Sonntag, 14. Februar 2021

Ein jedes nach seiner Art ...


Gerade wichtige Feststellung gemacht: Wie fern oder nahe mir Menschen stehen, erkenne ich am objektivsten an der Art, wie ich mit ihrer Kritik, und ich meine hier ausschließlich negative Kritik, umgehe. Das lässt sich in erfreulich klare Kategorien einteilen.

Kategorie VI: Menschen, deren Kritik mich erfreut, weil ich, wenn die mich doof finden, weiß, dass ich alles richtig mache.

Kategorie V: Menschen, deren Kritik ich vorhersehe, gelangweilt erwarte und leichterhand abschmettern kann.

Kategorie IV: Menschen, deren Kritik ich auf Stichhaltigkeit prüfe.

Kategorie III: Menschen, deren Kritik ich sehr ernst nehme und sorgfältig auf Stichhaltigkeit prüfe.

Kategorie II: Menschen, die in zahlreichen Diskussionen mit mir meistens Recht behalten haben, so dass ich aufgrund dieser Erfahrung meinen Standpunkt sehr grundsätzlich, sehr akribisch und tiefschürfend hinterfrage, falls sie mich mal kritisieren.

Kategorie I: Menschen, die ethisch und spirituell so weise sind, dass ich prinzipiell und ungeprüft mein Verhalten im Sinne der von ihnen geübten Kritik ändere. Eine spätere Revision ist zwar möglich, aber erfahrungsgemäß äußerst selten.

Ja, die Grenzen sind fließend und die Zuordnungen wandelbar. Und manchmal bin ich auch einfach nur störrisch, wenn man mich kritisiert.




(verändert via wiki commons)
Ausschnitt aus der Fotosequenz "Ruth ist störrisch"; E. Muybridge, 1830-1904





Freitag, 12. Februar 2021

Was bin ich froh, dass ich kein Linker bin.

Wieder einmal bewährt sich meine geistige Zuneigung zum philosophischen Taoismus¹, der mich davor warnt und bewahrt, Partei zu ergreifen, mich gar einer politischen Partei anzuschließen. 

In der aktuellen Diplo titelt Leigh Phillips² über "Postwachstum als Illusion" und vertritt die Auffassung, Wachstumskritik sei zwar gerechtfertigt, so sie sich gegen kapitalistische Wirtschaftsstrukturen richte, sobald es hingegen Arbeiter und Bauer und sonstwie Proletarischem an den Wohlstand ginge, sei aber Schluss mit Lustig. Nicht, dass man die Diktatur des Proletariats erschaffe, damit dann nur in ökologisch nachhaltiger Bescheidenheit gelebt werde. Sein Fazit: "... unser Leben wird nicht nur durch den Wohlfahrtsstaat reicher, sondern auch durch Turnschuhe, Lego-Sets, Waffeleisen, ja selbst Flachbildschirme und X-Boxen."

Was lernen wir? Das Proletariat, inclusive die sogenannte "demokratische" Linke, ist auch nur ein Haufen Dummbratzen, genau so spießig, materialistisch und egoistisch wie die Kapitalisten. Den Linken geht es nicht darum, eine lebenswertere, gerechtere, solidarischere Welt zu schaffen, es geht ihnen darum, die Macht, die derzeit Andere haben, selbst zu haben. Gegen die Macht an sich und gegen ihre Ausübung zum eigenen, kurzsichtigen Vorteil und auf Kosten einer menschenwürdigen Umwelt  haben die gar nichts.³ Diese Denke schimmerte schon immer als Imprematur durch alle linken Positionen, nun ist's endlich offen gesagt. Und die Partei unwählbar. Schade eigentlich.



 

(via wiki commons)
Zugegeben: Besser wurd's eigentlich nie.






¹ Es gibt auch einen religiösen Taoismus, den ich aber bestenfalls als Widerspruch in sich verstehe. 

² Muss man den kennen? Ich tu mal so, als müsste man den kennen. Aber in Wirklichkeit habe ich noch nie von ihm gehört.

