Montag, 21. September 2020

Ich kann nix dafür ...

 ... dass die Fliegerei mich gerade so beschäftigt, befriedigt und ablenkt.

Gestern war Wind mit 9 Knoten, in Böen 14, angesagt, das sind etwa 16 bzw. 25 km/h, und für ein Flugzeug, das mit 41 km/h landet, ist das ... naja ... irgendwie auch nicht schlimm, aber auch nicht gerade mittig in der Comfort-Zone.


Spannend ist z.B., dass, wenn Du genau gegenan knüppelst, die Marschgeschwindigkeit über Grund der eines frisierten Mofas entspricht. Eigentlich nicht schlimm, man hat ja Zeit, will und muss nirgendwo pünktlich ankommen.





Fliegst Du hinwiederum quer zum Wind, richtest Du die Flugzeuglängsachse ein wenig gegen den Wind aus, um über Grund Deine Richtung (rote Linie) zu halten. Das ist bei gleichmäßigem Wind ganz mühelos, wie obiges hands-off-Foto beweist. 

Zusammenfassung: Ein schöner, gleichmäßiger Gradientenwind ist eigentlich kein Problem. Böen und Thermik-Blubber nerven.




Und nebenbei habe ich noch meinen neuen Desktop-Hintergrund geschnappschusst. Hinten rechts der Jade-Busen. Dabei fällt mir wieder das Gedicht von J. M. Gillespie ein:


Oh! I have slipped the surly bonds of Earth
And danced the skies on laughter-silvered wings;
Sunward I’ve climbed, 
and joined the tumbling mirth of sun-split clouds, 
and done a hundred things
You have not dreamed of
wheeled and soared and swung
High in the sunlit silence. 
Hov’ring there,
I’ve chased the shouting wind along, and flung
My eager craft through footless halls of air

[...]






Mittwoch, 16. September 2020

Aviatorische Komposition




(Vorgestern, A1 nahe Wildeshausen, 600 ft)

Ich muss wohl die Gefahr billigend in Kauf nehmen, meine verehrte Leser*innenschaft zu langweilen, aber die - wie sagt man? - graphischen und ästhetischen Aspekte der low-&-slow-Fliegerei machen mich immer noch ganz besoffen. Das sind auch keine reinen Zufallsprodukte mehr: Ich krebse einfach überland, und dann und wann entdecke ich was, wofür sich vielleicht auch ein zweiter Anflug lohnt ...



Hier eine Aufnahme während des ersten Anfluges - laaangweilig! Ach ja, meine Regel, bei Flügen außerhalb der Platzrunde Schuhe anzuziehen, hat sich wohl in den sommerlichen Temperaturen aufgelöst.



Helm und das andere Geraffel trage ich natürlich auch im Sommer, allein wegen des Headsets. Sieht zwar doof aus, barfuß, aber mit Helm, aber da oben sieht mich ja niemand ...







Samstag, 12. September 2020

Rosa Luft

 

Falls mir nochmal jemand weismachen will, in dieser Welt sei nun mal nicht alles leicht und friedlich und rosarot, kann ich seit gestern Abend Beweisfotos dagegenhalten. Die Luft wie Seide, ein erster Hauch abendlichen Dunstes - und die Sonne taucht alles, alles in rosarotes Licht. 


(gestern, irgendwo NW Friesoythe, 600ft)



Das sind so Momente, in denen man sich erwischt, das Flugzeug mit abgespreiztem kleinen  Finger zu steuern, als wär's so zart wie eine Tasse feinsten chinesischen Porzellans ...






Mittwoch, 2. September 2020

Lustig!

 

Jo mei, do hob i a wiada sser g'lacht, gell!

tagesschau.de titelt, das ifo-Bildungsbarometer habe aufgrund durchgeführter Umfragen dieses und jenes über den Zustand der Bildung in diesem, unserem Lande zu sagen. Dazu muss man wissen, dass das ifo-Institut mit Bildung überhaupt nichts zu tun hat, sondern ein eingetragener Verein ist, der als Wirtschaftsforschungsunternehmen firmiert, sich von unterschiedlichsten Geldgebern für Auftragsforschung aus Politik und Wirtschaft finanzieren lässt und in München, Bayern sitzt.

