Donnerstag, 12. Februar 2026

Marmeladentoast-Lamento

 

Wollte gerade der Tristesse draußen etwas Schönes entgegensetzen und beim gemütlichen, muckeligen Frühstück drinnen nebenbei die aktuelle "Diplo"¹ weiterlesen. 

Erst las ich den Artikel darüber, dass die Amis sich bereits seit 2024 in Stellung gebracht haben, die künftigen russischen Öl- und Gaslieferungen nach Europa unter die Kontrolle des Trump-Clans zu bringen. Mittlerweile wird nicht mehr dementiert, dass Nord Stream 2 durch ukrainische Geheimdienstler mit Hilfe der Amis gesprengt wurde, jene Leitung, die zu kaufen und wiederinstandzusetzen sich amerikanische Konsortien hinter den Kulissen nunmehr bemühen, während die Europäer sich zeitgleich darin überschlagen, sich vom russischen Energie-Fossil abzukoppeln. 

Die Russen verhandeln mit den Amis, wer von ihnen zu welchen Konditionen nach Europa liefern wird. Dass wieder geliefert werden wird, steht außer Frage, und dass die Europäer nicht mal gefragt werden, auch. Das scheint auch die aktuellen Ukraine-Gespräche zu betreffen. Ich Naivling dachte, es ginge um Frieden, dabei geht es in Wirklichkeit nur darum, dass Selenskiyji unzufrieden ist, dass die russischen Pipelines durch die Ukraine künftig von den Amis und zu deren Profitmaximierung betrieben würden, auch, weil man die Europäer dann damit so hübsch erpressen kann ...

Ich erspare weitere Details, empfehle dringend die Lektüre des Artikels "Schattendiplomatie um Nord Stream", weise aber darauf hin, dass die Diplo stets ausführliche Quellenangaben zu jedem Artikel mitliefert, ungewöhnlich für eine Zeitung, gut gegen Fakes und Verschwörurungstheorien.

Es folgt der Artikel über Venezolanisches Öl nach der US-Intervention und wer daran verdient (Spoiler: US-Ölfirmen und Trump), und mir bleibt der Marmeladentoast im Halse stecken, und das ist jetzt (fast) keine Metapher. 

Ich mag nicht mehr weiterlesen, dann tue ich's doch, weil ich denke, so weit kommt's noch, dass ich Augen vor der Realität verschließe, dann lese ich weiter, zwinge mich dazu, und vor Wut und Ekel und Enttäuschung macht mein Magen echt dicht. Zum Glück habe ich ein autoritäres Verhältnis zu meinem Körper und kann ihm befehlen, den letzten Happen Toast gegen somatischen Widerstand hinunterzuwürgen. 

Dann überlege ich mir, wie bescheuert es ist, so mit seinem Körper umzugehen, trinke den Rest Kaffee (- das geht widerstandslos -) und beschließe, diesen Text zu schreiben.

Meine Wut und meinen Ekel muss ich ja wohl nicht erklären. 

Aber meine Enttäuschung: 

Die Enttäuschung bezieht sich auf mich selbst. Es war heute Morgen mal wieder so eine Situation, in der mir blitzartig vor Augen geführt wurde, dass ich, der ich mich für einen vergleichsweise rundum wohlinformierten, angemessen kritischen und folglich durch und durch zynischen alten Drecksack halte, wieder einmal von der Realität rechts überholt wurde. 

Meine Annahmen über die Welt, d.h. die Menschen sind schon so abgrundtief bissig und böse und schlecht und negativ und ... wasweißich ..., dass ich dachte, tiefer ginge es nicht mehr. Auch ein Gebäude mit drei Keller-Etagen und unterirdischem Parkhaus muss ja irgendwo ganz unten eine allerunterste Betonplatte haben, die sagt: "Hier ist Ende, tiefer reicht das Gebäude nicht. Es kommt noch bisschen Sand und Kies und dann der einst natürliche Untergrund. Aber das Gebäude ist hier zu Ende."

So eine Betonplatte meine ich, und ich dachte, in meinem Alter und meinem jahrzehntelang  erworbenen und gezüchteten Zynismus hätte ich diese metaphorische Platte schon in Sicht. Tja, welch ein Irrtum, und darob die Enttäuschung.

Bleibt die Frage, wo denn nun wirklich die aller-aller-aller-unterste Grenze menschlicher Schlechtigkeit ist. 

Hm ...

Vielleicht müssen wir uns von dem Gedanken einer festen, absoluten Grenze verabschieden. Das ethische "Race-to-the-bottom" hat keine Ziellinie. Gewinner² wird immer der sein, der noch eine beschissenere, menschenfeindlichere Idee hat, während die anderen schon innehalten, angewidert von sich selbst, sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und sich zu ihrer irrsinnigen bis dato bewiesenen Bösartigkeit, die sie als Cleverness interpretieren, gratulieren. 

"Unendlich" ist keine Zahl, Du kannst immer "1" addieren.

"Kapitalismus" ist kein gesellschaftliches System, Du kannst immer noch mehr Profit generieren.


(Verändert via wiki commons)

Sehr schön! 1854 hat Éliphas Lévi versucht, das maximal Böse darzustellen. 
Allein der Versuch wirkt aus heutiger Sicht lächerlich und bemüht.
Das söhnt mich ein bisschen mit meiner eigenen Naivität aus.

Ich stelle mir irgendein armes Schwein vor,
das sich den Widderkopf oder die satanische "666" hat tätowieren lassen,
und sich für einen, huuh, ganz beeindruckenden Bösewicht hält
 und dann die Diplo liest und feststellt:
Satan ist so ein erbärmlicher Loser, Alter!



¹ Gemeint ist die "Deutsche Ausgabe der 'Monde diplomatique', Februar 2026", aber coole connaisseure sagen natürlich nur "Diplo".

² Es hat keinen Sinn, hier zu gendern.






Freitag, 6. Februar 2026

Wahlverhalten - der Versuch, es zu verstehen

 

Immer häufiger fragt man sich kopfschüttelnd, warum die Leute bestimmte Parteien wählen. Damit diese Frage nicht rein rhetorisch bleibt, stelle ich hier meine plausibelsten Hypothesen vor. Der Bewußtseinsstrom gibt weder meine Meinung wieder noch beansprucht er vernünftig bzw. logisch zu sein:


CDU

Ja, man muss streng mit uns sein! Die Wirtschaft, die Wirtschaft, die Wirtschaft ist alles, das Volk ist nichts. Wenn's uns zu gut geht, ist's auch nicht gut. Früher ging's uns auch nicht gut, warum sollen die Leute heute es besser haben? Außer die Obrigkeit, Politiker und Firmenchefs, aber die müssen es natürlich besser haben, was sollen sonst die Nachbarn denken? Darum wähl' ich CDU.


CSU

Die CSU ist Bayern und Bayern ist die CSU, und Bayern befiehl, wir folgen Dir. Das ist ja nicht umsonst so, das ist gottgegeben, das steht ja schon im Parteinamen. 


AfD

Ich habe einen viel zu kleinen Pimmel und ich bin selbst auch der Auffassung, dass ich charakterlich und kognitiv viel zu beschränkt bin, um in menschlicher Gesellschaft ein Bein an Deck zu kriegen. Ich schließe mich drum den Nazis an, und wenn die an die Macht kommen, dann werde ich Teil eines Machtapparates, dann bin ich nicht mehr allerunterster Müll, sondern kann zum Mittelmüll aufsteigen, wenn ich mich richtig ranschmeiße, sogar zum Obermüll. Dann kann ich Schwächere drangsalieren, und attraktive Geschlechtspartner stehen reihenweise bei mir an. Tja, da staunste, wa?!