³ Mich erinnert das an den Befreiungskampf vieler ethnischer Minderheiten. Diese Opfer von Rassismus und Völkermord haben erschreckenderweise herzlich wenig gegen Rassismus und Völkermord einzuwenden. Sie greinen nur deshalb, weil sie nicht ständig was auf die Fresse kriegen wollen, sondern gerne selbst mal austeilen wollen. Man lausche den Jesiden, Kurden, Huthi, Tutsi, Sinti und Semiti mal recht aufmerksam, wenn sie über ihre Utopien plaudern. Weißer Rassismus hatte zwar historisch viel grauenvollere Auswirkungen, aber der Schwachsinn sitzt überall tief.






Donnerstag, 11. Februar 2021

Jesus-Virus

Der Anchorman eines inzwischen furz-konservativ verkrusteten Religionsanbieters soll vor etwa 2.000 Jahren gesagt haben: "Was Ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan." Chapeau, so ein Spruch könnte damals im begrenzten ethisch-kulturellen Kontext nahöstlicher Wüstennomaden ein echter Knaller gewesen sein.   



Ulkigerweise bekommt er durch SARS-CoV-2 eine ganz neue Aktualität. Genauer gesagt: Der Spruch könnte direkt vom Virus selbst stammen, wenn dieser denn mehr wäre als wildgewordene Nukleinsäure.

Der Reihe nach:
Natürlich habe ich gestern, wie überhaupt seit Wochen und Monaten, die öffentlichen Diskussionen um Anti-Corona-Maßnahmen verfolgt, den Streit, das egoistische Gezerre, die dümmlichen Rechthabereien und dreckigen Lobby- und Konzern-Machtspiele um die Frage, wer wann wo wieviel Impfstoff und Test-Sets beauftragt, beschafft und bereitgestellt und wer wann welchen Anspruch auf diese Segnungen von Kapital, Politik und Medizin hat. 

Ulkig daran ist: Die Viren kümmern sich einen Dreck um diese Diskussionen. Viren sind gar nicht fähig, darauf zu reagieren. Sie können nur eins: Wirtszellen veranlassen, sie, die Viren, zu vervielfältigen. Dabei entstehen Billiarden neuer Viren, aber auch Milliarden Kopierfehler, "Mutationen" genannt. Die meisten Kopierfehler führen dazu, dass die resultierenden Viren-Exemplare nicht funktionieren ¹, sie werden folglich nicht weiter vervielfältigt. Einige wenige Kopierfehler führen aber auch dazu, dass das Virus Eigenschaften entwickelt, die es vielleicht noch ansteckender und in der Wirkung noch gefährlicher für uns Menschen und gegen die menschliche Immunabwehr noch resistenter machen. Dieser Prozess setzt sich fort, solange das Virus irgendwo auf dem Planeten aktiv ist.

Warum liste ich diese allseits bekannten Banalitäten hier nochmal auf? Weil ich zunehmend verzweifelt darum kämpfe, zu verstehen, wo genau in dieser banalen Faktensammlung die Begriffe auftauchen, die gerade unsere öffentliche Diskussion dominieren: "Föderalismus", "Bildung", "Frisöre eine Frage der Menschenwürde", "Lobbyverbände fordern...", "Hätte Doitschland einen national-egoistischen Alleingang bei der Beschaffung machen müssen, so wie England, Israel, Ungarn?", "Darf man russischen Impfstoff kaufen, wo die doch den Nawalny...?", "Warum lautiert Frau Karliczek öffentlich?"

Wenn ich mir den letzten Absatz anschaue und ihn inhaltlich mit dem vorletzten Absatz vergleiche, dann ist da ... so gar nichts. Keine Schnittmenge. 

Daher bitte ich nun unsere Macht-Haber*innen, sich gütigst erinnern zu wollen: Wir haben eine Pandemie, also per definitionem ein weltweites Problem. Dieses Problem mit all seinen Mutationen wird erst dann erledigt sein, wenn der letzte Brasilianer, der letzte Aborigine, der letzte Mohikaner und der letzte sachsen-anhaltinische Corona-Leugner immunisiert sind. Bis dahin wird uns diese natürlich entstandene Bio-Waffe immer wieder um die Ohren fliegen.

