Die Idee des "Sequentiellen Tankstellenboykotts" stammt aus den 1980ern und beschreibt die Strategie, je einzelne große Mineralölkonzerne zu boykottieren, bis sie ihr Verhalten / ihre Preisgestaltung / ihre übertriebene Profitgeilheit ändern.
Konkret könnte das heute bedeuten, wir identifizieren den Konzern, der morgen um 13:00 Ortszeit den bundesdurchschnittlich höchsten Preis pro Liter ausruft, und niemand tankt 14 Tage lang bei ihm. Zufallsgeneriert wird dann ein neuer Termin ausgesucht, an dem wieder der bundesdurchschnittliche Spritpreis erhoben wird, ebenfalls mit anschließender 14-tägiger Sperrfrist gegen den Ober-Abzocker-Konzern.
Ein primitives, überschaubares, quälend langsames Verfahren, aber das ist die Entstehung von Tropfsteinhöhlen auch, und trotzdem gibt es sie.
Bei Tropfsteinhöhlen funktioniert das Verfahren so sicher, weil nur wenige hirnlose, tote Faktoren zusammenspielen: Wasser, Mineralien und Schwerkraft.
Beim "Sequentiellen Tankstellenboykott" funktioniert das Verfahren nicht, weil Menschen zusammenspielen müssten.
Im Unterschied zu Wasser, Mineralien und Schwerkraft denken Menschen, und was sie denken, ist unausgegorene, unlogische, pathologisch-egomanische Krümelkacke. Dementsprechend handeln sie. Das ist schon beim Individuum unappetitlich anzusehen, aber betrachtet man das Verhalten von Gruppen, kann man "gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte" (frei nach Max Liebermann).
Fazit: Es gibt eine Methode, mit der wir Dinge verbessern könnten. Aber sie wird nicht praktisch umgesetzt, weil wir zu blöd sind, solidarisch zu handeln.
Die einzigen Menschen, die solidarisch handeln, sind die Autokraten und Kapitalisten¹.
Und es fällt ihnen leicht, so leicht, uns immer wieder auseinanderzutreiben uns gegeneinander aufzuhetzen und uns zu korrumpieren.
Also hört auf zu heulen.
¹ Nein, ich gendere nicht. Ich rede von alten, weißen Männern, die unabhängig von X- und Y-Chromosomen, Pigmentierung, Nasenrückenbreite und Hosenanzug allesamt Arschlöcher sind.