SPD

Naja, ich wähl' die SPD, weil die früher den Kurt Schumacher hatten. Ich weiß, der Schumacher ist gestorben, jetzt ist der Willy Brandt dran, der macht das auch ganz ordentl ... Was? Der ist auch schon tot? Ach ja, ich hab' gehört, der Helmut Schmidt macht das jetzt, den mag ich eigentlich nicht so gern, aber egal, ich wähl' weiter SPD.


Die Grünen

Also, ich bin ja total engagiert. Aber sowas von! Egal was. Umwelt, Klima, Frauen, Männer, LGBTQIA+H⁺, Veganismus, Rassismus, Sexismus, Krieg, Frieden, Palästina und Israel, für und gegen das, was in der Ukraine läuft, Hyper-Integration und Yoga. Das ist so viel, da kommste zu nix. Zu gar nix. Deshalb wähle ich "Die Grünen", die erledigen das alles für mich, und ich kann mich um andere Sachen kümmern. Das fühlt sich gut an, Grüne wählen.


FDP

Ich wähle die FDP, weil ich in puncto Kapitalismus unter dem Stockholm-Syndrom leide. 


BSW

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Die Linke

Ich wähle die "Linke", weil die als einzige verfassungskonforme, sozialdemokratische Politik machen und anscheinend nicht korrupt sind. Schaunmermal.




(Kurt Schumacher - via wiki commons)







Mittwoch, 4. Februar 2026

Oje, die herrschende Klasse ist unzufrieden mit uns, owei, owei!

 

Ach herrje, es macht mich ja ganz betroffen: Unsere Herrscher herrschen uns an, wir seien zu faul, zu krank, zu hedonistisch. Ojeojeoje, die Obrigkeit ist unzufrieden, was sollen wir nur tun?

Zwei Lösungen:

Erstens: Wenn die Herrschaften mit ihrem Volk unzufrieden sind, müssen sie sich ein anderes suchen, eines, das darauf steht, verachtet und nach allen Regeln des ungehemmten Kapitalismus' ausgebeutet zu werden.

Zweitens: Machen wir uns bitte nochmal klar, wie die Machtverhältnisse sind: Wir, das Volk, haben denen vorübergehend die Verwaltung in die Hände gelegt. Dass das wieder mal eine personale und sachliche Fehlentscheidung war, zeigt sich allzu deutlich und sollte alsbald korrigiert werden. Dass DIE UNS anscheißen, ist im Drehbuch einer freiheitlich-demokratischen Verfassung aber nicht vorgesehen, und ich verbitte mir das.

Außerdem: 

Wenn die von uns dummerhafterweise mit den Regierungsgeschäften Beauftragten auch nur einen Funken Verstand hätten (was sie nicht haben) und wenn sie ihre tatsächliche Rolle innerhalb unserer Demokratie verstünden (was sie nicht tun), dann würden sie, statt ihre Auftraggebenden ein ums andere Mal zu beleidigen, fragen, warum denn wohl niemand mehr Bock hat, für dieses Wirtschaftssystem zu knechten.

Im Gegensatz zu unserer Nomenklatura,  den "Ratten in der Bildsäule"¹, bezweifle ich sehr, dass es unter den abhängig Beschäftigten eine grundsätzliche Leistungsunwilligkeit gibt. Ich kenne jedenfalls nur Menschen, die sich für ihren Beruf den Arsch aufreißen würden, sofern

  • das Arbeitsumfeld wertschätzend ist,
  • das Gehalt ohne Weiteres auskömmlich ist,
  • die sogenannte Arbeitgeberseite ihre Fürsorgepflichten ernst nimmt,
  • zwischen Unternehmer und Beschäftigten ein Verhältnis gegenseitiger Loyalität herrscht.

Ich kenne andererseits auch fast nur Menschen (und zähle mich selbst dazu), 

  • die sich krank melden, weil sie es entweder sind oder weil das Management es nicht schafft, eine vernünftige, d.h. schaffbare Arbeits- und Ablauforganisation zu gewährleisten und weil man seitens des Managements das Ausbrennen eiskalt billigend in Kauf nimmt und eigentlich auch normativ erwartet,
  • die innerlich längst gekündigt haben, da sie immer wieder erfahren haben, dass ihre Leistungen nicht nur nicht gewürdigt, sondern schlicht von niemandem zur Kenntnis genommen werden. 
  • die definitiv keinen Grund haben, sich für das Unternehmen einzusetzen, da sie wissen, dass sie umstandslos gefeuert werden, sobald sie nicht mehr zwingend zur weiteren (!) Profitmaximierung benötigt werden.

Das sind natürlich Probleme, von denen Merz, Linnemann, Spahn, Amthor, Klingbeil etc. etc. pp. nichts wissen, weil sie niemals in vergleichbarer Situation waren. Besagte Herrschaften kennen und vertreten ausschließlich die Seite der Konzerne. 

Als Masse der mündigy Staatsbürgys müssen wir uns natürlich die bittere Frage gefallen lassen, wie durch unser Wahlverhalten dieser Haufen von Arschlöchern² an die Macht kommen konnte - und das nicht zum ersten Mal. 


(via wiki commons)
Der sechzehnte Ludwig.
Der hat sich auch sehr von seinem Volk distanziert.
Ich weiß gar nicht, was aus dem geworden ist ...



(via wiki commons)
... Ah, doch, jetzt fällt's mir wieder ein.
Raue Zeiten, damals.
Würden wir heute so nicht mehr machen.




¹ Zur Erinnerung: J.G. Herders Fabel


"(...)

'Ihr wisset, Prinz, daß man an vielen Orten dem Geiste des Orts Bildsäulen aufzurichten pflegt; diese hölzernen Statuen sind inwendig hohl und von außen bemalet. Eine Ratte hatte sich in eine hineingearbeitet; und man wußte nicht, wie man sie verjagen sollte. Feuer dabei zu gebrauchen getraute man sich nicht, aus Furcht, daß solches das Holz der Statue angreife; die Bildsäule ins Wasser zu setzen, getraute man sich nicht, aus Furcht, man möchte die Farben an ihr auslöschen. Und so bedeckte und beschützte die Ehrerbietung, die man vor der Bildsäule hatte, die - Ratte.'

(...)"


² Ja, ich habe selbstverständlich darüber nachgedacht, ob diese Formulierung nicht zu krass ist. Aber dann habe ich überlegt, wie gemein und dauerhaft die Arschlöcher UNS beleidigen, und da dachte ich, ok, dann ist das jetzt wohl der Ton, in dem wir diesen Diskurs führen.




Montag, 2. Februar 2026

Küchenphilosophie

 

Der von mir sehr geschätzte Wissenschaftliche Leiter des "Deutschen Panzermuseums", Ralf Raths, hat neulich in einem fürchterlich berechtigten Verriss eines Buches über Panzer dessen Verfasser in einem Nebensatz u.a. vorgeworfen, er betreibe "Küchenphilosophie". Scheint in Bezug auf eine Veröffentlichung mit hohem Anspruch in der Sache eine verständliche Kritik, aber das Schlagwort hat bei mir gepiekst.