Andersrum: Die Diskussion, wer zuerst geimpft wird, ist völlig bescheuert! Wir müssen fragen, wer auf dieser Welt zuletzt geimpft wird. Und die Logik des Virus macht es aus menschlicher Sicht sinnvoll, den Zeitpunkt der letzten notwendigen Impfung in eine möglichst nahe Zukunft zu verlegen.    

Noch andersrummer: Jede Lösung, die das Problem nicht als global begreift, ist keine Lösung, sondern völlig bescheuert!

Und schließlich: Jaaa, Jesus hatte in diesem Punkt vollkommen recht. Ich habe auch nichts gegen Jesus, der hat einige gute Sachen gesagt. Ich frage mich nur, warum das aktuelle Management des Christus-Konzerns hier jetzt nicht mit voller Marketing-Macht reingeht und die Message pusht, bissa Arzt kommt. 



(via wiki commons)

Ein Problem beim abrahamitischen Fundamentalismus ist die Kritikunfähigkeit.
Warum hat niemand dem Maler gesagt, dass der einzig denkbare Titel des Bildes lautet: 

"Jesus pupst und seine Jünger fragen ihn, was, zum Teufel, er da wieder gegessen hat".  




¹ Es ist zu bezweifeln, dass Viren überhaupt Lebewesen sind. Daher vermeide ich hier Begrifflichkeiten aus dem Bereich "Leben, Sterben, Tod etc."  

Montag, 1. Februar 2021

Ende der Utopien


Früher einmal war die Selbstaussage, für die Sozis oder für die Grünen zu sein, ein recht klares und umfassendes Bekenntnis zu einer bestimmten Weltanschauung ¹. Diese bequeme Eindeutigkeit haben SPD und Grüne allerdings versaubeutelt, als sie, von Machtgeilheit korrumpiert, ihre Positionen bis zur Unkenntlichkeit verschwurbelten.  

Wenn ich heute schnell und deutlich meinen Standpunkt darlegen will, muss ich mich beim Slang der Hirntoten bedienen und konstruiere das Bekenntnis "Ich bin das, was die Braunbratzen der AfD als 'links-grün-versifft' bezeichnen. Das bedeutet, ich trete aktiv für unsere Verfassung und den Erhalt einer menschenwürdigen Umwelt ein." Das ist viel zu kompliziert, außerdem habe ich keine Lust, mich beim Arschloch-Framing der Neonazis bedienen zu müssen. Was wir dringend brauchen, ist eine aktuelle, kurze und klare Definition dessen, wofür wir stehen.  

Trotz jahrelanger Meditation zum Thema ist es mir bisher nur gelungen, das Ganze auf einen Dreisatz einzudampfen. Und der geht so:

Erstens: Unser derzeitges Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell basiert auf der hemmungslosen, ungebremsten Gier nach Macht bzw. Geld. Dabei sind Macht und Geld austauschbar, denn wer über ein lebensnotwendiges Limit hinaus immer mehr Geld akkumuliert, tut dies, um immer mehr gesellschaftliche Macht zu erwerben, und umgekehrt hat bislang noch jeder Macht-Haber seine Position dazu missbraucht, sich persönlich finanziell zu bereichern. Die erfolgreiche Jagd nach Macht/Geld wird gesellschaftlich positiv sanktioniert, mögen die Mittel ethisch auch noch so verwerflich sein. ("Ein gerissener Hund!"; "Kompromissloser Dealer, der weiß, was er will!") Vernichtung unserer Umwelt, Kriege, Hunger, Unfreiheit, Rüstungswettläufe, Leid, Sklaverei etc. sind die unausweichlichen Folgen.

Zweitens: Dem Kapitalismus entgegen stehen sozialistische bzw. kommunistische Entwürfe und die Religionen, die uns ursprünglich lehren wollten, den Mammon zu verachten und stattdessen ein paar andere Sachen wichtig zu nehmen. Aber dabei ist ausnahmslos auch nur Moppelkotze rausgekommen, es endet immer in Fundamentalismus, Mord, Diktatur, Kriegen, Unterdrückung, Hunger, Leid etc. Das ist erstaunlich, denn einige der Utopien sind ganz schlüssige Entwürfe, die eigentlich funktionieren müssten, wenn da nicht immer wieder das schwächste Glied, das menschliche Individuum ... 

