Sonntag, 26. April 2026

Zeit ... vergeht

 

Habe mir aus reiner Sentimentalität und zur Vervollständigung der Sammlung die drei Bände zu "Dirk Gentleys holistischer Detektei" von Douglas Adams gegönnt. Bin im "Elektrischen Mönch" (Bd. 1) gerade an eine Stelle gelangt, wo sich eine Figur verfährt, also autofahrenderweise die örtliche Orientierung verliert. 

Stelle fest: Sich zu verfahren ist eine ausgestorbene Kulturtechnik. Man hat Smartphone und also Navi. Douglas Adams war zwar ziemlich computer-affin, aber er hat die Geschichte 1987 geschrieben, da waren diese Dinge, die heute dumpfer Alltag sind, nicht absehbar. Das ist selbstverständlich kein Vorwurf an den von mir so verehrten D.A., aber im Unterschied zu früher kann ich den Text auch nicht mehr als zeitgenössisch lesen, sondern muss ihn mit der Distanz des Profis gegenüber einem  historisch zu kontextualisierenden Werk betrachten. 

Nach 40 Jahren mag das in Ordnung sein. Vielleicht irritiert mich auch nur dieses Gefühl, einen Text plötzlich über einen so großen zeitlichen Abstand anschauen zu müssen. Dieses immer häufiger auftretende Gefühl nach dem Schema: "Achduscheiße, das ist schon 40 Jahre her?! So alt bin ich doch noch gar nicht ... achso, ja, doch ..."

Keine Pointe.



Info für die Nachgeborenen: "Vor 40 Jahren", das gehört in die Zeit, in der wir das verkackt haben, was Euch heute auf die Füße fällt. Allerdings hatten wir nur diffus das Gefühl, dass wir mega-mächtig Shyce bauten. Also, wir waren uns zwar sicher, alle Daten lagen vor, konnten uns aus Bequemlichkeit und Gier aber immer noch prächtig selbst bescheißen.

Das ist heute ganz anders: Da wissen wir verbindlich, unausweichlich und auf drei Stellen nach dem Komma, dass wir gerade die Zukunft unserer Kinder und Enkel verkacken.


(Barschel 1987. Verändert via wiki commons)