Bis dahin kannte ich nur das Wort "Küchenlatein" als spöttische Bezeichnung für alle möglichen sprachlichen Variationen und Mixturen, derer sich jene bedienten, die keine akademische Sprachausbildung an den literarischen Vorbildern der klassischen Antike hatten. Da diese "professionellen" Sprachkenntnisse aber bedeutendes soziales Distinktionsmerkmal - und im Falle der katholischen Kirche auch ganz konkretes Machtmittel - waren, arbeitete sich der weniger privilegierte Teil der Menschen daran ab, diese Sprachbarriere irgendwie mithilfe aufgeschnappter Sprachbrocken anzugehen, während sich die akademisch Gebildeten bzw. die Scholastiker über das zwangsläufige Scheitern des Pöbels köstlich beömmelten. Immerhin stabilisierte jedes lächerliche Scheitern der Ungebildeten den höheren sozialen Status der Gebildeten. 

Zur "Küchenphilosophie": Die Analogie ist klar, oder? Darf ich Philosophie nur auf der Basis eines entsprechenden Studiums betreiben? Mache ich mich lächerlich, wenn ich ohne entsprechende akademische Ausbildung über Gut & Böse, Ästhetik und Grundfragen des Lebens usw. nachdenke? 

Einige "studierte" Philosophys würden das begrüßen: Einen abgegrenzten, geschützten Bereich, einen Claim, in dem nur sie und niemand sonst mit professioneller Welterkenntnis auskömmlichen Profit machen dürften. Als Grenzposten ließen sich Heidegger¹, Adorno und Wittgenstein prostituieren. Wer die nicht anbetet, kommt nicht rein und wird lächerlich gemacht.

Zugegeben, das war plumpe Provo.

In allen Fachgebieten muss es Expertys geben, die High-Potentials und die Hochkaräterys, die die vorderste Forschungsfront in ihrem Fachgebiet immer ein Stückchen weiter gegen das Unsagbare vorschieben. Aber das machen die natürlich nicht, um ein Stockwerk nach dem anderen auf einen Elfenbeinturm zu zimmern, und sie sollten es idealerweise auch nicht ausschließlich im Hinblick auf kapitalistische Verwertungsinteressen² machen. 

Diese Expertys arbeiten für uns, das ist ihre gesellschaftliche Aufgabe. Und unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es, dieses Wissen zur Kenntnis nehmen und zwar in buchstäblich jedem Fachgebiet, egal, ob Geistes- oder Naturwissenschaft, ob Mathe oder Philo. So gut es uns möglich ist. Denn wir sind (siehe neuer Blog-Titel!) der/die/das Souverän. Wir müssen Entscheidungen treffen. Weitreichende Entscheidungen.

Und von Jedy muss folglich eine möglichst (!) umfassende Allgemeinbildung erwartet werden, damit diese Entscheidung eine möglichst solide Basis hat. 

Dy mündigy Staatsbürgy, das ist dy Universal-Dilettanty.

Falls das zu schwer zu lesen ist:
Die mündige Staatsbürgerin, das ist die Universal-Dilettantin.

Und für alte, denkfaule cis-Männer:
Der mündige Staatsbürger, das ist der Universal-Dilettant.

Lasst uns also die Expertys feiern. Aber lasst uns noch viel mehr jene feiern, die "nur" über das universelle, das fächerübergreifende, allgemeine Küchen-Wissen verfügen, es täglich aktualisieren, dann kontextualisieren und dann für ihren alltäglichen Struggle und die anstehenden politischen Entscheidungen fruchtbar machen. Denn auch das ist ein Leistung - wenn sie denn erbracht wird.


(via wiki commons)
Mangels Praxis dürften meine Französisch-Kenntnisse
auf das Niveau "Küchen-Französisch" abgesunken sein.
Aber das hindert mich nicht, mich gegebenenfalls
ganz gut damit durchzuschlagen
(und neulich J. Brels "Amsterdam" mitzugröhlen).



¹ Das kommt hier jetzt ruppiger rüber als es gemeint ist. Aber ich habe gerade Heideggers Kommentare zum Dao-de-king in  "Das Sein und das Nichts" gelesen und war sehr ernüchtert.

² Fühlt Ihr mein sprachliches Geholpere an dieser Stelle? Konjunktiv irrealis und ganz viel "eigentlich" im Subtext...





 

Sonntag, 1. Februar 2026

Textuelle Inkontinenz - ohne Ende

 

Ooookee, ich habe nicht mal zwei Wochen den ästhetischen Attacken widerstehen können, nachdem ich neulich den ganzen Weblog-Politik-Kram wegen erkannter Wirkungslosigkeit hingeschmissen hatte. 

Wichtige Zeit zum Nachdenken, wichtige Distanz zur Kontemplation.

Ergebnis:

  1. Es ist in der Tat völlig wirkungslos, immer wieder festzustellen und mit klugen Argumenten zu beweisen, dass Konzerne¹ in ihrem Streben nach Profitmaximierung völlig enthemmt Dinge tun, die wir in unserem kleinbürgerlichen Verständnis von Ethik und Anstand als ekelerregend gierig, egoistisch, abscheulich beurteilen. Entfesselter Kapitalismus ist das Wesen von Konzernen. Konzerne und entfesselter Kapitalismus bedingen einander. 
  2. Es ist weiterhin völlig wirkungslos, immer wieder festzustellen und mit klugen Argumenten zu beweisen, dass Politikys um so mehr zu hemmungslos machtgeilen, skrupellosen egomanischen und per se inkompetenten, korrupten Arschlöchern mutieren, je höher sie in der schwiemeligen Halbwelt von Partei- und Polit-Ämtern aufsteigen. Machtgeilheit und Politiky-Sein bedingen einander.² 
  3. Die Kulmination der Machtgeilheit findet sich bei den Autokraten und jenen, die es werden wollen. Aber auch hier ist die Kritik an der Einzelperson wirkungslos, denn krankhaft machtgeile Narzisstys findest Du an jeder Ecke. Sie sind austauschbar. Hätte Hitler, ein mäßiger, kleiner Kunstmaler, den Ersten Weltkrieg nicht überlebt, hätte irgendein anderer Knallkopp den Faschismus in Deutschland proklamiert, und die Massen hätten ihm ebenso dummwillig die absolute Macht in die Hände gelegt. Das ist heute nicht anders als vor 100 Jahren. Die Person Hitlers, das Individuum, zu analysieren und zu kritisieren ist daher nicht zielführend.
Wenn das kritische Nachdenken über unsere gesellschaftlichen Verhältnisse aber weder beim herrschenden System des Kapitalismus' noch bei individuellen Macht-Habern sinnvoll, d.h. wirkungsvoll angreifen kann, wo denn dann?

Wir müssen da hingehen, wo alle freiheitlich-demokratischen Verfassungen die Macht verorten. Im doitschen Falle, Art. 20,2 GG, heißt es: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." Und kommt mir nicht mit Einwänden, wie "Jaaa, das ist die Theorie, in der Praxis blablabla..." Wenn der Souverän in diesem unserem Staate von irgendwelchen Verfassungsfeinden, offenen oder verdeckten, sich die Butter von Brot hat nehmen lassen, dann wird es höchste Zeit, das zu ändern. 

Warum hat es eigentlich noch keine Revolution zur Wiedereinsetzung unserer Verfassung gegeben?³

Kurz gesagt: Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen greift immer zu kurz und daneben, sofern sie nicht ganz unten an der Basis, nämlich bei den mündigen Staatsbürgys angreift. "Denen da oben" die Schuld zu geben, ist einfach, bequem und gefährlich irreführend.