Ah?

Zwischenbilanz: Der Kapitalismus bringt uns um und die Alternativen, die großen gesellschaftlichen Utopien haben wir bislang allesamt verkackt. 

Drittens: Könnte es sein, dass wir, wenn wir das selbstmörderische Profitstreben überwinden wollen, nicht weiter versuchen sollten, einen anderen großkotzigen Gesellschaftsentwurf dagegenzustellen? Wie wär's denn, wenn wir stattdessen ganz klein und unten anfingen: Bei uns selbst und bei den Menschen in unserer Umgebung? Wenn wir ohne viel Aufhebens unseren persönlichen Materialismus auf ein Minimum herunterführen? Wenn wir begönnen, Leute toll zu finden, die sich für andere Menschen einsetzen, statt nur für ihren eigenen kurzfristigen und fragwürdigen Vorteil? Wenn wir auch Kindern und Jugendlichen beibrächten, Profitgier zu verachten und dass es großartig und lohnend ist, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Und dass Respekt, Toleranz und Solidarität unhinterfragbare Werte sind. Und ... so.

Ganz ehrlich: Um heute ein anständiger, d.h. links-grün-versiffter Bürger zu sein, brauchst Du keine große, linke Utopie mehr. Du weißt, worum es geht. Also fang endlich an!



 

(Wostok R7 beim Start - stark verändert via nasa)






¹ Die Aussage, politisch links zu stehen oder konservativ zu sein, war zu meinen Lebzeiten allerdings noch nie hinreichend präzise. Wie links? Ein bisschen links der SPD? Oder eher so DDR-links? Stalinistisch etwa? Oder eher so Fidel-Castro-flippig links? Und wie konservativ? Bürgerlich? National-konservativ? Revisionistisch?  





Sonntag, 31. Januar 2021

Ganz unten!


Corona-Lockdown plus Kackwetter - heute kam's zum Äußersten. Das Krisenhafte der Krise berührte mich mit seinen grausamen Krallen erstmals da, wo's wirklich wehtut: Der Lesestoff könnte bald knapp werden. Und wie der gestrandete Marsianer seine kargen Kartoffel-Stück-Rationen immer weiter streckt, schraube ich die Qualitätsansprüche an meine Lektüre immer weiter zurück, bis ich heute auf dem alleruntersten Niveau landete, dem tiefsten, ununterbietbaren Betonboden textuellen Schaffens: der umsonsten Sonntagszeitung.

Sparen wir uns hier die eklen Details. Möge, wer Beweise sucht und sich dem Schmutz aussetzen will, folgende Thesen selbst prüfen:

  1. Zielgruppe sind geistige Geronten. (Das sind Leute, die die Welt nicht [mehr] als veränderbar verstehen wollen. Es gibt Achtzehnjährige, die geistige Geronten sind, und es gibt Hundertachtjährige, die es nicht sind.)
  2. Die Themen sind ausnahmslos trivial. Wenn Politik eine Rolle spielt, gibt es höchstens mal  Interviews, in dem die Lokal-Plittikörr für die jeweils dominante Lokal-Lobby zu Wort kommen.
  3. Alle anderen Artikel sind mehr oder weniger schlecht versteckte Werbung für Produkte bzw. Dienstleistungen.
  4. Die beigelegten Prospekte machen über die Hälfte des Gesamtgewichtes aus, und wir erinnern uns, dass der pseudo-journalistische Teil ohnehin nur dazu dient, die Werbung in Briefkästen werfen zu dürfen, deren Besitzer*innen deutlich signalisieren, dass sie genau das bitteschön nicht wünschen.

Der letzte Punkt macht mich immer wieder nachdenklich: Welchen Nutzen kann Werbung haben haben, deren bloße Existenz uns wahnsinnig auf den Keks geht? Egal, ob sie unsere Briefkästen verstopft, mitten in den spannenden Fernsehabend quäkt oder auf der website herumflimmert, die wir gerade betrachten wollen?  

