, with my mind she runs /



↓ Die Landschaft westlich Oldenburg in frühherbstlichem Tarnkleid.



Und außerdem habe ich noch eine Schwalbe gesehen!












Donnerstag, 10. September 2026

Trumpseidank!

 

Mehr Schlag in die Fresse geht gar nicht: Trump verspricht jedem Ami und jeder Ami'in 5.000 USD, falls die Reps bei den Midterms ihre Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus behalten.

Eleganter, kürzer und brutaler kann man sein eigenes Volk, insbesondere die eigene Wählerschaft, und sich selbst gar nicht beleidigen und herabsetzen ¹.

Im Einzelnen sind in dieser Ankündigung folgende Aussagen enthalten:

  1. Ich habe die Macht und die Absicht, 245 Millionen mal 5.000 USD, ist gleich Einebillionzweihundertfünfundzwanzigmilliarden USD, die ihr Steuerzahlerys bezahlt habt, zu benutzen, um Euch zu bestechen, bei den Midterms meine Partei zu wählen.
  2. Ihr seid so blöd, nicht zu bemerken, dass das Euer Geld ist, mit dem ich hier jongliere.
  3. Ihr seid außerdem so geldgeil, so gierig, dumm und korrupt, dass ihr darauf einsteigen werdet.
  4. Ihr kapiert natürlich auch nicht, dass damit der letzte Funke Demokratie erlischt, oder ihr bemerkt es, aber es ist euch scheißegal.
  5. Ihr stimmt mir also zu, dass es keine Ethik gibt und keine Vernunft, sondern nur grenzenlose Gier nach Geld und Macht. Das ist unser gemeinsamer, fundamentalistischer, quasi-religiöser Glaube, der uns vereint und zusammenschweißt.

Das ist so krass. Das beweist (!), dass Jede/r, die/der die Republikaner wählt, ein erbärmliches, dummes, geldgeiles Arschloch ist.

Ich wiederhole: Kürzer und knapper lässt sich dieser Beweis nicht führen. 

Danke, Trump!

 

(Virchow, 1821-1902, mit paint.net verändert via wiki commons, no AI!)

Wir können immer noch so viel über die Menschen lernen!



¹ Naja, Putin und Erdogan waren und sind auch nicht schlecht, wenn sie ihren Völkern attestieren, sie, die Volker, seien geistig noch nicht reif für die Demokratie. Eigentlich ticken alle Autokratien so. Und die Sachsen-Anhaltinerys haben ja auch ganz klar und deutlich mitteilen wollen, dass sie zu faul, zu dumm und zu unselbständig für Demokratie sind. 

Wenn's passt ...!






Dienstag, 8. September 2026

Wie der Wind ...

 

↑ Seit vorgestern und gestern endlich wieder Luft unterm Flügel! Leer, Ems, ganz hinten der Dollart ...


Gestern lernte ich: Meine treues, kleines Pixel-Drachentrike ist zwar ein Sensibelchen, wenn es um starke Thermik und böigen Wind geht, kann aber ziemlich souverän mit gleichmäßigem Wind umgehen.



↑ Zugegeben: 37 km/h über Grund sind jetzt nicht so die Sensation, aber wenn man in Nordsee-Nähe in 300 m Höhe die Nase eines Drachentrikes in den Wind dreht, ist das eben so. Und mein Brummer lag wunderbar stabil in der Luft, und ich hatte alle Zeit der Welt.

↓ Der Ausgleich kommt, sobald man mit dem Wind fliegt. Beide Geschwindigkeiten habe ich "Hands-off" erreicht. D.h. ich habe keine Kraft auf die Stellung der Tragfläche ausgeübt. Das ist bei Drachentrikes die energieärmste und intelligenteste Art des Fliegens, weil dann die Fläche sich selbst in die jeweils optimale Position bringen kann. Bei Windstille brumme ich dann mit etwa 70 km/h dahin und benutze die Motorkraft nur, um die Höhe zu halten.



 

Fazit: Bei gleichmäßigem (!) Wind werde ich meine fliegerische Comfortzone peu à peu erweitern.   

Montag, 7. September 2026

Konsequente Demokratie

 

Sorgt Euch nicht: Demokratie, die Herrschaft des Volkes, ist an der Arbeit!


1. Strophe: Der Denkfehler im Grundgesetz

Ist das Volk zu habgierig, wählt es jene, die am meisten Geld versprechen.

Ist das Volk zu bequem, wählt es jene, die versprechen, es bleibe alles wie's vor 30 Jahren war.