Pathetisches Fazit: Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass auch 2026 trotz und alledem und gerade drum ein politischer und also gesellschaftskritischer Blog geführt werden kann und muss. 



(verändert via wiki commons)
Wenn man immer nur "das System" ankackt
und nicht auch die Millionen Leute,
die es perpetuieren,
kann eine Revolution nur in die Hose gehen.



¹ "Konzern" wird hier synonym zum "Großunternehmen" gebraucht und definiert als ein Unternehmen, das so groß ist, dass es für Management und Shareholder völlig belanglos ist, mit welchem Produkt bzw. welcher Dienstleistung hemmungslos Profit maximiert wird. Ein Tante-Emma-Laden oder eine bäuerliche Landwirtschaft kann nicht beschließen, ab morgen ins Ölgeschäft, in Finanzdienstleistungen, Medien, Autobau, Luft- und Raumfahrt einzusteigen.

² Ja, ich weiß: Man hört auch immer wieder von ein paar Kommunal-Politikys die sich gaaanz toll und selbstlos für ihre Ortsteile, Gemeinden usw. einsetzen. Ja, bei denen entschuldige ich mich natürlich, sobald wir den reinen Altruismus gesucht und gefunden haben. Aber: Wenn Kommunal-Politikys aus dem Nähkästchen plaudern, hört man früher oder später nur Geschichten, dass Parteipolitik ein Drecks-Geschäft sei, ein intrigantes Hauen-und-Stechen, und dass immer nur die maximal-denkbaren Arschlöcher als Sieger daraus hervorgehen, Posten erhalten, aufsteigen. Das klingt nicht nach der Selektion der Kompetentesten. Außerdem ist die Korruption auf der Ebene der Kommunen am umsatzstärksten. Auf Bundesebene sind die einzelnen Deals zwar üppiger, aber dafür gibt es viel weniger, und die Kontrolle ist brutaler.

³ Ich bin dafür. Ich muss auch dafür sein, denn ich habe bereits drei Mal in meinem Leben einen Eid auf besagte Verfassung geschworen. Und ich bin stolz drauf und fühle mich selbverständlich daran gebunden. 

Montag, 19. Januar 2026

Besser Ende als erbärmlich.

 

Es hat keinen Zweck mehr. Dieser Blog lebte von der Hoffnung, man müsse den Menschen nur den Schrecken, das Entsetzliche, Gefährliche und Menschenverachtende der aktuellen Lage mit klugen Gleichnissen, mit eleganten oder kantigen Argumenten vor Augen führen, dann würden sie, endlich aufgeklärt, unverzüglich die Geschichte zum Guten drehen, zur Solidarität, Empathie und zum Erhalt einer menschenlebenswerten Umwelt etc. etc.

Drauf geschissen!

Die total enthemmte Profitgier hat Vernunft und Empathie längst restlos plattgemacht. Nur die Superreichen sind untereinander solidarisch. Die Armen sind es nicht, dafür bekommen sie gerade eben so viel Brot und Spiele, dass sie sediert sind, sich nicht solidarisieren und nicht revoltieren. 

Brutalerweise ist diese Situation allen Beteiligten voll bewusst.¹

In so einer Situation kann man keine gesellschaftskritischen Texte mehr schreiben, man machte sich zur tragischen Witzfigur. Wie erbärmlich wär's, Applaus für kunstvoll verpackte Gesellschaftskritik, für messerscharfe Analysen und geniale Kontextualisierungen zu ernten, wohl wissend, dass diese Kritik nur geduldet wird, da sie definitiv ÜBERHAUPT NICHTS verändern wird.

Berühmtere und tausendmal bessere Leute als ich² haben ob dieser Erkenntnis das Handtuch geworfen. 

Ich tu's jetzt auch.


Auf der Flucht nach Gan Wandorra

1.138 Texte
in 13 Jahren
mit ⌀ 40 Lesys / Tag


¹ Natürlich gibt es immer ein paar richtig Dumme, die es wirklich nicht verstehen, aber der Anteil ist zu vernachlässigen. Wesentlich höher dürfte die Zahl jener sein, die sich dumm stellen, um ihr Verhalten nicht ändern zu müssen.

² z.B. Schramm, Pispers, die ich sehr bewundere




Mittwoch, 14. Januar 2026

Tschösss, Winter!

 

BÄÄMMM! Nimm dies, Shyce-Winter:



Und dies! Und dies! Und dies!

Du bist am Arsch, Winter, aber sowas von!!!




Dienstag, 13. Januar 2026

Analyse des Horrors

 

Aus gegebenem Anlass präzisiere ich nochmals die Gründe für mein Entsetzen über die laufenden politischen Entwicklungen:

Ich bin NICHT entsetzt darüber, dass Trump ein Psychopathen-Arschloch ist. Davon gibt es viele, wir würden ja nie fertig werden mit dem Entsetzt-Sein.

Ich bin NICHT entsetzt darüber, dass Trump sein Psychopathen-Arschloch-Sein umsetzt. Es war von Anfang an klar, was er beabsichtigt, und jetzt so zu tun als sei man verblüfft, ist entweder Ausdruck immenser Blödheit oder ekelerregender Heuchelei.

Ich bin allerdings entsetzt darüber, wie die Welt wieder einmal reagiert, besser: nicht reagiert. Das Psychopathen-Arschloch bedroht einen NATO-Staat. Reaktion? "Hm, reden wir drüber... Jaja, Grönland ist gefährdet, ganz unrecht hat er nicht ... hm ..." Oder Venezuela: "Die Lage ist komplex..." Ja, wenn man ein prinzipienloser Opportunist ist, dann ist es komplex. Für normale Menschen ist der Fall klar. Für die Konzerne übrigens auch: Konzerne kennen kein Europa und keine Loyalität. Wenn Trump Grönland überfällt, dann fragen sie nach dem für sie möglichen Profit, nicht nach Ethik.

Politikys und Konzerne sind ausnahmslos - und mittlerweile: per definitionem - der Abschaum der Menschheit: Maximal korrupt, maximal egoistisch, nur noch Ratten in der Bildsäule. Der Rest der Menschheit ist mehrheitlich auch nur noch Abschaum, obendrein zu doof und zu feige, um als Politiky oder Konzernschranze aufzusteigen. Statt krankhafter Gier nach Geld und / oder Macht sind wir nur hirntot konsumgeil. 

Unter dem Abschaum müsste in der Logik der Metapher allerdings irgendwo Most sein, oder?

Hat da jemand zielführende Hinweise? Ich verliere allmählich meine Hoffnung.


(verändert via wiki commons)
Nur noch Faulgase, ganz bis zum Grund.



 



Mittwoch, 7. Januar 2026

Simple Definition

 

Zivilisation:
Die Starken unterstützen die Schwachen.

Barbarei:
Die Starken berauben die Schwachen.

Ekelhaft:
Mittelmäßige Mitläufer schleimen sich bei den Stärkeren ein
und bereichern sich auf Kosten der Schwächeren.



Beispielphoto - stark verändert via mdr



 

Sonntag, 4. Januar 2026

Live-Bericht unserer Fahrt zur Hölle

 

Nun denn: Ich habe gerade zwei Ansätze zu Versuchen (frz.: essayer) über aktuelle Politik und unsere Verantwortung gemacht, als mir auffiel: Es bringt ja doch nichts. Es verändert sich nichts. Auch Venezuela wird nichts verändern, außer zum Noch-Schlechteren.

