Boi-oh, 13 Tage Blog-Pause, das war nicht geplant. Mag sein, dass Herbst-Blues eine Rolle spielte, vor allem aber das Gefühl totaler Wirkungslosigkeit. Pispers und Schramm, mit denen zu vergleichen ich mich ansonsten demütigst entblöde, haben aufgrund vergleichbaren Gefühls ihre jeweiligen Karrieren beendet.
Was mich gerade beschäftigt: Laut hallend bricht gerade die bestehende Ordnung zusammen, fliegt uns jede Aussicht auf eine zukünftig menschenwürdige Lebenswelt um die Ohren. Nur, wenn man ganz angestrengt wegschaut, gelingt es noch, an dem 20 Jahre alten Zitat von Warren Buffet vorbeizuschauen
”There’s class warfare, all right,
but it’s my class, the rich class,
that’s making war, and we’re winning.”
Warren Buffet im Interview mit Ben Stein
in New York Times, 26. November 2006,
oder auch hier.
Sehen wir endlich der Tatsache ins Auge: Wir, die 99 Prozent, haben den Krieg gegen die Reichen verloren. Der entgrenzte Kapitalismus beherrscht die Welt bis ins allerhinterste Eckchen. Punkt.
Vielleicht sollten wir allmählich mal anfangen, uns entsprechend zu verhalten. Wir, die 99 Prozent, sind die besetzte Zone. Wären wir nicht so verdammt korrumpiert, faul, dumm und verantwortungslos, hätten wir in Toitschland längst den Generalstreik wie vor über 100 Jahren gegen den rechtsextremistischen Kapp-Putsch 1920 oder, besser noch, diesen Akt drastischer Solidarität und des flächendeckenden passiven Widerstandes wie im Ruhrgebiet 1923.
Aber nein, wir fühlen uns als Verliererys anscheinend pudelwohl, oder, wie es ein Bekannter vorgestern sagte: "Uns geht's immer noch viel zu gut!"
Tja, und wenn das denn so ist: Warum gesellschaftskritische Artikel schreiben?
Ruhrkampf 1923, via wiki commons.
Ja, ja, ja, da kann man ganz viel reinpolitisieren und hinterfragen.
Das ist nicht zu leugnen und nicht zu idealisieren.
Mich interessiert nur, warum die Menschen damals zu Solidarität
gegen einen übermächtigen Gegner in der Lage waren
und wir das heute nicht mehr sind.
Das ist nicht zu leugnen und nicht zu idealisieren.
Mich interessiert nur, warum die Menschen damals zu Solidarität
gegen einen übermächtigen Gegner in der Lage waren
und wir das heute nicht mehr sind.