Ist das Volk zu dumm, wählt es jene, die ihm am meisten Honig ums Maul schmieren.


2. Strophe: Das Versagen etablierter Parteien

So kommen jene an die Macht, die die Macht um ihrer selbst willen wollen.

So kommen jene an die Macht, die am skrupellosesten lügen.

So kommen jene an die Macht, denen dieses habgierige, bequeme und dumme Volk eigentlich scheissegal ist.


3. Strophe: Endlich konsequent

Und dann sagt das Volk: Da wir habgierig, bequem und dumm sind, wählen wir immer nur machtgeile, skrupellose Lügner, denen wir eigentlich scheissegal sind.

Und dann sagt das Volk: So kann das nicht weitergehen! Es wird Zeit, dass hier mal jemand gehörig aufräumt und, wenn nötig, über Leichen geht! Wir wollen nicht mehr wählen dürfen müssen. Ums Verrecken nicht.

Und dann verreckte das Volk. Und niemand heulte ihm eine Träne nach.



(Mit paint.net verändert via wiki commons)
Die Leichenberge des Zweiten Weltkriegs sollten uns lehren, 
wie wichtig die Freiheitlich-demokratische Grundordnung ist. 
Hat aber nicht geklappt.








Montag, 31. August 2026

Wörterbuch Herbst 2026 für Faschos und CEOs (unvollst.)


Bescheidenheit = Dummheit, Schwäche

Bildung & Wissenschaft = Lügen für Schlafschafe

Ehrlichkeit = Dummheit

Empathie = Wokes Weichei, Dummheit, Schwäche

Ethik = Ausrede für Versager¹, Verlierer, Feiglinge und Spaßbremsen

Fleiß = Da geht noch mehr!

Kompromißbereitschaft = Schwäche, Kapitulation

Leistung = Da geht noch viel mehr!

Loyalität = Einbahnstraße zur Profitmaximierung Einzelner

Rücksichtnahme = Dummheit, Schwäche

Solidarität = Dummheit

Transparenz = Lüh-gän-präss-ssä

Verhandlungsbereitschaft = Schwäche

Vernunft = Lügen-Ausrede für Versager, Verlierer, Feiglinge, Spaßbremsen, Schlafschafe, Grüne, Linke, Woke, FDGO-Fuzzys

Verständnis = Dummheit, Schwäche

Wahrheit = Lüge


(verändert via wiki commons, geo und mithilfe paint.net, aber ohne KI)

Vor den Nazi-Führern müssen wir keine Angst haben. 
Angst haben müssen wir vor den Idioten
ganz unten in der Nazi-Nomenklatura.

Das sind die Leute, mit denen man im Nazi-Staat
direkt zu tun haben wird. 





¹ In diesem Text gendere ich ausnahmsweise mal nicht. Wegen Kürze-Würze und so.














Freitag, 28. August 2026

Verfassungsgeschichte

 

Die Leute, die unsere Verfassung gemacht haben, sind ganz selbstverständlich von folgenden Prämissen ausgegangen:

  • Alle Macht geht vom Volke aus, denn das Volk ist klug, verantwortungsbewusst, solidarisch und die kompetenteste Instanz in eigener Sache.
  • Politische Parteien haben die Aufgabe, das Volk bei der Willensbildung zu unterstützen, indem die Parteien Angebote formulieren und begründen und das Volk auswählen kann.
  • Staatliche Schulen haben die Aufgabe, junge Menschen zu künftigen mündigen Staatsbürgys zu erziehen, die ebenfalls klug, verantwortungsbewusst, solidarisch und die kompetenteste Instanz in eigener Sache sein können.
  • Die selbstverständlichen ethischen Grundlagen sind die "Goldene Regel" sowie die Pflicht der Starken, für die Schwachen einzutreten und schließlich der Grundsatz, Eigentum habe dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen. 


Ich muss mir diese Punkte immer wieder bewusst machen, denn es ist in letzter Zeit so verdammt schwer geworden, als selbsternannter FDGO-Ultra unsere Verfassung gegen ihre Gegner zu verteidigen. Das liegt natürlich auch daran, dass die Idee gerade so extrem beschissen verwaltet wird. Manchmal habe ich das Gefühl zu einer oppositionellen Minderheit zu gehören, aber das ist natürlich Quatsch. Ich fänd's nur schön, wenn andere Menschen auch mal laut & deutlich gegen die Arschlöchys aufträten, die gegen unsere gute, alte Verfassung agieren.