Versprich den Leuten, sie dürften weiter SUV-Verbrenner kaufen, Fleisch fressen, Kreuzfahrten und Türkei-Urlaube machen, sag ihnen es gäbe gar kein Klima, schon das sei gelogen, und wenn ein Mann gelegentlich mal seine oder irgendeine andere Frau oder rotzfreche Gören verprügelt, sei das ein ganz natürliches Verhalten. Und was die alten Nazis gemacht haben und was die neuen Nazis machen werden, sei ja nicht Alles schlecht, viel besser jedenfalls als dieser links-grün-woke-versiffte Kackshyce.

Dagegen kommen wir nicht an. Wir, die progressiven, empathischen, solidarischen, vernunftgesteuerten Menschen, haben den Kampf verloren. 


(Still aus dem Film "1984", verändert.)





Dienstag, 30. Dezember 2025

Über Wünsche

 

Als ich noch Kind war, erläuterten meine Eltern mir, wenn man eine Sternschnuppe sähe, dürfe man sich etwas wünschen, allerdings diesen Wunsch nicht aussprechen, sonst ginge er nicht Erfüllung.

Ich bin ziemlich schnell auf die schlaue Idee gekommen, dass man sich wünschen könnte, drei Wünsche frei zu haben. Und dann dachte ich, der erste dieser drei Wünsche könnte ja darin bestehen, sich tausend Wünsche zu wünschen. Und der erste dieser tausend Wünsche könnte klugerweise sein, eine-milliarde-million-milliarde-million Wünsche frei zu haben.

Und als ich begriffen hatte, dass der Wunsch nach unendlichfacher Vermehrung freier Wünsche die einzig logische Option sei, wenn man nur einen Wunsch frei habe, da war der Zauber der Sternschnuppe für mich unwiederbringlich zerstört. Und auch die Märchen von Feen, die Dir ein bis drei Wünsche zu erfüllen versprechen, waren restlos kompromittiert. 

Im Falle der Feen stellte ich mir Jahre später zusätzlich die Frage, wer die Feen eigentlich autorisiert, wer sie finanziert, die Ressourcen bereitstellt und die Anzahl der Wünsche limitiert - und warum?

Ihr versteht, was es bedeutet, wenn ich sage "Der Zauber war zerstört.", nicht wahr?

Als Kind, bei der Sternschnuppen-Sache, habe ich sehr schnell frustriert begriffen, dass ich mir die Sache selbst kaputtgemacht habe. Ich werfe mir nicht vor, damals aus Gier gehandelt zu haben, das war's nicht. Ich bin sauer auf mich selbst, weil ich zugelassen habe, dass gefühllose Logik und die bedingungslose Unterwerfung unter das Diktat positivistischer Realitätsauffassung  einen schönen, zauberhaften Gedanken plattgemacht haben.

Heute glaube ich wieder an die Sternschnuppen und dass ich einen Wunsch frei habe, wenn ich eine sehe. Und weil Sternschnuppen ja immer total überraschend und meist nur ganz kurz auftreten, habe ich mir für diese Fälle einen Standard-Wunsch zurechtgelegt, den ich ohne langes Raisonnement denken kann, wenn ich eine Sternschnuppe sehe.

Diesen Wunsch aktualisiere ich permanent. Es ist ein unerschöpflicher Quell der Selbsterkenntnis, sich selbst dabei über die Schulter zu schauen und festzustellen "Ach, sieh mal an, DAS ist Dir gerade wichtig!? So, so."

Und siehe: Wünsche, deren Ergebnis nicht mathematisierbar ist, erfüllen sich oft! Sofern man sie sich bewusst macht.

Übrigens: Sollte ich eines Tages keinen anderen Wunsch haben, als etwas, das mit Geld zu bezahlen wäre, dann wär's Zeit abzutreten.


(stark verändert via wiki commons)






Samstag, 27. Dezember 2025

Definiere: Rechtspopulismus

 

Heute auf Mastodon einen angelsächsischen Text gefunden, der ohne Quellenangabe auch auf FB, X, Insta, Threads kursiert und sehr punktgenau beschreibt, was MAGA bzw. Trump machen und warum sie so "erfolgreich" sind.

Ich erlaube mir eine sinngemäße Übersetzung für europäische, doitsche Verhältnisse, ersetze also "MAGA" und "Trump" durch "Rechtspopulismus".

"Die Leute fühlen sich nicht zum Rechtspopulismus hingezogen, weil er Lösungen für die wesentlichen Probleme unserer Gesellschaft bietet. Sie fühlen sich zu ihm hingezogen, weil er ungebildeten, unsicheren, wütenden Menschen sagt, dass ihre Dummheit und Ignoranz eigentlich eine Stärke ist.

Er gibt ihnen ein Drehbuch, in dem nichts jemals ihre Schuld ist. Gebt den Einwanderern die Schuld. Gebt den 'Eliten' die Schuld. Gebt den Demokraten die Schuld, gebt jedem die Schuld, außer der Person im Spiegel.

Er macht Rassismus und Sexismus zu einer politischen Identität. Er lässt Unwissenheit heroisch erscheinen. Und die Massen schlucken das, weil es ihnen erspart, sich weiterzuentwickeln, zu lernen oder sich zu verändern.

Sie wollen keine Führung. Sie wollen Bestätigung für ihre Ignoranz. Und der Rechtspopulismus gibt ihnen diese Bestätigung jeden Tag aufs Neue."


Dem ist nichts hinzuzufügen.





(stark verändert via wiki commons)








Donnerstag, 25. Dezember 2025

Crimpzange. Ach ja, und wir sind im Arsch. FF & FNJ


Sehr schön, die Russen unterstützen jetzt ganz offen und inhaltlich bestärkend die Amis bei den Attacken auf Europa, hier im Zusammenhang mit den "Zensurvorwürfen", sprich: Europäischem Datenschutzrecht, Digitale-Dienste-Gesetz usw..

Es wäre jetzt an der Zeit, nein, eigentlich ist es schon fast zu spät, dass Europa nun fest und demonstrativ zusammensteht gegen immerhin zwei großmächtige Autokratien, die es plattmachen wollen.

Ich spoilere mal, was passieren wird: Europas Populisten-Autokraten¹ werden immer mächtiger, weil sie von den Amis und / oder Russen gepampert werden und weil die Wählerys immer dümmer, fauler, verantwortungsloser "Demokratie" mit "Wähl-Dich-reich!" verwechseln. Europa wird auseinanderbrechen, die einzelnen Länder werden sich an diese oder jene Seite ranwamsen, kluge Taktiker schaffen vielleicht eine zeitlang ein Doppelspiel.

Verhindern könnten wir das nur, wenn wir, ich meine: alle Wählenden in Europa, bereit wären Härte zu zeigen, nicht in erster Linie militärisch, sondern v.a. wirtschaftlich. Wir müssten Zölle, Boykotts, Drohungen, einbrechende Exportumsätze in Kauf nehmen, Energie ganz woanders her beziehen, auch, wenn's teurer wird usw. usw. 

Das wird alles nicht passieren. Polen, Ungarn, Tschechien sind völlig korrumpierbar, die Konzerne der westlichen EU-Länder sind längst global players, denen ist doch der Europa-Gedanke längst scheißegal, und keinesfalls werden sie dulden, dass Profite geschmälert werden, nur, um ein paar mächtige Psychopathen einzuhegen. 

