Ooookee, ich habe nicht mal zwei Wochen den ästhetischen Attacken widerstehen können, nachdem ich neulich den ganzen Weblog-Politik-Kram wegen erkannter Wirkungslosigkeit hingeschmissen hatte.
Wichtige Zeit zum Nachdenken, wichtige Distanz zur Kontemplation.
Ergebnis:
- Es ist in der Tat völlig wirkungslos, immer wieder festzustellen und mit klugen Argumenten zu beweisen, dass Konzerne¹ in ihrem Streben nach Profitmaximierung völlig enthemmt Dinge tun, die wir in unserem kleinbürgerlichen Verständnis von Ethik und Anstand als ekelerregend gierig, egoistisch, abscheulich beurteilen. Entfesselter Kapitalismus ist das Wesen von Konzernen. Konzerne und entfesselter Kapitalismus bedingen einander.
- Es ist weiterhin völlig wirkungslos, immer wieder festzustellen und mit klugen Argumenten zu beweisen, dass Politikys um so mehr zu hemmungslos machtgeilen, skrupellosen egomanischen und per se inkompetenten, korrupten Arschlöchern mutieren, je höher sie in der schwiemeligen Halbwelt von Partei- und Polit-Ämtern aufsteigen. Machtgeilheit und Politiky-Sein bedingen einander.²
- Die Kulmination der Machtgeilheit findet sich bei den Autokraten und jenen, die es werden wollen. Aber auch hier ist die Kritik an der Einzelperson wirkungslos, denn krankhaft machtgeile Narzisstys findest Du an jeder Ecke. Sie sind austauschbar. Hätte Hitler, ein mäßiger, kleiner Kunstmaler, den Ersten Weltkrieg nicht überlebt, hätte irgendein anderer Knallkopp den Faschismus in Deutschland proklamiert, und die Massen hätten ihm ebenso dummwillig die absolute Macht in die Hände gelegt. Das ist heute nicht anders als vor 100 Jahren. Die Person Hitlers, das Individuum, zu analysieren und zu kritisieren ist daher nicht zielführend.
Kurz gesagt: Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen greift immer zu kurz und daneben, sofern sie nicht ganz unten an der Basis, nämlich bei den mündigen Staatsbürgys angreift. "Denen da oben" die Schuld zu geben, ist einfach, bequem und gefährlich irreführend.
¹ "Konzern" wird hier synonym zum "Großunternehmen" gebraucht und definiert als ein Unternehmen, das so groß ist, dass es für Management und Shareholder völlig belanglos ist, mit welchem Produkt bzw. welcher Dienstleistung hemmungslos Profit maximiert wird. Ein Tante-Emma-Laden oder eine bäuerliche Landwirtschaft kann nicht beschließen, ab morgen ins Ölgeschäft, in Finanzdienstleistungen, Medien, Autobau, Luft- und Raumfahrt einzusteigen.
² Ja, ich weiß: Man hört auch immer wieder von ein paar Kommunal-Politikys die sich gaaanz toll und selbstlos für ihre Ortsteile, Gemeinden usw. einsetzen. Ja, bei denen entschuldige ich mich natürlich, sobald wir den reinen Altruismus gesucht und gefunden haben. Aber: Wenn Kommunal-Politikys aus dem Nähkästchen plaudern, hört man früher oder später nur Geschichten, dass Parteipolitik ein Drecks-Geschäft sei, ein intrigantes Hauen-und-Stechen, und dass immer nur die maximal-denkbaren Arschlöcher als Sieger daraus hervorgehen, Posten erhalten, aufsteigen. Das klingt nicht nach der Selektion der Kompetentesten. Außerdem ist die Korruption auf der Ebene der Kommunen am umsatzstärksten. Auf Bundesebene sind die einzelnen Deals zwar üppiger, aber dafür gibt es viel weniger, und die Kontrolle ist brutaler.
³ Ich bin dafür. Ich muss auch dafür sein, denn ich habe bereits drei Mal in meinem Leben einen Eid auf besagte Verfassung geschworen. Und ich bin stolz drauf und fühle mich selbverständlich daran gebunden.