Und damit meine ich nicht nur AfD, sondern auch auch Politikys, die vergessen, dass sie nur unsere Dienstleister, keineswegs Herrscher oder CEOs der BRD / eines Bundeslandes / einer Kommune sind. Und ich meine jene Ministerys, denen die Verfassungsgemäßheit ihres Handelns völlig wumpe zu sein scheint. Und ich meine Super-Reiche, die einzig ihre Gier zum privi-leg, zum Privat-Gesetz erheben.


(via wiki commons > paint.net > KI > paint.net)
Die Macherys 








Freitag, 21. August 2026

Kulmination des Kapitalismus

 

Bemerkenswert, wie die portugiesische Tourismus-Industrie herumeiert: Man greint über ausbleibendes Wachstum, als wäre ein jährliches Plus von 3 % praktisch null. Deshalb investiert man in noch mehr Bettenburgen. Gleichzeitig freut man sich über weniger Touristys - ein Widerspruch innerhalb des Artikels, aber wir kennen ja das Stichwort "Overtourism" -  und sieht die Zukunft nur noch im hochpreisigen Segment, jenseits des für die Massen erschwinglichen.

Ich habe hier schon häufiger jenen Gastronomen zitiert, der mir versicherte, ihm seien 20 reiche Gäste lieber als 200 arme.

Ich verstehe die Logik, und in der Konsequenz ist es auch völlig richtig, dass Jeff Bezos halb Venedig mieten kann, um dort eine private Feier zu veranstalten und dass der Trump-Clan us-präsidiale Macht missbraucht, um weltweit Luxusressorts zu erwerben, während bei uns die Kaufkraft der Rest-Mittelschicht in Kosten für Sprit, Gas, Sozialkürzungen und Umverteilung von unten nach oben rückstandslos verdampft wird und immer weniger Menschen sich Gedanken über lukrative Urlaubsziele machen müssen.

Die Behauptung, der Kapitalismus sei am Ende, ist völliger Quatsch. Das Gegenteil trifft zu: Der Kapitalismus kulminiert zusehends, bewegt sich störungsfrei auf seine höchste Vollendung zu. Die Feststellung "Die Reichen werden immer reicher, die Nicht-Reichen immer ärmer!" war nie so wahr, wie heute. Wir sehen einen Prozess, genauer: einen Aufschaukelungs-Kreis, eine positive Rückkopplung. Denn je reicher die Reichen werden, desto mehr Macht erhalten sie, das System zu stabilisieren, das sie immer schneller immer reicher werden lässt. 

Dieser Prozess hat kein konkretes Ziel, es gibt keine mathematisierbare Bedingung unter der wir konstatieren können, nun habe der Kapitalismus seinen Endsieg errungen.

Aber: Spätestens, wenn einem Menschen ALLES gehört, und die restlichen 10 Milliarden Menschen besitzen NICHTS, dann ist ein Endpunkt erreicht, und wir dürfen schon mal gespannt sein, was danach kommt.¹


(sehr stark verändert via wiki commons
Bearbeitung: Paint.net > KI > paint.net)



¹ Ja, natürlich könnte man das weiterspinnen, der final-superreiche Oberarsch will das Universum kaufen usw., aber wir sollten unsere Überlegungen auf Homo sapiens und den Planeten Erde beschränken. Schon damit sind wir ja intellektuell völlig überfordert.








Sonntag, 16. August 2026

Maximaler Kick: Verantwortung

 

Lese die Forderung, angesichts der brutal deutlichen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels solle der Kanzler-Darsteller seinen Urlaub abbrechen. Was für'n Quatsch, denn

  1. was soll er denn tun?
  2. was würde er überhaupt tun wollen?
  3. welche fachliche Kompetenz hätte er einzubringen? 

Genau so quatschig ist die Schuldfrage:

  1. Die Konzerne sind nicht schuld, denn Konzerne sind hirntote, zur Schuld unfähige, also unethische Maschinen zur Profitmaximierung.
  2. Politische Parteien und Politikys sind nicht schuld, denn politische Parteien und Politikys sind hirntote, zur Schuld unfähige, also unethische Maschinen zur Erringung, zum Erhalt und zur Maximierung politischer Macht.

Das Fiese an einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist, dass die vollumfängliche Verantwortung¹ bei den Staatsbürgerys liegt.

Das Gute an einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist, dass die vollumfängliche Verantwortung¹ bei den Staatsbürgerys liegt.