Finde ich super! Demnächst beauftrage ich die Fischereigenossenschaft Neuharlingersiel eG mit einer Umfrage zum möglichen oder unmöglichen Verbleib Bayerns in der BRD, der EU und der westlichen Wertegemeinschaft. 

Ich frage mich, warum so dümmliche Pseudo-Informationen öffentlich-rechtlich lanciert werden. Ist noch Saure-Gurken-Zeit?




(via wiki commons)
Ich mag dieses Bild. Es ist spektakulär, niemand wurde verletzt - und zu diesem Artikel hat es  überhaupt keinen thematischen Zusammenhang, ebensowenig wie Schule und ifo.







Dienstag, 1. September 2020

Auf Wiedersehen, geliebter Sommer!

 

Es gibt Bilder, da muss auch mal einfach die Klappe halten.




 

Gestern, letzter Flug im meteorologischen Sommer. Unten rechts der Flugplatz. Wie die Sonne die Horizontlinie vergoldet, das hat was, lässt aber auch den Herbst vorausahnen. Derartige Bilder gibt es nur low&slow in 150 m Höhe. (Ja, man kann auch auf einen Berg kraxeln oder auf einen Turm, aber wie uncool-neanderthal ist das denn!?)




 

Mittwoch, 26. August 2020

Downgrade!

 

Mit erstaunlicher zeitlicher Präzision hat mein schöner, großer, starker Fön im Zuge der herstellerseitig vorprogrammierten Obsoleszenz neulich die Grätsche gemacht, gefühlt nach Ablauf der Gewährleistung plus 1 Tag.

Behelfsweise musste ich auf meinen kleinen Reisefön zurückgreifen, und da ich zwar nicht besonders viel, dafür aber recht langes Haupthaar trage, fürchtete ich, der Trocknungsprozess werde nun ewig dauern, da ich immerhin von 2.500 W auf 1.200 W gedowngraded war. Doch siehe! Wiewohl nicht mal mehr die Hälfte des Stroms strömte, war der Haartrocknungs-Effekt nur geringfügig verlangsamt. Wo früher ein heißer, intensiver Luftstrahl mein Haar durchsiebte und, wenn man sich blöd anstellte, die Kopfhaut reizte, streichelt nun ein wohlig-warmer Wind den schütt'ren Schopf.

Die physikalischen Grundlagen sind klar, aber die alltägliche Beobachtung, dass mehr als doppelter Energieeinsatz keineswegs zu verdoppeltem Nutzen führt, überaus bemerkenswert. Da fällt uns doch glatt ein anderes, verwandtes physikalisches Gesetz ein, wonach der Luftwiderstand eines bewegten Körpers im Quadrat zu seiner Geschwindigkeit steigt. Verdoppele ich meine Geschwindigkeit von 10 auf 20 km/h, so muss ich die vierfache Menge an Energie aufwenden, den Luftwiderstand zu überwinden, d.h. die Geschwindigkeit konstant zu halten. Verdreifache ich die Geschwindigkeit, verneunfacht sich der Energiebedarf. Dummdödel hingegen erwarten, doppelt so viel PS führten zu verdoppelter Top-Speed. Sprichwörtlich dumm gelaufen.

Außerhalb der Physik fällt uns dabei vielleicht analog das Pareto-Prinzip ein, das zwar gelegentlich etwas überstrapaziert wird, aber unserer Alltagserfahrung entspricht, wonach 80 % des Arbeitsergebnisses in 20 % der Arbeitszeit erbracht wird und dass man 80 % der Arbeitszeit (!) dafür verbrät, ein an sich schon ganz gutes 80-%-Ergebnis zu einem 100-%-Ergebnis zu machen, obwohl das häufig gar nicht zwingend erforderlich ist.

Worauf laufen diese bekannten Gesetze und Überlegungen hinaus? Wir vergeuden unglaublich viel Energien, indem wir bedingungslos und besinnungslos immer mehr, immer schneller, immer intensiver, immer perfekter sein und immer mehr haben wollen, als es die Klugheit gebietet. Krankhafterweise ist da im menschlichen Verhalten keine Grenze abzusehen, und diese Krankheit ist tödlich für unsere Specie.

