Sonntag, 17. November 2019

Vorbildliche Wissenschaft


Ich weiß zwar nicht warum, aber offenbar haben wir "Themenwoche Bildung". Das klingt, als hätte die Journaille gerade wieder ein Defizit an echten Inhalten und bedürfe daher eines Jokers, den man immer spielen kann, wenn man nix auf der Pfanne hat. Schulscheiß ist dafür immer gut.

Nebst anderem Blödsinn bringt tagsschau.de ein Interview unter dem Titel "Es gibt keine Schule ohne Rassismus".  Ein "Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum" gibt auf die Eingangsfrage, wie groß das Rassismusproblem an deutschen Schulen sei, zur Antwort:

"Die genauen Prozentzahlen sind nicht bekannt. Aber ich als Rassismusforscher gehe davon aus, dass überall dort, wo Menschen zusammenkommen, auch Ungleichheitsstrukturen eine Rolle spielen. Es gibt keine Räume, die frei sind von Rassismus. Es gibt keine Schule ohne Rassismus."

Auf die weiteren Fragen, wer betroffen sei, was Lehrkräfte unternehmen müssten, etc. etc., kann der Mann dann aber sehr dezidiert Auskunft geben.

Ich finde das großartig! Vor allem die brilliante argumentative Konstruktion überzeugt mich total: "Ich habe zwar NULL valide Erkenntnisse oder belastbares Daten-Material, aber ich bin Wissenschaftler und deshalb reicht es, wenn ich meine Meinung absondere, insbesondere, wenn diese, meine Meinung dazu dient, meine eigene hochdotierte Stelle zu legitimieren!" 

Mir wäre fast nicht aufgefallen, dass das strenggenommen eine totale geistige Bankrotterklärung  ist und dass sowohl der Titel des Textes als auch dessen Inhalt als auch die Reputation des Interviewten und seiner Fachdisziplin endgültig ins Nirwana geschossen wurde. Aber das Problem ist eigentlich NICHT, dass hier ein einzelner profilneurotischer Juniorprofessor und ein hirntotes Redaktionsteam zusammen einen unsagbar schlechten Text fabriziert haben. Das Problem ist, dass hierdurch sowohl die Institution Wissenschaft als auch die Presse den Rechten, den Populisten, den Nazis eine riesige Angriffsfläche bieten.

In Fragen von Demokratie, Menschenrechten, Klima usw. wünsche ich mir, dass wir, die Guten, mit eisekalter Ratio und der schieren Überzeugungsgewalt naturwissenschaftlicher Erkenntnis den Schwachsinn der machtgeilen, menschenverachtenden Arschlöcher abschmettern. In diesem Sinne hat Fereidooni richtig Scheiße gebaut.






(Stark verändert via I-net)
Ja, nee, is' klar, die Leute stehen auf diese Wissenschafts-Nummer. Vielleicht sollten alle Soziologie-Mittelbauer öfter mal einen Labor-Kittel anziehen. Das stärkt das Selbstbewusstsein, wenn das Fachliche nicht genug Legitimation hergibt und die nächste Sinnkrise am Horizont wetterleuchtet.









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