Und weiter: Was für eine geistige Verfasstheit haben eigentlich die Marketing-Fuzzies, die Mörder-Kohle darauf verwenden, uns mit Werbung dichtzuschmeißen, von der sie wissen, dass ihre Adressaten damit nur genervt werden? Wie kann so ein Marketing-Arsch denken: "Haha, natürlich nervt die Werbung mehr, als dass sie Kauflaune weckt, aber in der Summe holen wir das trotzdem über gesteigerte Gewinne wieder rein!"

Oder andersrum: Wie unendlich dumm sind wir Menschen, dass diese völlig verquere Logik der Marketing-Fuzzies offensichtlich funktioniert?

Ich schäme mich so...




(stark verändert via wiki commons)






Mittwoch, 27. Januar 2021

Echauffiert.


Die ganze Corona-Berichterstattung wird schon wieder so skurril: Buchstäblich jeder schmierige Lobby-Verband der Wirtschaft shanghait sich einen oder mehrere Privat-Sender und lässt volltönend Untergangs-Szenarien für die Branche und in ziemlich direkter Folge dann auch für den Planeten, das Universum und den ganzen Rest* verkünden, falls der Shutdown nicht SOFORT aufgehoben und falls nicht Subventionen in fantastisch-unbegrenztem Umfang an alle Klienten der jeweils lautsprechenden Lobby-Vereinigung gezahlt würden. 

Ich verstehe nicht, warum von den, ach, so kritischen Journalist*innen oder sonst niemand mit dem Hinweis nachhakt, dass viele zusätzliche Menschen stürben, wenn der Shutdown jetzt gelockert würde. Ich würde gerne hören, dass diesen hirnlosen Lautsprechern ihre kranke, bedingungslose Profitgier, die sich so himmelweit über das Gemeinwohl stellt, dass sie zusätzliche Todesfälle billigend in Kauf nimmt, um die Ohren gehauen wird.

Was für eine Scheiß-Welt, in der solche Leute sich überhaupt trauen, so öffentlich so antisozial aufzutreten und nicht schnell und solidarisch durch konsequente Boykotte ihrer Produkte und Dienstleistungen abgestraft werden. 

Und was für eine Scheiß-Welt, in der Plittikörr wie die Karliczek mindesten alle 48 Stunden bekloppte schulpolitische Forderungen raushaut, ohne von ihrer Entourage darauf hingewiesen zu werden, dass sie dazu qua Amt überhaupt nichts zu sagen hat, dass sie außerdem völlig uninformiert über Themenbereiche spricht, die man gerade in Krisenzeiten eigentlich Profis überlassen sollte, dass sie, die Karliczek, immer dann, wenn sie den Mund aufmacht, das absolut sichere Gefühl vermittelt strunzdumm zu sein, so dumm, dass sie selbst es nicht bemerkt und wir uns ergo auch noch für sie fremdschämen müssen und dass deshalb nicht einmal ihre eigenen Leute ihr noch zuhören oder gar irgendwas von ihr kommentieren ...




(via wiki commons)






* natürlich Douglas Adams. Was sonst?






Montag, 25. Januar 2021

Gedanke beim winterlichen Blick aus dem Fenster






Mein CO₂-Abdruck wäre längst nicht so groß, 

wenn es hier nicht ständig so arschkalt wäre!










Sonntag, 24. Januar 2021

Is' was?


Tausendfach gelesen: Wie sehr Lockdown uns auf uns selbst zurück wirft. Was für eine dümmliche, pseudo-existentialistische Metapher. Richtig ist: Reduzierte Außenkontakte führen zu mehr Nabelschau. Das ist zeitweilig an sich garnix Schlechtes. Aber die Ergebnisse haben auf einem Blog nichts zu suchen.

Öffentlich relevante Themen attackieren mich derzeit gerade nicht so, dass ich da unbedingt was raushauen muss. Deshalb halte ich einfach mal die Klappe, bis wieder was is'.









Sonntag, 17. Januar 2021

Versuch über unsere Probleme

Die Insassin eines Altersheims berichtet mir tränenaufgelöst, die Sitzordnung im Frühstücksraum sei geändert worden. Zwecklos meine Versuche, das tröstend mit eventuellen Anti-Corona-Maßnahmen zu begründen. 