Was müssten wir eigentlich tun? Brutalst-konsequenter Minimalismus. Loslassen, Loslassen, Loslassen!

Kriegen wir das hin?

Derzeit nicht. Aber ich habe mir jetzt einen neuen kleinen Fön (1.250 W) gekauft. Das ist ja auch schon mal was.



(stark verändert via wiki commons)








Samstag, 22. August 2020

Weihnachten, verdammt.

 

Vorgestern, 20. August, im Drogeriemarkt Müller: Weihnachtsvorbereitungen laufen!



Ich erschrecke mich über die eiskalte Ruhe, die mich befällt. 



Und ich spüre immer noch nach, was diese Bilder bei mir auslösen.

  1. Es ist ja nicht nur, dass ich DM künftig boykottieren werde und allgemein dazu ermuntern möchte, derlei Geschäftspraktiken zu sanktionieren.
  2. Auch Weihnachten, zu Tode gewirtschaftet, muss ich mir mit grundsätzlich neuer Bedeutung aufladen.
  3. Und ich muss mit aller Kraft daran arbeiten, meinen Ekel vor der Konsumwelt und den hirntoten Konsumenten nicht auf die gesamte Menschheit zu übertragen.

Bei Punkt 3 ist's natürlich hilfreich, im eigenen Dunstkreis Menschen zu haben, die anders sind und Anlass zur Hoffnung geben ... Was für sentimentale Gedanken - aber wir reden ja auch über Weihnachten, verdammt! 












Donnerstag, 20. August 2020

Strukturell


Wer meint, ein professionell gestylter Garten habe irgendwas mit Natur zu tun, ist noch nie low&slow über die riesigen Gärtnereien des Ammerlands geflogen. 


(gestern südlich Zwischenahn)

Frei nach Büchner: Struktur, das ist, wenn etwas strukturiert ist ... 



Montag, 17. August 2020

Nochmal zum Thema "Wertschätzung"

 

Heute eine sehr ermutigende Meldung des NDR: Die niedersächsische Landesregierung verzichte in Sachen Corona auf weitere Lockerungen. Wörtlich: "Die Regierung werde angesichts steigender Infektionszahlen die Entwicklung nach Schulstart und Rückreisewelle abwarten, hieß es in der Mitteilung." Übersetzung: Wir lassen erstmal laufen und schauen, was passiert.

Mein spontaner Gedanke war: Na toll, früher hat man Minenhunde auf diese Weise eingesetzt, wenn man nicht genau wusste, wie gefährlich ein (minen-)verseuchter Geländeabschnitt ist. Aber dieser spontane Gedanke war  militärgeschichtlich nicht haltbar: Minenhunde waren und sind dafür ausgebildet, gefährliche Minen aufzuspüren. Eine andere Taktik war, sie dafür auszubilden, Minen unter feindliche Panzer zu tragen. Die Überlebenschancen waren in keinem Fall prickelnd, im letztgenannten Fall nur selten ungleich null. Aber: Die Tiere waren fachlich vorbereitet, und es gab ein definiertes Ziel. 

Eine angemessenes Gleichnis zu dem, was die Landesregierung in Niedersachsen jetzt mit Schule plant, findet sich viel eher im "Grubenvogel" oder der "Grubenmaus". Kohlenmonoxid-Vergiftungen waren früher ein ernstes Problem im Untertage-Bergbau: Menschen haben keine Rezeptoren dafür, wir ersticken einfach daran. Kanarienvögel und Mäuse haben auch keine Rezeptoren für CO, aber sie haben einen sehr schnellen, umsatzfreudigen Stoffwechsel, und deshalb sterben sie einfach eher dran, als die Menschen. Der kluge Bergmann nahm diese possierlichen Tierchen also in winzigen Käfigen mit in den Stollen und wenn sie die Grätsche machten, nickte er wissend und sprach er zu sich "Ei verflixt! Hier dräut 'böses Wetter', hier ist nicht gut sein ..." und floh in gesündere Gefilde.

