Mittwoch, 26. August 2020

Downgrade!

 

Mit erstaunlicher zeitlicher Präzision hat mein schöner, großer, starker Fön im Zuge der herstellerseitig vorprogrammierten Obsoleszenz neulich die Grätsche gemacht, gefühlt nach Ablauf der Gewährleistung plus 1 Tag.

Behelfsweise musste ich auf meinen kleinen Reisefön zurückgreifen, und da ich zwar nicht besonders viel, dafür aber recht langes Haupthaar trage, fürchtete ich, der Trocknungsprozess werde nun ewig dauern, da ich immerhin von 2.500 W auf 1.200 W gedowngraded war. Doch siehe! Wiewohl nicht mal mehr die Hälfte des Stroms strömte, war der Haartrocknungs-Effekt nur geringfügig verlangsamt. Wo früher ein heißer, intensiver Luftstrahl mein Haar durchsiebte und, wenn man sich blöd anstellte, die Kopfhaut reizte, streichelt nun ein wohlig-warmer Wind den schütt'ren Schopf.

Die physikalischen Grundlagen sind klar, aber die alltägliche Beobachtung, dass mehr als doppelter Energieeinsatz keineswegs zu verdoppeltem Nutzen führt, überaus bemerkenswert. Da fällt uns doch glatt ein anderes, verwandtes physikalisches Gesetz ein, wonach der Luftwiderstand eines bewegten Körpers im Quadrat zu seiner Geschwindigkeit steigt. Verdoppele ich meine Geschwindigkeit von 10 auf 20 km/h, so muss ich die vierfache Menge an Energie aufwenden, den Luftwiderstand zu überwinden, d.h. die Geschwindigkeit konstant zu halten. Verdreifache ich die Geschwindigkeit, verneunfacht sich der Energiebedarf. Dummdödel hingegen erwarten, doppelt so viel PS führten zu verdoppelter Top-Speed. Sprichwörtlich dumm gelaufen.

Außerhalb der Physik fällt uns dabei vielleicht analog das Pareto-Prinzip ein, das zwar gelegentlich etwas überstrapaziert wird, aber unserer Alltagserfahrung entspricht, wonach 80 % des Arbeitsergebnisses in 20 % der Arbeitszeit erbracht wird und dass man 80 % der Arbeitszeit (!) dafür verbrät, ein an sich schon ganz gutes 80-%-Ergebnis zu einem 100-%-Ergebnis zu machen, obwohl das häufig gar nicht zwingend erforderlich ist.

Worauf laufen diese bekannten Gesetze und Überlegungen hinaus? Wir vergeuden unglaublich viel Energien, indem wir bedingungslos und besinnungslos immer mehr, immer schneller, immer intensiver, immer perfekter sein und immer mehr haben wollen, als es die Klugheit gebietet. Krankhafterweise ist da im menschlichen Verhalten keine Grenze abzusehen, und diese Krankheit ist tödlich für unsere Specie.

Was müssten wir eigentlich tun? Brutalst-konsequenter Minimalismus. Loslassen, Loslassen, Loslassen!

Kriegen wir das hin?

Derzeit nicht. Aber ich habe mir jetzt einen neuen kleinen Fön (1.250 W) gekauft. Das ist ja auch schon mal was.



(stark verändert via wiki commons)








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