Es ist nicht an uns, die gefühlte Größe von Problemen anderer Menschen an scheinbar objektiven Maßstäben zu messen und zu qualifizieren. Oder konkreter: Sachliche Erklärungen oder Hinweise wie "'N appes Bein wäre schlimmer!" sind weder menschlich hilfreich noch logisch sinnvoll durchzuhalten. Denn es gibt für nahezu JEDEN denkbaren Fall ein noch größeres Problem, das man dagegen stellen könnte: Jesus wurde ans Kreuz genagelt, und die Sonne explodiert in fünf Milliarden Jahren und wird die Menschheit vernichten. 


(verändert via nasa.gov)


Derlei Vergleiche äußert aber niemand ernsthaft, sonst hätten wir häufiger Dialoge nach dem Schema "Ich habe Krebs und werde bald sterben!" "Na und? Heute werden 1.000 Menschen in Doitschland an Corona sterben. Dagegen geht's Dir also noch gold, Sonnyboy*!" Prinzipiell entstehen keine guten Gespräche, wenn wir bewerten, ob die Probleme, die ein Mitmensch formuliert, schlimm sind oder doch nur Pipifax

Andererseits: Die Sitzordnung im Frühstücksraum ist nun wirklich kein Problem, das uns in Tränen auflösen sollte. Man kann das im Gespräch klären, Kompromisse finden usw. usw. Aufgrund intensiver Selbstbeobachtung und beiläufiger privater empirischer Sozialforschung weiß ich aber auch, es gibt immer wieder Sachverhalte, die uns Tag und Nacht beschäftigen, über erhebliche Zeiträume hinweg Energie und Schlaf rauben - und die wir erst spät, viel zu spät, als das erkennen, was sie sind: Vergleichsweise mickrig, banal und leicht lösbar, kurz: Pipifax.

Fazit nach jahrzehntelanger Beobachtung, Selbstbeobachtung und reiflicher Überlegung:

  1. Was uns als Problem beschäftigt und was nicht, ist subjektiv und es ist auch innerhalb eines Subjektes Wandlungen unterworfen.
  2. Ob uns eine Sache als Problem beschäftigt oder nicht, hängt davon ab, wieviel andere Probleme wir zu diesem Zeitpunkt bereits wälzen und welcher Güte diese anderen Probleme sind. Allzu drastisches Beispiel: Wenn Hunger mein Leben und das meiner Familie bedroht, wird mir die Sitzordnung im Speisesaal egal. Probleme sind also relativ.
  3. Anscheinend haben alle Menschen Probleme, die - von wenigen extremen Ausnahmen abgesehen - oft nicht der Kategorie der lebensbedrohenden Probleme zugerechnet werden können, in der Summe der Belastung aber stets mehr oder weniger gleich sind.
  4. Wenn Probleme subjektiv und relativ sind und - von wenigen extremen Ausnahmen abgesehen - quantitativ gleich empfunden werden, dann kann man nicht behaupten, Probleme seien objektiv da. Vielmehr liegt der Schluss nahe, dass sich jede*r Mensch so viele Probleme konstruiert, wie sie*er will oder braucht oder verträgt.  
  5. Wenn die Vermutung zutrifft, dass unsere Probleme - von wenigen extremen Ausnahmen abgesehen - konstruiert sind, dann wäre es doch eine schlaue Idee, möglichst viele zu dekonstruieren und/oder gar nicht erst als solche zu haben, oder?

Zusammenfassung der Zusammenfassung: Es ist - von wenigen extremen Ausnahmen abgesehen - Deine eigene Entscheidung, wie glücklich oder unglücklich Du Dich fühlen willst.


 

Summertime madness.
Ja, ich weiß, so ähnliche Bilder 
gab's hier schon öfter.
Egal, hier geht's um Glück,
und da weiß man, was man hat...



* Zur Schreibweise s. hier.