Wenn man der FDGO einen Vorwurf machen kann, dann ist das: Die Erschafferys gingen davon aus, dass die mündigen Staatsbürgerys kluge, kritische, verantwortungsbewusste, allgemeingebildete, selbstlose, empathische, solidarische Menschys seien.

Für dumme, egoistische, kleingeistige, konsumkorrumpierte Arschlöcher gibt es keine Freiheit, keine Demokratie, keine Verfassung, keine Rechtsstaatlichkeit. Sie wollen nicht denken, nicht entscheiden, keine Verantwortung. Das strengt sie zu sehr an. Darum wählen sie lieber Ober-Arschlöcher, die immer und überall bereitstehen.




(KI-frei verändert mit paint.net via wiki commons)

Der Fischadler verfügt nicht
über Fluch und Gnade,
ethische Schuld haben zu können.



¹ Man könnte auch sagen: Die Fähigkeit zur Schuld. Etwas, das nur Menschen haben und etwas, das Mensch und den Rest der Welt unterscheidet.








Freitag, 14. August 2026

Mach's Dir selbst: Teuflischer Plan zur Höllenfahrt


Ich bin ja total begeistert: 

Der Einsatz von KI bei der Textproduktion wurde allenthalben als problematisch erkannt, und schon gibt es fundierte Lösungen, die als der aktuelle heiße Scheiß gefeiert werden: Pangram, Grammarly u.v.a.m. sind KIen, die kostenlos Texte analysieren und anschließend deren vermutliche anteilige KI-Herkunft als Prozentangabe ausspucken ... und dann einen kostenpflichtigen Service anbieten, besagte Texte zu KI-humanizen, so dass niemand, auch das Analyse-Tool selbst, mehr merkt, dass es sich um KI-generierte Texte handelt.

Brilliant: KI hilft uns, Probleme zu lösen, die wir ohne KI nicht hätten, und das Geschäftsmodell der "KI-Humanizer" schöpft Profit aus dem Widerspruch, dass wir KI irgendwie voll doof finden und deshalb bereit sind, viel Geld für KI-Dienstleistungen zu bezahlen, die vertuschen, dass wir in erheblichem Umfang KI benutzen.

Ich finde dieses Geschäftsmodell deshalb brilliant, weil es menschliche Dummheit und Verlogenheit zur Quelle des Profits macht. Fundamentalistische Religionen (d.h.: alle Religionen) schöpfen ihre Macht aus ähnlichen Quellen, z.B. mit ihrem teuflischen Sex-Tabu: Alle machen's, alle leugnen's, alle zahlen irgendeinen Preis in Form von Ablass, Unterwürfigkeit, wasauchimmer. Niemand denkt über Verhaltensalternativen nach.

Das System ist selbst-stabilisierend. Und was je individuell bei KIen und Sex funktioniert, funktioniert auch beim globalen Klima: 

Wir wissen, dass wir spätestens vor 30 Jahren hätten radikal umsteuern müssen, aber selbst heute, da uns - wie prognostiziert - das Klima um die Ohren fliegt, wird öffentlich verdammt und gevierteilt, wer Verhaltensänderung, De-growth, Suffizienz vorschlägt. Stattdessen werden als Antwort auf die Dürre künftig Flussbetten gesprengt und vertieft, was ja bekanntlich schon bei der Elbe so völlig daneben ging und im Sinne der Wasserhaltekapazität von Landschaften diametral kontraproduktiv ist.

Würden die unfassbaren Summen, die jetzt in die sogenannten "Klimaanpassungsmaßnahmen" (was für ein teuflisch-dummes Wort!) gesteckt werden, in einen vernunftbasierten Umbau der Gesellschaft investiert, wär's schlauer. Aber wir belügen uns lieber und zahlen einen irrsinnigen Preis, als dass wir unser Verhalten kritisch reflektieren und also ändern.

In "Faust I" wettet der Teufel auf die Dummheit und Verlogenheit der Menschen. Goethe rettet die Geschichte am Ende von "Faust II" mit einem deus ex machina. Bei uns wird das anders enden: Die Super-Reichen werden sich von den Folgen des Klimawandels noch eine Zeit lang (!) freikaufen können. Mittelstand und Arme schmoren dann schon längst in der Hölle und maulen über die unerträgliche Hitze.


(via wiki commons: Gründgens als Mephisto, 1960)

I feel you, Mephisto!













Dienstag, 4. August 2026

Ikone unserer Idiotie

 

(stark verändert und ästhetisiert via wiki commons, keine KI, nur paint.net.)

