1. Definition
1.1.a.) Religion ist lt. Tante Wiki der Glaube an übersinnliche Kräfte. Diese Definition ist aber tautologisch, da übersinnliche Kräfte per definitionem der Erfassung per naturwissenschaftlicher Erkenntnismethode entzogen sind und nur im Glauben an sie gründen. Religion ist demnach der Glaube an das Glauben.
1.1.b.) Einwurf: Das schmälert keineswegs die Bedeutung der Religion. Beispiel: Die Frage, was uns nach unserem Tod erwartet, lässt sich nicht naturwissenschaftlich untersuchen. Trotzdem denken wir drüber nach, entwickeln Theorien, und: Wieauchimmer die Antwort ausfällt, hat sie einen Einfluss auf unser Leben.
1.2.a.) Hypothese 1: Religiöse Gefühle sind ... ääh ... wenn man das Gefühl hat, dass man etwas Religiöses glaubt? Beispiel: Ich habe das Gefühl, ich glaube an irgendeine Fort-Existenz nach meinem Tod. Was für eine beknackte Aussage: Ich fühle mich, als würde ich was glauben ...
1.2.b.) Hypothese 2: Religiöse Gefühle beschreiben das, was der Glaube mit uns macht. Beispiel: Ich glaube an irgendeine Fortexistenz nach meinem Tod, und das fühlt sich gut / schlecht / beruhigend / beunruhigend (Unzutreffendes streichen) an.
1.3. Fazit: Die Aussage 1.2.b. klingt plausibel.
2. Praktische Umsetzung: Religiöse Gefühle verletzen
2.1.a.) Versuch 1: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt an ein Leben nach dem Tod, wie blöd ist das denn...?!"
2.1.b.) Auswertung 1: Nee, tut mir leid, in dieser (imaginierten) Situation verspüre ich keine Verletzung. Nur ein geringfügiges Mitleid mit dem unreflektierten IQ-7-Knallkopp.
2.2.a.) Versuch 2: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt an einen allmächtigen Gott, einen alten, weißen Mann mit Bart, der im Nachthemd auf einer Wolke sitzt und seinen Sohn foltert für Sünden, die er, der Gott, selbst als solche definiert hat, wie blöd ist das denn...?!"
2.2.b.) Auswertung 2: Autsch! Das piekst! Also, das würde pieken, wenn ich denn allen Ernstes an diesen spätbronzezeitlichen Kackshyce glauben würde. Wir sollten uns dieses Ergebnis merken!
2.3.a.) Versuch 3: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt, dass Mitgefühl und Solidarität mit Menschen und unserer Umwelt wichtig seien, wie blöd ist das denn...?!"
2.3.b.) Auswertung 3: Nee, ich fühle mich nicht verletzt. Nur den Wunsch, diesem ignoranten Arschloch eine reinzuhauen.
2.4.a) Versuch 4: "HAHA! Guck mal, der Idiot glaubt, dass fundamentalistische, machtgeile, alte Männer die Stellvertreter Gottes, Allahs, Jahwes oder irgendeines anderen verlogenen, faschistischen Rachegottes seien und dass ausgerechnet diese pathologischen Egomanen über Glück und Unglück von Milliarden Menschen entscheiden könnten und ob Du eine Seele hast und ob die in den Himmel mit 72 Jungfrauen oder in die Hölle mit wasweißch kommt, wie blöd ist das denn...?!"
2.4.b.) Auswertung 4: Wenn ich an die Macht der alten, kranken, weißen Männer glaubte (Konj. II irrealis, präs.), dann würde dieser Affront mich wahrscheinlich verletzen.
3. Conclusio
Religiöse Gefühle sind in der Tat verletzbar, allerdings nur dann, wenn sie sich auf jene Dogmen beziehen, die überwiegend dazu dienen, Systeme zu stabilisieren, die den alleinigen Zweck haben, krankhaft machtgeilen alten Männer ihre Position zu erhalten und die Untergebenen immer tiefer in Unmündigkeit, Dummheit und letztlich Sklaverei zu verdammen.
Ich finde, damit kann man arbeiten.
Fröhlichen Karfreitag!