Ich finde dieses Gleichnis besser, weil die Gruben-Kanaries bzw. -Mäuse eben KEINE spezielle Ausbildung hatten, und sie hatten auch kein definiertes Handlungsziel, sie waren einfach nur Opfer, bestenfalls sowas wie organische Indikatoren, quasi der Lackmus-Test auf zwei bzw. vier Beinen. 

Ich bin nur scheinbar vom Thema abgekommen. Was ich fragen wollte:

1. Ist Herr Weil sich eigentlich bewusst, wie und für was er Schüler*innen und Lehrer*innen da wie instrumentalsiert? 

Falls ja, dann ist die freimütige Offenheit seiner Aussage hübsch brutal - ungewohnt und etwas beängstigend, aber auch erfrischend ehrlich: Wir haben keine Ahnung, was passieren wird, also schicken wir erstmal die Kinder und Lehrer vor. Schule ist letztlich verzichtbar. Wenn aber der VW-Konzern nochmal in den Lockdown müsste, ginge es den Shareholdern an die Profite und das geht ja nun mal gaaar nicht! 

2. Kapieren die Eltern eigentlich, was Monsieur le MP da gesagt hat?


(verändert via wiki commons)

"Besser er als ich!", denkt der Bergmann und ich kann's ihm nicht verübeln.
Aber was denkt der Vogel? 







 

Sonntag, 16. August 2020

Zur Semantik der "Wertschätzung"


Demnächst sollen wir Lehrer*innen in Niedersachsen, wie auch in anderen Bundesländern, wieder Regelunterricht abhalten. Das heißt, komplette Klassen, das heißt ohne Mindestabstände, dafür aber vielleicht oder auch nicht mit MNS. 

Mich beschäftigt die Frage, warum nicht wenigstens die Lehrer*innen vorher auf SARS-CoV2 getestet werden. Immerhin hüpfen wir demnächst von einer Schüler*innen-Gruppe in die nächste, müssen da zwar nicht singen, aber immerhin vernehmlich sprechen und entsprechend atmen und werden wir nolens volens engeren Kontakt zu den Kiddos haben, als unter den Bedingungen der Pandemie klug sein kann. Unser Job macht uns zu idealen Super-Spreadern.

Warum also kein verbindlicher Corona-Test für Lehrer*innen?

Nach langem Hin- und Herüberlegen und dem systematischen Ausschluss aller nicht schlüssigen Hypothesen bleibt nur eine Erklärung: Das ist endlich die Wert-Schätzung, die wir Lehrer*innen immer so naiv wie sehnsüchtig wünschen, für die wir immer wieder bereit sind, Leben, work-life-balance, Freizeit und den ganzen Rest zu opfern. 

Die Wert-Schätzung funktioniert so: Unser Arbeitgeber und oberster Dienstherr kalkuliert die Kosten dieses Tests, sagen wir 25,00 € pro Pädagogen-Nase. Bei etwa 76.118 Menschen käme da eine Summe von 1.902.950 € zusammen. Verglichen mit den vielhundertmilliarden Subventionseuros für die coronageschädigten Konzerne wäre das ein Nichtigstel, aber man spart ja, wo man kann, nicht wahr?

Dann überlegt unser Dienstherr, Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist ja sowas von 20. Jahrhundert, das  kann heutzutage niemand mehr ernsthaft wollen. Und es geht ja auch anders: Wenn man auf die Tests verzichtete und die Corona-Erkrankung sehr vieler Lehrer*innen billigend in Kauf nähme, dann müsste nicht das Kultusministerium die Test-Kosten tragen, sondern die Krankenkassen die Kosten der Behandlung! Und wenn ein paar von den stärker gefährdeten Alten auf der Strecke bleiben, ist das  ein erfreulicher Nebeneffekt, weil die ja sowieso nur der Digitalisierung im Weg stehen, diese tattrigen Ü50-Geronten-Zombies!

Wir müssen das Wort Wert-Schätzung also nur auf seine ursprüngliche Bedeutung zurückführen, dann wird alles klarer. Wert-Schätzung heißt, ich schätze grob überschlägig, was der*die Untergebene meinem Laden bringt und was sie*er kostet. Wert-Schätzung heißt nicht, dass ich einen Wert besonders hoch einschätze.





(ebd.)