Die deutsche Regierung verdient den Namen nicht mehr, da sie sich ausschließlich als Vollstreckerin der Konzerninteressen versteht. Da wird nicht regiert, da wird auf Zuruf reagiert, aber hopphopp, bitte.

Was tun? Keine Ahnung. Ich sehe keine Chance und keinen Sinn mehr darin, sowohl gegen die selbstmörderische Bierärschigkeit des Wahlvolks als auch gegen die Allgewalt der wahren Herrschenden anzutreten, wenn die beiden sich doch so herrlich einig sind. 

Gegen Putin im Verein mit Trump ist nichts auszurichten, aus reinem Trotz kaufe ich daher bevorzugt bei den Chinesen. Die sind zwar auch autoritär, aber dabei beweisen sie mehr Stil und vor allem mehr strategische Logik als der zum Fremdschämen peinliche orangene Kasper.

Zu Weihnachten habe ich mir eine chinesische Crimpzange mit reichlich Zubehör geschenkt. Hervorragende Qualität, ungeschlagenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gäbe es wirklich einen freien Markt, hätten die Chinesen uns ohnehin längst eingesackt.



 Abb. stark verändert.
Crimpzange. Ich sach' ma' so:
Wenn Du erstmals ein hast,
musst Du echt aufpassen,
nicht alles zu verdrahten und dichtzucrimpen.
Sach' hinterher nich', ich hätt' Dich nich' gewarnt!



¹ Nein, ich gendere das nicht. Absichtlich nicht.




Donnerstag, 18. Dezember 2025

Erschöpft.

 

Wer hat Trump die Macht gegeben, ein weiteres Mal? Wer freut sich über das Verbrenner-Aus-Aus und wird weiter fette SUVs kaufen? Wer wird die AfD an die Macht hieven? Wer macht weiterhin Urlaub in der Türkei und guckt Fußball-WM? Wer glaubt an Frieden durch immer mehr Waffen und an Wohlstand durch immer mehr Unterdrückung? Wer glaubt mit religiöser Inbrunst, d.h. entgegen allereinfachster Logik, an unbegrenztes Wachstum in einem System begrenzter Ressourcen? 

Klagt nicht über die Regierenden, die bedauernswerten Psychopathen.  

Der Schwachsinn ist so offensichtlich. Die Argumente so allseits bekannt und klar. Was zu tun ist, zweifelsfrei.

Ich habe keinen Bock mehr zu kämpfen. 

Weckt mich, wenn und falls Vernunft wieder herrscht. 

Frohe Feiertage.



Gipps eigentlich noch die Option "Ende mit Schrecken"?
Nee? Is' alle?
Nur noch "Schrecken ohne Ende"?!
Mist!



 

Montag, 15. Dezember 2025

Leider nicht vom Aussterben bedroht.

 

Ich habe neulich einen lupenreinen, in der Wolle gefärbten, waschechten, homozygoten Egoisten kennengelernt. Was mich dabei so sehr faszinierte, dass ich's hier dokumentieren muss, ist die Tatsache, dass der Mann so offen und hemmungslos selbstsüchtig, eigennützig, ausschließlich auf seinen Vorteil bedacht ist, dass es für uns halbwegs Standard-sozialisierte zwar grauenhaft, aber in sich auch wieder schlüssig wirkt.

Mehr noch: Ich glaube, der Typ ist in diesem Verhaltensmuster so gefangen, so sicher, so frei von jedem Zweifel, dass er überhaupt nicht realisiert, dass die meisten Menschen um ihn herum von seinem Verhalten etwas irritiert oder auch sehr angewidert sind und dass sie etwas weniger brutalst-konsequent egoistisch sind und hier und da sogar ein bisschen Empathie walten lassen können.

Damit will ich natürlich nicht behaupten, die Mehrheit der Menschen sei nett / empathisch / nicht-egoistisch und solidarisch. Das ist nicht der Fall. Aber die meisten Menschen haben wenigstens eine Ahnung, dass es eigentlich (!) besser wäre, immer noch ein bisschen netter / empathischer / solidarischer zu sein.

Mein obengenanntes Musterexemplar hat nicht nur nicht diese Ahnung, ich vermute darüberhinaus, dass er sich sogar für ein ganz besonders pfiffiges, ausgebufftes Bürschchen hält, dem es immer wieder gelingt, seine Interessen ausschließlich durchzusetzen. Er ist einfach smart, alle anderen sind schlicht zu blöd. Beweis: Wären die anderen ebenso smart, würden sie auch ihre Interessen durchsetzen. Logisch.

Hausaufgabe¹: Untersuchen Sie, welche Verhaltensdisposition im entfesselten Kapitalismus die angemessene ist: Das egoistische Arschloch oder die/der moderate Empathy. 

 



(verändert via wiki commons)






¹ Sry. Déformation professionelle







Samstag, 13. Dezember 2025

Darf man "Plutokratie" sagen?

 

Tante Wiki klärt uns auf, dass "Plutokratie" die Herrschaft der Reichen bezeichnet. Das Wort taucht in letzter Zeit in der politischen Diskussion zur Benennung der realen politischen Verfasstheit der (nicht-geographisch-)westlichen Länder immer häufiger auf, und wer auch nur einen Funken Durchblick hat, wird dem zustimmen: Die Leitlinien unserer Politik wird von den Leuten bestimmt, die die Reichsten in diesem unserem oder irgendeinem anderen Lande sind.

  • Die Reichen können unsere gewählten Politikys wirtschaftlich unter Druck setzen und tun das auch: "Wenn ihr nicht tut, was wir sagen, entlassen wir n-tausend Leute!"
  • Die Reichen können unsere gewählten Politikys schlicht bestechen und tun das auch. Hier nur ein paar Beispiele aus jüngster Zeit.
  • Die Reichen können demokratische Wahlen pervertieren und tun das auch, indem sie mit legalen und illegalen Wahlkampf-Spenden nur die ihnen genehmen Kandidatys finanziell pampern - oder jene, die potentiell in relevante Positionen gehievt werden.
  • Die Reichen können unsere gewählten Politikys mit lukrativen Posten ködern, wenn deren Karriere am Ende ist und tun das auch.

Das ist alles nix Neues, allerdings wird die Dreistigkeit, die Unverfrorenheit, die Schamlosigkeit dieser Prozesse immer offensichtlicher, so dass es uns Normalsterblichen immer schwerer fällt, uns mit dem Traum der Freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu betäuben. 

Die Macht geht nicht vom Volke aus. Macht haben die, die viel Geld haben. Und sie nutzen diese Macht, um immer mehr Geld zu anzuhäufen. Ein Teufelskreis. Eine Plutokratie.

Aber:

Die Nazis, ich meine die Originale, nicht die Abziehbilder, haben den Begriff kompromittiert. Goebbels hat damit seinerzeit eine Verschwörung der USA, Englands und des "internationalen Finanzjudentums" gegen Doitschland herbeigefaked. Und damit ist "Plutokratie" als Schlagwort für mich eigentlich tabu.

Noch ein Aber: 

Die von "Plutokratie" ursprünglich bezeichneten Sachverhalte sind damit ja nicht vom Tisch: Bei uns regieren die Reichen, niemand sonst.¹ Und es wäre gut, das mit einem Wort beschreiben zu können. "Entfesselter Kapitalismus"? "Ultra-Libertarismus" (gibt's das Wort überhaupt)? Das klingt alles sehr holperig, sehr gewollt. 