Eine Ikone unserer Idiotie:

Weil wir mit unserem selbstmörderisch-opulenten Lebensstil die Klimaerwärmung so befeuern, dass aufgrund der Extremwetterlagen Dürren entstehen und Flüsse austrocknen, sprengen wir neue Flussbetten, damit Atomkraftwerke gekühlt werden können, deren Müll uns für Jahrhundertausende vor Entsorgungsprobleme stellen wird, die wir uns kaum ausmalen können. Ohne Atomkraftwerke scheint aber der Lebensstil, der Ursache für den ganzen Scheiß ist, nicht durchhaltbar.

Wir könnten natürlich auch mal drüber nachdenken, ob das mit unserem Lebensstil so eine tolle Idee ist, aber das tun wir nicht, weil Bequemlichkeit und Geldgier dagegen sprechen. Lieber sprengen wir die Donau aus der Bahn.

Ich würde so gerne die Hoffnung haben, wir könnten dazulernen, aber die Zeiten, sie sind nicht so.


 




Sonntag, 2. August 2026

KI-Manifest für diesen Blog

 

Texte: 

Es gibt hier keine KI-Texte. Es gibt hier ausschließlich Texte, die von der ersten Idee bis zum humpfzigsten Korrekturlesen, vom ersten bis zum letzten Zeichen von mir gemacht sind. Kein Text ist auch nur in die Nähe von KI gekommen. Für mich eine Frage der Schreibenden-Ehre. Ja, ich bin altmodisch, aber das sind Geigenbauerys auch.


Bilder:

A.) Rohe Bilder:
Meine Fotos, z.B. die Fliege-Bilder, sind im Regelfall unbearbeitet. Ich reduziere allerdings oft die Größe, um die Ladezeiten zu verkürzen. Manchmal wähle ich auch nur Ausschnitte aus. In seltenen Fällen begradige ich bei den Fliege-Bildern die Horizont-Linie, wenn das Foto den Eindruck erweckt, ich würde Kunstflug betreiben oder im Luftkampf mit 6 G einen Gegner auskurven wollen. Meistens habe ich dann nur die Kamera schief gehalten.

Für derartige Bild-Korrekturen benutze ich immer paint.net, ein Programm, so komplex wie eine Keule.

B.) Bearbeitete Bilder:
Auch wenn die Bilder von wiki commons gemeinfrei sind, verfremde ich sie gerne, z.B. in Farbe und Kontrast mit Hilfe paint.nets. Auf jeden Fall gebe ich die Quelle an. Bilder aus anderen Quellen verändere ich so stark nach meinem ästhetischen Gutdünken, dass ich sie zu etwas Eigenem mache. Das befriedigt mich ästhetisch und vermeidet Copyright-Komplikationen. Oft stehen auch einfache Handskizzen (Bleistift auf Papier, die Älteren werden sich erinnern) am Anfang.

Diese Form der Bearbeitung dieser Bilder beginnt mit paint.net, gelegentlich ergänzt durch ein Grafik-Tablett. Dann kann (oder auch nicht) ein Schritt folgen, in dem ich das Halbfertigprodukt mithilfe einer KI in einen anderen Malstil übertrage. Derzeit fahre ich z.B. voll auf Linolschnitt ab. Auf jeden Fall geschieht die finale Bearbeitung wieder mit paint.net. 

Das fertige Bild muss mir das Gefühl geben, von Anfang bis Ende "mein Bild" zu sein. Die KI darf beim Schaffensprozess bestenfalls die Rolle eines recht komfortablen Malprogramms einnehmen. Wer Erfahrungen in Ölmalerei hat, weiß, was es bedeutet, ein Bild "totzumalen". Man kann ein Bild auch "tot-KI-en". In beiden Fällen kannste das Werk nur noch wegschmeißen. Ich weiß, wovon ich rede... 

Ansonsten: Ich achte sehr darauf, in jeder Bildbeschriftung ausdrücklich darauf hinzuweisen, falls KI im Spiel war. 

C.) Bilder, die es hier nicht gibt:
Reine KI-Schöpfungen, d.h. Bilder, deren Existenz mit einem Prompt beginnt.
Bilder deren Inhalt irreführend / verfälschend / verlogen ... etc. ist. Abscheulich! Und wahrscheinlich der Untergang der Kultur, wie wir sie kennen.




(via wiki commons)

Ich mein', bei Klimt, da siehste sofort,
dass der mit KI rumgemacht hat.
Kann ja gar nich' anders sein.








