Manchmal sehne ich mich nach einer Partei wie die SPD der späten 1960er und frühen 1970er Jahre ... Nee, das stimmt nicht: Ich sehne mich nach Politikys wie Willy Brandt und Helmut Schmidt, wie Bahr und Wisniewski. Dabei bin ich nicht so naiv, anzunehmen, diese Herrschaften hätten keinen Dreck am Stecken, wären nicht machtgeil gewesen u.v.a.m.
Aber:
Sie blieben - in ihrer politischen Verantwortlichkeit¹ - stets moralisch integer, und die einzige Lobby, der sie sich verpflichtet fühlten, waren die abhängig Knechtenden und nicht, wie heute, die mächtigen Konzerne.
Brandt hatte den Friedensnobelpreis redlich verdient. Und Schmidt hat zwar bei der Sturmflutkatastrophe 1962 ganz bewusst seine Kompetenzen überschritten und als Hamburger Innensenator grundgesetzwidrig (!) die Bundeswehr (!!) für zivile Aufgaben (!!!) eingesetzt, aber niemand fand das schlimm, weil man damals™️Politikys nicht grundsätzlich verdächtigen musste, ausschließlich aus krankhaftem Egoismus und Machtgeilheit zu handeln.²
Wenn damals™️ einy Politiky öffentlich gegen unser Grundgesetz, gegen unsere Verfassung verstieß, dann war das so unfassbar schlimm, dass wir alle gedacht haben: "Okay, entweder hat er/sie echt gute Gründe oder sie/er geht lebenslänglich in den Knast, wird mitsamt seiner/ihrer Partei NIEMALS wiedergewählt!" Man nannte das "Vertrauen" und "Demokratische Verantwortung". Heute verstoßen Politikys routiniert gegen das Grundgesetz, wenn es der befehlshabenden Lobby so gefällt, und wir reagieren nur mit allgemeiner Politikverdrossenheit, haben uns dran gewöhnt und verachten sowohl ausnahmslos alle Politikys als auch alle Lobbyistys, was die aber überhaupt nicht juckt.
Verachtung ändert ja nichts an den Machtverhältnissen. Das war früher ™️anders.
Brandt und Schmidt sind natürlich nur prominente Beispiele, und ganz zweifellos idealisiere ich hier auch ein bisschen, um klarzumachen, worum es mir geht: Ich achte und schätze ihre Fähigkeit, uneigennützige, verantwortliche Entscheidungen zu treffen, die sie möglicherweise den Kopf kosten könnten.
Und ich achte und schätze, dass sie sich auch für die Schwachen eingesetzt haben³.
¹ Ich betone das, weil im privaten, menschlichen Bereich ... muss man da wohl ... genauer hinsehen ...
² Man vergleiche z.B. Spahn und die Maskendeals.
³ Ja, ich weiß: Bei Schmidt war das nur undeutlich erkennbar.