Und ein drittes Aber:

Was ich immer noch nicht verstehe: Viele von den Staaten, die man im ursprünglichen Wortsinne als "Plutokratien" bezeichnen müsste, sind gleichzeitig auch funktionierende Demokratien mit allgemeinen, freien, gleichen, geheimen Wahlen. Wie kommt es, dass in diesen Staaten Arschlöcher gewählt und immer wieder wiedergewählt werden, von denen man weiß, dass sie vom Großkapital gepampert werden und dass sie nichts weiter als willige, willenlose Erfüllungsgehilfen des Großkapitals sind? Was stimmt mit den Wählys nicht? 

Ich meine: Wer Leuten wie Merz, Linnemann, Spahn, Amthor zur Macht verhilft, weiß doch, was das bedeutet: Bewusstlose, korrupte Lakaien einer ungezügelt krankhaft profitgeilen Konzern-Camarilla. Und dass die gesamte AfD-Mischpoke von antidemokratischen Machthabern gefördert wird, die öffentlich sagen, dass sie Deutschland schaden und Europa zerstören wollen, das weiß man doch längst. 

Wir brauchen uns nicht über "Plutokratie" aufzuregen, solange bei uns in freien Wahlen  mehrheitlich Arschlöcher gewählt und wiedergewählt werden.



(via wiki commons - Evelyn de Morgan - Anbetung des Mammon, 1909)






¹ Diesen ganzen antisemitischen Dreck, der da dranhängt, lassen wir mal unberücksichtigt.





Donnerstag, 11. Dezember 2025

"Christlich" heißt nicht "nett" oder "ehrlich" - im Gegenteil.

 

Huuuuh, in den sogenannten sozialen Medien hacken gerade Alle darauf herum, dass die angeblich christliche demokratische Partei die ehemaligen afghanischen Orts- und Hilfskräfte der doitschen Bundeswehr entgegen anderslautender Versprechen nicht aus ihrem pakistanischen Asyl nach Deutschland kommen lassen.

Allgemein wird beklagt, das sei unmenschlich und werde sich rächen, sobald Doitschland mal wieder am Hindukush oder sonstwo 5.000 km von von Doitschland entfernt verteidigt werden müsse. Und überhaupt, dass so eine Partei das Attribut "christlich" im Namen trage, sei pervers (sinnverdreht) usw. usw.

Lasst stecken die Aufregung! Die vermeintliche Botschaft Jesu ist, will man der Sage glauben, bereits verraten und ad absurdum geführt worden, als er noch lebte. Wenn sich eine Partei an die Märchen-Tradition antiker Wüstenvölker ranwamsen will, dann sollte sie auf Judas, den Verräter, rekurrieren. Denn das ist die einzige Tradition, die von der Christus-Geschichte in realiter überdauert hat: Verrat, Egoismus, Machtgeilheit. Freue Dich, o Christenheit und Frohe Weihnachten.

Wir brauchen uns auch keine Sorgen zu machen, in künftigen Kriegen keine Hilfswilligen mehr zu finden. Wir werden ja keinen Krieg auf zivilisatorischer Augenhöhe führen, das wäre viel zu gefährlich und, schlimmer noch: potentiell geschäftsschädigend. Wir werden wieder dahin gehen, wo es den Menschen sowieso dreckig geht, und da werden wir sie mit unserem Geld zuscheißen. Wer vor der Wahl steht, entweder mitsamt Familie zu verhungern oder von Fundamentalistys massakriert zu werden oder sich der Bundeswehr anzudienen, wird nicht lange nachdenken.



(Verändert via wiki commons)
Ohne Ortskräften wäre Krieg nur halb so lustig.


Samstag, 6. Dezember 2025

Finis Europae


Es ist immerhin des Bemerkens wert, dass die U.S. of A. in ihrer neuen "National Security Strategy" nun auch ganz offen und öffentlich den innenpolitischen Kampf gegen Europa eröffnet haben. Rechtsradikale sollen unterstützt, Migration und Menschenrechte abgeschafft werden etc. etc., die übliche Trump-Scheiße eben.

Wir sollten allmählich zur Kenntnis nehmen, dass "Putins" (warum nicht "Russlands"?) hybride Kriegführung gegen Europa ein westliches Pendant hat, das hinsichtlich der Konsequenzen für unsere Freiheit mindestens ebenso bedrohlich ist. Eigentlich könnten sich die Geheimdienste der Kaiserreiche von Trump und Putin zusammentun, sie verfolgen exakt dieselben Ziele.

Wir sollten wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass alle drei Großmächte dieses unseres Planeten mehr oder weniger offen daran arbeiten, Europa plattzumachen und dass diese Bemühungen, siehe Ukraine-Konflikt, längst erfolgreich sind. 

Europa hat sich verkauft, verhurt, prostituiert, nicht etwa aus kluger strategischer Erwägung, sondern aufgrund kleingeistiger und kleinschrittiger nationaler Egoismen, wirtschaftlicher Bierärschigkeit und Allmachtsphantasien der Konzerne und einer tiefsitzenden, bequemen Scheißegal-Stimmung der Bewohnys. Wir haben folglich nichts anderes verdient. Hört also auf zu greinen, wählt weiter die AfD, die zwar einerseits hirntoten doitschen National-Faschismus fordert, aber deren Vertreter¹ uns sowohl an die Amis als auch an die Russen als auch an die Chinesen verhökern. 

Europa ist am Ende, die ursprüngliche europäische Auffassung von Demokratie, Freiheit, Menschenrechten ist am Ende, das Projekt der Solidarität der europäischen Länder ist am Ende. 

Finden wir uns damit ab. Was mich allerdings zum Schreien bringt: 

Wie leicht wäre diese Niederlage vermeidbar gewesen!


(Verändert via wiki commons)
Europa 1995.
Norwegen wäre noch nett gewesen,
aber man kann nicht alles haben. 
Von hier an ging's bergab.





¹ Warum sollte ich in diesem Fall gendern?

Sonntag, 30. November 2025

Altersgrenze - aber richtig!


Eijeijei, die Renten-Debatte ist natürlich nicht einfacher geworden, da Forschys der Cambridge-Uni feststellten, dass wir im Alter von 32 Jahren den Zenit unserer geistigen Entwicklung erreicht hätten und es danach nur noch abwärts geht, mit nochmal einem deutlich Abwärts-Knick bei 66 und einem letzten bei 83 Jahren.

Das ist ganz unpassend, da wir doch demnächst mindestens bis 69 arbeiten sollen. Zwar gibt es Tätigkeiten, die nicht allzuviel Kognition voraussetzen, aber da geht es dann meist um körperlichen Einsatz, und da gibt es ja noch deutlicheren altersbedingten Schwund. Wir wissen doch alle, wie problematisch es spätestens ab 50 wird, einen neuen Job zu finden. Da bleiben nur die Politik und das gehobene Management. 

Und das Anforderungsniveau wird ja nicht wirklich niedriger. Nach Studien wie der obengenannten wird das Lebenszeit-Fenster für eine attraktive Karriere immer geringer. Studienzeiten werden länger, weil man sich erstmal spezialisieren muss, und mit 40 gehörst Du schon  längst nicht mehr zu den High-Potentials. Wenn wir die Entwicklung fortschreiben, arbeitest Du lukrativ nur noch an Deinem 32. Geburtstag, denn davor bist Du zu unerfahren, danach zu alt. Wenn Du an dem Tag krank bist und/oder Mist baust, bist Du natürlich im Arsch, aber so richtig.