Freitag, 31. Juli 2026

Opa erzählt ...

 

Manchmal sehne ich mich nach einer Partei wie die SPD der späten 1960er und frühen 1970er Jahre ... Nee, das stimmt nicht: Ich sehne mich nach Politikys wie Willy Brandt und Helmut Schmidt, wie Bahr und Wisniewski. Dabei bin ich nicht so naiv, anzunehmen, diese Herrschaften hätten keinen Dreck am Stecken, wären nicht machtgeil gewesen u.v.a.m. 

Aber:

Sie blieben - in ihrer politischen Verantwortlichkeit¹ - stets moralisch integer, und die einzige Lobby, der sie sich verpflichtet fühlten, waren die abhängig Knechtenden und nicht, wie heute, die mächtigen Konzerne.

Brandt hatte den Friedensnobelpreis redlich verdient. Und Schmidt hat zwar bei der Sturmflutkatastrophe 1962 ganz bewusst seine Kompetenzen überschritten und als Hamburger Innensenator grundgesetzwidrig (!) die Bundeswehr (!!) für zivile Aufgaben (!!!) eingesetzt, aber niemand fand das schlimm, weil man damals™️Politikys nicht grundsätzlich verdächtigen musste, ausschließlich aus krankhaftem Egoismus und Machtgeilheit zu handeln.²

Wenn damals™️ einy Politiky öffentlich gegen unser Grundgesetz, gegen unsere Verfassung verstieß, dann war das so unfassbar schlimm, dass wir alle gedacht haben: "Okay, entweder hat er/sie echt gute Gründe oder sie/er geht lebenslänglich in den Knast, wird mitsamt seiner/ihrer Partei NIEMALS wiedergewählt!" Man nannte das "Vertrauen" und "Demokratische Verantwortung". Heute verstoßen Politikys routiniert gegen das Grundgesetz, wenn es der befehlshabenden Lobby so gefällt, und wir reagieren nur mit allgemeiner Politikverdrossenheit, haben uns dran gewöhnt und verachten sowohl ausnahmslos alle Politikys als auch alle Lobbyistys, was die aber überhaupt nicht juckt. 

Verachtung ändert ja nichts an den Machtverhältnissen. Das war früher ™️anders.

Brandt und Schmidt sind natürlich nur prominente Beispiele, und ganz zweifellos idealisiere ich hier auch ein bisschen, um klarzumachen, worum es mir geht: Ich achte und schätze ihre Fähigkeit, uneigennützige, verantwortliche Entscheidungen zu treffen, die sie möglicherweise den Kopf kosten könnten. 

Und ich achte und schätze, dass sie sich auch für die Schwachen eingesetzt haben³.


Bundeswehr-Einsatz Strumflut 1962, 
per paint.net verändert via wiki commons


¹ Ich betone das, weil im privaten, menschlichen Bereich ... muss man da wohl ... genauer hinsehen ...

² Man vergleiche z.B. Spahn und die Maskendeals. 

³ Ja, ich weiß: Bei Schmidt war das nur undeutlich erkennbar.







Montag, 27. Juli 2026

Der Dampfdruck steigt.

 

Früher™️ dachte ich gelegentlich, man müsste mal eine Viertelstunde Zeit haben, mit Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler oder sonstigen Hochwichtigen unter vier Augen zu sprechen.

Inzwischen weiß ich: Bestünde die Möglichkeit, dass diese Leute unter dem Eindruck stichhaltiger Argumente ihre Meinung oder, mehr noch, ihr Verhalten ändern würden, dann wären sie nicht durch die Selektions-Hölle parteipolitischer Hierarchie-Ebenen dorthin aufgestiegen, wo sie jetzt sind.

Ich habe nicht mehr das Bedürfnis mit Merz, Klingbeil, Linnemann, Amthor, Bas, Söder oder sonstwem aus dieser Mischpoke zu reden. Sie sind allesamt voll-immunisiert gegen Vernunft, Empathie und Ethik. Es gibt keinen Kanal mehr zwischen den Herrschenden und den Beherrschten, keine gemeinsame Sprache, keine gemeinsame Kultur.

Erbärmlichkeit allenthalben. Man könnte resignieren, wäre da nicht die ernstzunehmenden Gefahr, dass sich der Konflikt eines Tages explosionsartig entlädt.



Rumänien 1989
-via wiki commons - mit paint.net, dann Linolschnitt-Style via KI, dann nochmal paint.net