Dienstag, 12. Januar 2021

Stichworte zum Distanzlernen


Gestern erster Schultag nach Ferienende, die meisten Kolleg*innen haben mühevoll Unterricht auf der Basis von Videokonferenzen vorbereitet. IServ, unsere dienstliche Groupware-Anwendung, machte die Grätsche, und nichts lief. Sehr ärgerlich für alle Beteiligten.* 

Die anhängige Problematik ist dreifach:

  1. Die Schüler*innen sind genervt und haben nicht viel gelernt, außer vielleicht, dass Schule es einfach nicht drauf hat. Jeder dödelige Plittikörr weltweit kann Videokonferenz, aber Schule natürlich nicht.
  2. Die Lehrer*innen sind genervt, denn sie können ihre mittelfristige Unterrichtsvorbereitung in den Senf drücken.
  3. Lehrer*innen, die ein reguläres Referendariat abgeschlossen haben, sind darauf gedrillt, die Wahl ihrer Methoden und technischen Mittel permanent kritisch zu befragen. Wenn bei einem Unterrichtsbesuch durch Ausbilder bzw. Vorgesetzte so ein Problem künftig erneut auftritt, müssen wir uns fragen lassen, ob wir das denn nicht hätten voraussehen können. Und kleinlaut müssten wir im De-briefing dann zugeben, unsere Wahl digitaler Unterrichtsmittel sei nicht hinreichend durchdacht gewesen. Wenn wir künftig technisch anspruchsvollen Digitalunterricht vorbereiten, müssen wir also immer eine analoge Alternative dazuentwickeln. Das ist doppelte Arbeit, das hält im normalen Alltag niemand lange durch.  

(stark verändert via wiki commons)



Kurz: Die Sache gestern war echt blöd. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass Videokonferenzen noch nicht zu den Kulturtechniken gehören, die in Schulen funktionieren. Schönen Gruß an die Welt: Wir Lehrer*innen sind - entgegen aller Unkenrufe - definitiv so weit, damit zu arbeiten. Wir warten nur darauf, ein hinreichend zuverlässiges Werkzeug zu erhalten.

Erfreut waren übrigens die vielen Schüler*innen, die im Vorfeld Befürchtungen geäußert hatten, sie könnten an den Videokonferenzen nicht teilnehmen, weil sie zu Hause weder über die Hardware noch über die Leitungskapazitäten verfügten. Da machen wir Lehrer*innen häufig Denkfehler: Wir können uns rattenschneller Rechner und Leitungen leisten. Es gibt Leute, bei denen das - aus was für Gründen auch immer - nicht so ist. Und wenn Du dann siehst, wie Schüler*innen versuchen, die geforderte Langtext-Hausaufgabe mit ihrem Handy zu erstellen, dann kommen Dir die Tränen und Du überlegst Dir, was für ein rücksichtsloses, arrogantes Digital-Arschloch Du bist.

Vorschlag: Lasst uns Distanzunterricht mit den Mitteln der späten 1990er abwickeln, e-mail, nicht-US-messenger, Foren etc. Das können wir - realistisch betrachtet - mit dem derzeitigen Stand der Technik in Schulen wuppen. Alles andere ist einfach nicht einsetzbar. 

Die entsprechenden Konzerne hypen Videokonferenzen und anderen Digital-Schnickschnack, weil die sich mit der notwendigen Aufrüstung eine goldene Nase verdienen, aber die Schulträger vor Ort sind nicht bereit, da im entsprechend erforderlichen Maße zu investieren.

Ich habe es ziemlich satt, dass sowohl die Konzerne als auch die Schulträger, statt den Konflikt miteinander auszutragen, ihn auf den Rücken der Lehrkräfte verlagern. 

Ach, und noch was: Ich finde es ganz reizend, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in ihren Mediatheken jetzt sowas wie Schulfernsehen improvisieren. Ganz tolle Idee, wirklich. Für Corona-Zeiten super. Aber bitte, bitte, bitte, lasst uns nicht vergessen, dass Unterricht nicht bedeutet, ein Fass zu füllen, sondern eine Flamme zu entzünden**. Wenn Corona irgendwann mal vorbei ist, möchte ich gerne wieder Lehrer sein, nicht Stoff-Portionierer.




(stark verändert via wiki commons)






*(Da es presseöffentlich wurde, bin ich nicht unloyal, wenn ich das hier erwähne.)

** Heraklit