Nää, ernsthaft: Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass die Geronten ab 50+ ein gesellschaftliches Problem darstellen. 

Man muss die Sache mal realistisch sehen, und "realistisch sehen" bedeutet: Unter dem ausschließlichen Aspekt kapitalistischer Verwertungsinteressen. Die altersgebeutelten Ü32-Krüppelys können die Profitmaximierung der Konzerne nur noch schwach befeuern. Der von den abhängig Beschäftigten erarbeitete Mehrwert ist vielleicht noch größergleich Null, aber der Shareholder will selbstverständlich mehr sehen, gerne 26 % und drüber. Als Managy sollst Du ja nicht nur in der Kasse rühren, klar?!

Lass uns annehmen, ab 50-60 ist der Beitrag einys Beschäftigty zum Konzern-Profit gleich null, danach unter null. Einzige wirtschaftspolitisch wünschenswerte Lösung aus Konzernsicht: Abschießen. Und das ist jetzt keine Metapher. 

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Alten noch eine gesamtwirtschaftliche Funktion haben, nämlich das Konsumieren. Lange Zeit galten Jugendliche aus Marketing-Sicht als besonders attraktiv, da sie die Bevölkerungsgruppe mit der größten freien finanziellen Spitze waren und außerdem leicht zu manipulieren. Aber die Jugendlichen sterben ja aus, und da müssen wir, nolens volens, die Alten wieder stärker in den Blick nehmen.

Ganz doof ist's natürlich, wenn jemand alt ist UND kein Geld hat. So jemand kann ja auf keiner Seite, weder bei Produktion noch bei Konsum, die Gesellschaft im Allgemeinen und den Konzern im Besonderen bereichern. Reine Volksschädlinge. Da bleibt gar nichts anderes als die "Entnahme", wie der Jägersmann fachsprachlich formulieren würde. Wenn man da einmal nachlässig wird, läuft das ganz schnell aus dem Ruder. 

Streecks Vorschlag, das Problem über die Verweigerung lebenswichtiger Medikamente anzugehen, geht zwar in die richtige Richtung, reicht aber in summa nicht aus.¹

Das Ganze muss natürlich ochdnuncksgemäß gesetzlich geregelt werden. Wer nicht arbeiten kann und auch kein Geld für Konsum hat, kann in unserer Gesellschaft nicht geduldet werden. Wie die Tötung durchgeführt wird, Schuss, Giftspritze, Guillotine, kann sich die Person aussuchen. Auch die Beträge müssen definiert werden. Wenn Du nicht durch Arbeit zum Profit eines Konzerns beitragen kannst oder willst, solltest Du dennoch 25.000 € pro Jahr ausgeben können ... nee, nicht "können", sondern "müssen". Komm' nicht auf die Idee, nicht zu konsumieren, um dadurch Deine irdische Existenz zu verlängern! So nicht!

Hm, da fällt mir ein, das mit der Tötung klingt ja irgendwie ein bisschen grausam, solange die Leute sich noch nicht so richtig dran gewöhnt haben. Vielleicht sollte man den Alten zusätzlich anbieten, sie einfach abzuschieben. Der Madagaskar-Plan der Nazis ist ja nicht gescheitert, weil er blöd war. Und dann kann man immer sagen: "Wir haben X ja auch die Auswanderung angeboten, aber sie wählte dann doch lieber die Spritze. Das war also ihre ganz persönliche Entscheidung, die wir achten sollten."

Ein Riesen-Vorteil ist natürlich auch, dass die Leute plötzlich wieder richtig, richtig geld-geil werden. Und erpressbar. Wie viel Macht bekommst Du als Arbeitgeby, wenn Deine Lohnsklaven für Lebenszeit schuften müssen. Und Du kannst bestimmen, wer wie viel und wie lange usw. Der feuchte Traum jedes wahren Kapitalitys! Ich sehe schon diese Dankbarkeit der Muschkoten! Die Unterwürfigkeit! Alles nur geheuchelt, aber egal. Als subklinischer Psychopath merkst Du den Unterschied nicht.



(Im Gulag. Verändert via wiki commons, ein bisschen [!] Hilfe einer Bild-KI und viel Arbeit mit paint-net.)

Wenn man motiviert ist, macht die Arbeit auch wieder Spaß!





¹ Entschuldigt, dass ich hier aus der Rolle des Zynikers ausbreche, aber ich kann nicht anders: WIESO ist Streeck noch nicht in Haft? WIESO ist der noch im Amt? WIESO regt sich niemand darüber auf, außer mir?






Samstag, 29. November 2025

Lohnt nicht: Marinemuseum

 

Heute Deutsches Marinemuseum gewesen. Lohnt nicht. Im Innenbereich ein bisschen Geschichte auf viel zu überfüllten Text-Tafeln, Schiffsmodelle, ein paar Uniformen und Kleinkram. Im Außenbereich nur Technik: vier  begehbare Schiffe der Bundesmarine und Krempel. Alles recht schick und neu, nur draußen an einigen Stellen etwas angegammelt. Ok für Leute, die sowas noch nie gesehen haben.

Was fehlt: Kritische Einordnung. Sozialgeschichte. Man fasst keine heiße Eisen an, wie z.B. das Panzermuseum in Munster mit der Themenreihe "Sterben im Panzer". Wir lernen nichts über die Menschen auf den Schiffen. Ach ja, doch: Das war alles ganz schön eng, v.a. auf dem U-Boot. Aber das ist keine so ganz neue Information, und auf einem Fischkutter war's früher auch nicht viel besser. 

Die "Mölders" ging vor 22 Jahren außer Dienst. Kann ich das bei der Begehung erworbene Wissen heute anwenden? Die Gepard ging 2016 als letztes Schnellboot der Gattung außer Dienst, das Konzept ist passé. Was lerne ich außer Schwanengesang? Gibt es noch Minenräumer wie die "Weilheim", die 1995 in Rente ging? Und U10 von 1967 dümpelt zwischen Nachkrieg und den aktuellen High-Tech-Booten der Klasse 212, die eine völlig andere Liga darstellten, wenn sie denn fahren würden.

Alles in allem: Es ist Technikgeschichte von 1955 - 1985. Beim ersten Mal vielleicht ein Hingucker. Aber es bleibt nichts nach. Emotional nichts, gesellschaftskritisch nichts, militärgeschichtlich nicht sehr viel.

Doch: Ich wusste nicht, dass bundesdeutsche Nachkriegs-U-Boote noch die guten, alten G7-Torpedos aus Führers Zeiten verwendeten. Ist diese Information 16,00 € Eintritt pro Nase plus 3,00 € Parkgebühren wert? Nein, ist sie nicht. 

Und was halte ich von den vielen Besuchys um und unter 10-12 Jahren? Jene, die die Schiffe als Spielplatz begriffen und mit dem Instinkt jener Altersstufe genau kapierten, dass es hier um Ballerei auf hohem Niveau ging? Und die ungehindert und unaufgeklärt fasziniert waren von den fetten Bomben, die in Wirklichkeit nur Sonarsensoren waren? 

Hm. Reden wir nochmal über die Intention von Museen DIESER Art ...


Wiki commons, eine Bild-KI, paint-net und v.a.meine Brain-Power 
waren am Zustandekommen dieses Bildes beteiligt.